Religion

Donnerstag, 10. September 2009

Von Vögeln und Fledermäusen

Wenn in Gottesdiensten, im Konfirmationsunterricht oder bei katholischen Messen wieder salbungsvoll davon geredet wird, wie wunderbar Gott die Welt eingerichtet hat, darf man auch daran denken: Kohlmeisen picken Fledermäusen, die gerade aus dem Winterschlaf erwachen, die Köpfe auf und bekämpfen mit deren Fleisch und Blut dann die eigene Nahrungsnot.

Great tits bite off bats' heads

Ein Vorgang, der eigentlich mit seinem Töten und Getötetwerden in der Tierwelt nichts Besonderes darstellt, aber doch aufhorchen lässt, weil man beim munteren Zwitschern und Tirillieren von Singvögeln meistens nicht an solche Vorgänge denkt. Gerade unsere kleinen gefiederten Freunde haben zudem in der Geistes- und Kulturgeschichte schon oft manche zum Lob über die Schönheit und Lieblichkeit der Schöpfung und zum Preisen des Schöpfers veranlasst. Ich will mit diesem Hinweis auf die Kohlmeisen in Ungarn auch nicht - wie Schopenhauer dies angesichts der Weltgrausamkeit getan hat - behaupten, dass deswegen solches Gotteslob völlig unberechtigt ist - aber man muss dann doch diesen blutigen Teil des Weltlebens mitbedenken und einbeziehen.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Heidnische Kritik

Kritik am Islam ist ebenso wie Kritik an Judentum und Christentum dann am überzeugendsten, wenn sie auf heidnischer Grundlage erfolgt.

Dienstag, 12. Mai 2009

Umjubelte Päpste

Seit Johannes Paul II halten es gar nicht so wenige Katholiken für ein Zeichen göttlichen Segens, wenn der Papst wie ein Popstar bejubelt und gefeiert wird. Einige Jahrhunderte früher freuten sich manche Päpste, wenn sie ähnlich beliebt waren wie ihre vom Publikum angebeteten Kastratenstars.

Sonntag, 3. Mai 2009

Jüdischer Missionierungseifer

Kürzlich schrieb der jüdische Historiker Michael Brenner in einer Erwiderung auf den katholischen Philosophen Robert Spaemann:

„Spaemann sagt, auch das frühe Judentum war missionarisch. Das ist richtig, doch seit zweitausend Jahren ist es dies eben nicht mehr.“

Abgesehen davon, dass Juden sehr wohl auch in den letzten zweitausend Jahren noch vielfach missioniert haben, stellt sich die Frage, warum sie ihre Missionstätigkeit seit antiker Zeit heruntergefahren haben. Geschah aus der Einsicht heraus, dass auch andere Religionen ein gleiches Maß an Wahrheit besitzen, dass griechische, römische, germanische, keltische Gläubigkeit - oder wenigstens Christentum, Buddhismus oder Islam - der jüdischen Religion gegenüber gleichwertig und ihre Anhänger daher mit dem entsprechenden Respekt zu behandeln sind? Davon kann natürlich nicht die Rede sein. Selbst äußerlich dem orthodoxen Judentum nicht nah verbundene jüdische Theologen und Philosophen des 20. Jahrhunderts – von den tonangebenden Rabbinern ganz zu schweigen! - wie Erich Fromm, Hermann Cohen oder Pinchas Lapide bezeichnen jeden nichtjüdischen Gott nur verächtlich und überheblich als „Götzen“.

Es sind letztlich lediglich politisch-taktische Gründe gewesen, die dem jüdischen Missionierungseifer Grenzen gesetzt haben. Leo Baeck, eine nicht nur in dieser Hinsicht gewiss bedeutendere Autorität als Michael Brenner, schreibt dazu ehrlich und richtig in seinem berühmten „Das Wesen des Judentums“:

„Das Judentum war die erste Religion, die im Dienste einer Religion Mission trieb, und jüdische Propaganda hat dem Christentum den Boden für seine Ausbreitung gegeben. Nicht religiöse, sondern politische Gründe sind es vor allem gewesen, welche dann diesem Streben, das Reich der Gläubigen auszudehnen, im Judentum allzufrüh Schranke und Ende bereitet haben. Aber das Bewußtsein des Missionsrechtes und der Missionspflicht ist darum nicht geschwunden.“

