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Zeitgeschehen

Freitag, 30. Januar 2009

"Wir haben keine Hoffnung mehr!" Die Menschen in Gaza heute


http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2009/01/29/dlf_20090129_1840_95e6078b.mp3

Dr. Clemens Verenkotte: "Wir haben keine Hoffnung mehr!" Die Menschen in Gaza heute (DLF vom 29. 1. 2009). Ausgezeichneter Hintergrund-Bericht des ARD-Hörfunk-Korrespondenten über die bestürzenden Folgen des israelischen Gaza-Angriffs für die palästinensische Zivilbevölkerung.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Nachrichten und Folter

Es ist schon erstaunlich, welche Meldungen manche Medien in die Welt zu setzen wagen. Das gilt beispielsweise für den Artikel „Hamas captives talk to Shin Bet about tactics and training” (Gefangene Mitglieder der Hamas sprechen mit Shin Bet über Taktik und Ausbildung) .
In diesem Beitrag wird offenbar für bare Münze genommen, was zwei palästinensische Gefangene dem israelischen Inlandsgeheimdienst Shin Bet angeblich verraten haben. Dabei ist doch gerade auch diese israelische Geheimdienst seit langem dafür berüchtigt und bekannt, dass er Folter anwendet. Für seine Folterpraktiken wurde Shin Bet nicht nur von mutigen israelischen Menschenrechtsorganisationen kritisiert, sondern auch von so integren jüdischen Philosophen wie Yeshayahu Leibowitz oder Noam Chomsky.

Natürlich kann auch eine unter Folter gewonnene Aussage „wahr“ sein. Aber von Folter anwendenden Organisationen gewonnene „Erkenntnisse“ sollte man grundsätzlich nicht trauen und sie schon gar nicht als schlichte Nachrichten verkaufen wollen. Das einzig Wichtige an „Erkenntnissen“ von Folteranwendern ist die Tatsache, dass sie Folter anwenden.

Dienstag, 27. Januar 2009

Kaisers Geburtstag

Meine Eltern machten mich gelegentlich am 27. Januar darauf aufmerksam, dass an diesem Tag "Kaisers Geburtstag" sei. Sie waren damit insofern geschichtsbewusster als die meisten heutigen deutschen Medien, die kaum davon Notiz genommen haben, dass heute vor 150 Jahren Wilhelm II., der bisher letzte deutsche Kaiser, geboren wurde. Ich halte die Nichtbeachtung dieses Datums für alles andere als ein Ruhmesblatt der Publizistik. Auch wenn man Person und Politik von Wilhelm II. sehr kritisch sieht, so stand er doch in einer langen historischen Epoche an Deutschlands Spitze - in einer in ihren Verdiensten zu wenig gewürdigten und gerade aus deutscher Sicht vielfältig ruhmvollen Epoche.

Statt eines Fotos dieses historischen Geburtstagskindes und einem damit verbundenen geistreichen Kurzkommentar findet man beispielsweise auf der Titelseite der FAZ das Foto eines prominenten deutschen Steuerstraftäters. Vielleicht sagen Nichtfoto und Zumwinkelbild zusammen mehr über die aktuelle deutsche Republik aus als manchen lieb ist, die gerade heute in anderem Zusammenhang wieder in salbungsvollem Ton versichert haben, wie wichtig es doch sei, unsere Geschichte nicht zu vergessen.

Kaiser
Kaiser Wilhelm II (1859 - 1941) im niederländischen Exil

Dienstag, 20. Januar 2009

UN-Chef Ban: Herzzerreißende Schäden in Gaza durch empörenden und rechtswidrigen israelischen Angriff


Link: U.N. chief Ban sees "heartbreaking" Gaza damage

Samstag, 17. Januar 2009

Israelische Pressezensur und die Erkenntnis des Leidens

Seit Wochen verbietet und versperrt Israel ausländischen Journalisten - die gegen diesen fundamentalen Angriff auf die Pressefreiheit viel zu zaghaft protestiert haben - den Zugang nach Gaza. Wochen vor dem Gaza-Krieg und natürlich auch während der israelischen Kriegsoperation mit der zynischen Bezeichnung "Cast Lead". Unwillkürlich muss ich dabei an einen Satz von Adorno denken: "Es gehört zum Mechanismus der Herrschaft, die Erkenntnis des Leidens, das sie produziert, zu verbieten ..."