Baeck bejaht diese jüdische Missionsverpflichtung zutiefst – und er ist mit dieser Haltung wahrlich nicht der einzige Vertreter seiner Religionsgemeinschaft. Nicht nur er, sondern auch die meisten heutigen ebenso wie die früheren jüdischen Gegner einer christlichen Judenmission sind selbstverständlich überzeugt von der inneren Überlegenheit des Judentums. Wer dagegen diese angebliche Superiorität nicht selbst bejaht, kann aus der jüdischen, auf andere Religionen bezogenen Antimissionierungshaltung wahrlich keine generellen und grundsätzlichen Gründe gegen religiöses Missionieren überhaupt gewinnen.

Dienstag, 28. April 2009

Der freie Gott

"Gott ist kein Christ", stellt der jüdische Professor Michael Brenner fest (FAZ vom 28. 4. 2009). Da hat er Recht. Aber ebenso gilt: Gott ist kein Jude.

Sonntag, 15. Februar 2009

Polytheismus

Wenn man schon Polytheist ist, dann sollte jedes Atom, ja jedes subatomare Partikel, ein Gott oder eine Göttin sein dürfen.

Samstag, 24. Januar 2009

Der biblisch-israelische "Held" Samson - Raubmörder und Soziopath?

Der mutige deutsche Psychologe Franz Buggle und der britische Biologe Richard Dawkins gehören zu denjenigen, die in jüngerer Zeit darauf hingewiesen haben, wie seltsam und abstoßend das Gottesbild des Alten Testamentes beziehungsweise der Thora anmutet. Dawkins spricht in seiner unverblümten Sprache vom „psychotischen“ jüdischen Gott, wobei es für einen Atheisten wie ihn nur so sein kann, dass er diejenigen, die einst eine solche Gottesvorstellung konstruiert haben, für seelisch Gestörte halten muss. Ob Dawkins nun den Begriff des Psychotischen im engeren psychiatrischen Sinn gebraucht oder nicht: Fest steht, dass es vieles in der hebräischen Bibel gibt, das grundlegende Zweifel an diesem Gott und den sich auf ihn beziehenden Religionen aufkommen lässt. Das haben natürlich Buggle und Dawkins nicht als erste erkannt. So schrieb schon - um hier nur einen aus der Reihe der Kritiker der altbiblischen Gottesvorstellung zu nennen - Werner Sombart in seiner Untersuchung "Die Juden und das Wirtschaftsleben" (1911, S. 228):

"Welch ein Gott aber auch, was für ein schreckhaftes, grauenerregendes Wesen, das so fluchen kann wie Jahve! Es ist wohl niemals wieder in der Weltliteratur, weder vorher noch nachher, so viel Übles Menschen angedroht worden, wie in dem berühmten 28. Kapitel des Deuteronomiums Jahve dem an den Hals wünscht, der seine Gebote nicht befolgt."

In diesen Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass vor einigen Jahren Eric Altschuler, ein amerikanischer Psychologe mit einem tradionsreichen Prager jüdischen Nachnamen, darauf aufmerksam gemacht, dass das Verhalten des biblischen Richters Samson/Simson wahrscheinlich als Ausdruck einer krankhaften psychischen Störung zu sehen ist.

Dr. Altschuler hält den „Helden“ Samson für einen Soziopathen, bei dem eine „Antisocial Personality Disorder“ (ASPD) vorgelegen habe. Er sieht sechs der sieben Kriterien nach DSM-IV bei Samson, einem Israeliten mit einer Vorliebe für nichtjüdische Frauen, erfüllt. Zur Begründung verweist er - unter anderem - auf dessen aggressive und grausame Verhaltensweisen gegenüber Menschen und Tieren. Als Simson beispielsweise infolge einer verlorenen „Wette“ verpflichtet ist, den Gewinnern 30 Hemden und 30 Festgewänder zu geben, erschlägt er kurzerhand 30 unbeteiligte Männer und raubt ihnen ihre Kleidung (Buch der Richter, Kap. 14). Theologisch aufschlussreich wird in der Bibel bezeichnenderweise sein spiritueller Zustand unmittelbar vor diesem Raubmord so beschrieben: „Und der Geist des Herrn kam über ihn.“

Etwas später erweist sich Samson/Simson als sadistischer antisozialer Tierquäler:

„Simson ging weg und fing dreihundert Füchse. Dann nahm er Fackeln, band je zwei Füchse an den Schwänzen zusammen und befestigte eine Fackel in der Mitte zwischen zwei Schwänzen. Er zündete die Fackeln an und ließ die Füchse in die Getreidefelder der Philister laufen. So verbrannte er die Garben und das noch stehende Korn, ebenso die Weingärten und die Ölbäume“ (Buch der Richter, Kap. 15).