Dienstag, 13. Januar 2009

Ury Avnery über die israelische Kriegsführung und die israelische Kriegspropaganda

URY AVNERY: The Blood-Stained Monster Enters Gaza

Samstag, 10. Januar 2009

Israelisches Unrecht

Zu den Israelis, denen man in diesen Tagen des von ihrer Regierung begonnenen heuchlerischen Krieges hohen Respekt zollen muss, gehört der Journalist Gideon Levy. In der Zeitung „Haaretz“ gehören seine gerade im fanatisierten Israel mutigen Beiträge zu den schärfsten Kritiken der völkerrechtswidrigen israelischen "Operation". So z. B. sein Artikel “The time of the righteous”:
http://www.haaretz.com/hasen/spages/1054158.html

Nach seinen Worten erheben Hass und Rassismus in der israelischen Gesellschaft ihre Häupter. Dass er mit dieser betrüblichen und bestürzenden Feststellung Recht hat, kann man auch außerhalb Israels erkennen, wenn man die im Internet zugänglichen israelischen – und leider auch sonstigen jüdischen - Stimmen und Reaktionen registriert.

Was Levy nicht erwähnt: Dass antiarabischer Hass und zionistisches Herrenmenschengefühl von Anfang an bei der Gründung des Staates Israel eine wichtige Rolle spielten. Das belegen mittlerweile zahlreiche Bücher, gerade auch von um Objektivität bemühten israelischen Historikern. Hier wäre etwa aus jüngerer Zeit das umfangreiche Buch von Prof. Benny Morris zu nennen: „The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited“, dessen zweite Auflage 2004 bei der renommierten Cambridge University Press erschienen ist. Darin zitiert er – nur ein Beispiel von vielen – einen Geheimdienstoffizier der jüdischen Haganah zur israelischen Haltung gegenüber den Arabern im Jahr 1948 (meine Übersetzung):

„ Neuerdings hat bei uns die Ansicht die Oberhand gewonnen, dass die Araber nichts sind. ´Jeder Araber ist ein Mörder´, Alle Araber sollten umgebracht werden´, ´Alle Dörfer, die wir erobert haben, sollten abgebrannt werden´.

Der israelische Historiker Tom Segev schildert israelisches Verhalten aus der Zeit der Staatsgründung (Die ersten Israelis, München 2008, S. 89):

„Es gibt viele Berichte über Tausende von Leuten, die zur Inspektion und Identifikation aus ihren Häusern geholt wurden. Vertreter der Militärverwaltung ließen Männer, Frauen und Kinder auf freiem Feld antreten und sie ohne Essen und Getränke und ohne Toiletten stundenlang in der Sonne stehen. Wenn Araber ihr Haus verließen, durften sie die Haustür nicht abschließen, und das Haus blieb unbewacht zurück. Bei ihrer Rückkehr stellten sie oft fest, dass ihnen die Soldaten Haushaltsgegenstände, Schmuck und Geld gestohlen hatten. Diese Dinge passierten wiederholt. Zusammen mit den Ausgangssperren und den für alles erforderlichen Genehmigungen dienten solche Taten dazu, die arabische Bevölkerung einzuschüchtern, zu demütigen und zu quälen.“

So grausam und demütigend solche Aktionen waren, so waren sie doch noch relativ „harmlos“ gegenüber dem viel größeren Unrecht der kolonialistischen Vertreibung der Araber. Prof. Morris fasst am Ende seiner detaillierter historischer Analyse der Vorgänge 1948 im zeitlichen Zusammenhang der Staatsgründung Israels das geschehene empörende Unrecht mit den nüchternen Worten zusammen (S. 589):

„ In this sense, it may fairly be said that all 700,000 or so who ended up as refugees were compulsory displaced or éxpelled´. “

Kurz gesagt: Das palästinensiche Flüchtlingsproblem beruht ebenso wie der israelische Staat auf der massenhaften Vertreibung der einheimischen palästinensischen Bevölkerung - also auf massivem israelischen Unrecht.

Donnerstag, 8. Januar 2009

Gartenparadies Gaza

Wie sah Gaza vor einem Jahrhundert, also in vorzionistischer Zeit, aus? Der Theologieprofessor Max Löhr schrieb dazu 1907 in seinem Werk „Volksleben im Lande der Bibel“:

„Manche Siedlung ist von der Küste vollständig abgeschlossen, wie zum Beispiel Gaza, das, ungefähr eine Stunde vom Meer entfernt, in keiner Weise den Eindruck einer Seestadt macht, überhaupt nicht, trotz seiner 30 000 Einwohner, den einer Stadt, sondern vielmehr einer großen Gartenkolonie gleicht. Oliven, Orangen und vor allem Datteln gedeihen hier infolge reichlichen Grundwassers vortrefflich; aber auch Aprikosen, Feigen, Granatäpfel, Sykomoren und allerlei Gemüse werden angebaut.“

1989, als von einer Hamas-Herrschaft im Gazastreifen noch nicht die geringste Rede sein konnte, musste die Journalistin und Politologin Ivesa Lübben dagegen feststellen:

„1967 besetzten die Israelis das Gebiet. Die Palästinenser führten vier Jahre lang einen erbitterten Guerilla-Krieg gegen die neuen Herren, der schließlich von Ariel Scharon niedergeschlagen wurde. Tausende von Palästinensern wurden deportiert oder verhaftet, die Häuser ihrer Familien in die Luft gesprengt.
Der Gaza-Streifen gleicht heute einem riesigen Gefängnis, eingegrenzt von Stacheldraht und Mittelmeer. Es gibt kein Entrinnen.“

Dienstag, 30. Dezember 2008

Mannichl und das journalistische Schindluder


Gestern berichtete die „FAZ“ im Anschluss an eine entsprechende Meldung der Zeitschrift „Focus“, dass die Sonderkommission der Passauer Polizei zum Fall Mannichl vor der Auflösung stehe und die Ermittlungen unter Leitung des Landeskriminalamtes „noch einmal bei null beginnen“ sollten. Mehr als zwei Wochen nach dem Messeranschlag auf Mannichl sei „noch immer keine relevante Spur zu dem unbekannten Attentäter“ gefunden worden. Das musste die gleiche Zeitung zugeben, die bereits unmittelbar nach dem Anschlag mit der reißerischen Schlagzeile erschien: „Neonazi sticht Polizeidirektor nieder“.

Ebenso wie viele andere Zeitungen und sonstige Medienorgane hielt es die FAZ damals nicht für nötig, von einem „mutmaßlichen“ Neonazi zu schreiben, sondern titulierte unkritisch und voreilig so, als stünden Sachverhalt, Täter und Hintergründe bereits fest. Davon konnte jedoch nicht im Geringsten die Rede sein. So undifferenziert plakativ in einem Kriminalfall zu titulieren, war journalistische Leichtfertigkeit und durchaus ein Tiefpunkt seriöser Berichterstattung. Es stellt zugleich der damit praktizierten journalistischen Sorgfalt ein beschämendes Zeugnis aus.

Die Sache wird selbstverständlich nicht dadurch besser, dass sie sich nicht nur bei dem besagten renommierten Blatt, sondern auf breiter bundesrepublikanischer Pressefront abspielte. Und das nach all den Erfahrungen mit massiven voreiligen journalistischen Fehlgriffen und vorurteilsbehafteten Falschmeldungen gerade im Zusammenhang mit dem Rechtsextremismus – Stichworte: Ertrinkungstod in Sebnitz oder Hakenkreuzritzung von Mittweida! Selbst, wenn es sich letztendlich erweisen sollte – was im Moment keineswegs sicher scheint - , dass es sich bei dem Täter tatsächlich um einen Neonazi gehandelt hat, bleiben solche Schlagzeilen wie in der FAZ eine niveaulose Angelegenheit, die eigentlich eine Entschuldigung verdiente. Andererseits werden garantiert auch Entschuldigung und vorübergehende aktuelle Einsicht nicht verhindern, dass bei nächstbester Gelegenheit die gleichen Medien wieder der Versuchung zu unvertretbaren und journalistisch billigen, aber anscheinend kommerziell einträglichen Schlagzeilen erliegen werden.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Bernard Madoff – der kriminellste amerikanische Betrüger?

Vor wenigen Tagen wurde die so genannte amerikanische „Investment-Legende“ Bernard L. Madoff unter dem Verdacht verhaftet, Anleger um 50 000 Millionen Dollar betrogen und geschädigt zu haben. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, dann könnte Madoff den zweifelhaften Ruhm erlangen, der größte, das heißt kriminellste amerikanische Betrüger überhaupt zu sein.

Die jüdische Zeitung "The Forward" und die israelische Zeitung Haaretz haben darauf hingewiesen, dass jetzt schon zahlreiche jüdische Einrichtungen von dem Madoff-Skandal betroffen sind. Bernard Madoff, Spross einer New Yorker jüdischen Familie, hatte in der Vergangenheit gerade jüdische Institutionen mit Geld versehen und galt als einer der wichtigsten jüdischen Philanthropen. Zu den vom madoffschen Geld profitierenden Einrichtungen gehörte laut Haaretz beispielsweise die Yeshiva University oder die Robert I. Lappin Charitable Foundation, deren Ziel es ist, Juden von Mischehen (intermarriage) abzuhalten und den Trend der Assimilation umzukehren.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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