Später ergreift er „den noch blutigen Kinnbacken eines Esels“ und erschlägt damit tausend Männer. Auch hier erwähnt die Bibel unmittelbar zuvor, dass der „Geist des Herrn“ über ihn kam – der gleiche Geist, der ihn zuvor bereits einen jungen Löwen zerreißen ließ „als würde er ein Böckchen zerreißen“.

Wenn Simson sich wie ein gestörter Soziopath verhält – ist dann nicht auch der „Herr“, der gerade in seinen extremsten Phasen über ihn kommt und ihn zu seinen Untaten treibt , in ähnlicher Weise zu beurteilen?

Ist es Zufall, dass dieser gewalttätige Samson im heutigen Israel gefeiert und vielfältig geehrt wird, worauf vor einigen Jahren der israelische Schriftsteller David Grossman nachdrücklich aufmerksam gemacht hat?
In einem Israel, dessen Jugend nach Prof. Michael Wolffsohn, einem jüdischen Freund dieses Landes, einen "traurigen Weltrekord" hält: Die israelischen Schüler sind die gewalttätigsten der Welt. Fast zwei Drittel von ihnen sind demnach an Gewalttaten gegen andere Schüler beteiligt, die so heftig sind, dass 10 bis 15 Prozent der Schüler deswegen in ein Krankenhaus müssen. Über die Hälfte der israelischen Schüler wird zudem Opfer von Erniedrigungen und heftigen verbal-agressiven Attacken.

Werden nicht diese extrem gewalttätigen israelischen Schüler nach Schulabschluss israelische Soldaten? Sie werden es, auch wenn dies natürlich nicht heißt, dass alle israelischen Soldaten gewalttätig sind.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Ius veritatis

Die Juden sind weder im Besitz der Wahrheit noch ist sie ihr Eigentum. Sie haben sie auch nicht gepachtet, geliehen oder gefunden und sie wurde ihnen weder vererbt noch geschenkt. Das positive Rechtsverhältnis, in dem Juden zur Wahrheit stehen, ist noch gar nicht entwickelt worden. Und wie mit den Juden, so verhält es sich in dieser Hinsicht mit anderen Religionen und Völkern.

Donnerstag, 13. November 2008

Barack Obama und Reinhold Niebuhr


Von Barack Obama, dem neuen Präsidenten der USA, wird berichtet, er habe einst intensiv Nietzsche gelesen und Reinhold Niebuhr sei einer seiner Lieblingsphilosophen. Dass amerikanische Präsidenten Philosophen kennen, ist erfreulich, wenn auch nicht völlig überraschend. Schon Obamas Vorgänger in dem ehrwürdigen Amt, George W. Bush, wusste einen Lieblingsphilosophen zu nennen: Jesus.

Diejenigen Intellektuellen und weniger Intellektuellen, die gern über den kargen geistigen Horizont George W. Bush spotten, kann man bei dieser Gelegenheit daran erinnern, dass sich Bush mit seiner Nennung von Jesus wenigstens an einen Primärdenker gehalten hat, während Obama anscheinend mit Niebuhr einen christlichen Sekundärdenker vorzieht. Niebuhr ist nicht weniger christlich als Jesus, sondern im Gegenteil noch viel mehr. Niebuhrs deutschamerikanisches Denken ist mit all der christlichen Theologie aufgeladen, die sich erst postjesuanisch im Lauf der Jahrhunderte inflationär entwickelte. Es ist beispielsweise christliches und niebuhrsches Denken zugleich, dass ein maximal nachtragender Gott dem Menschen Jahrtausende lang nicht verziehen hat, dass er so war, wie er war. Auch dass sich in Christus die Geschichte vollendet und neu beginnt, ist zwar christliches und niebuhrsches Denken – ob es jesuanisches Denken ist, ist dagegen eine ganz andere und viel zweifelhaftere Frage. Davon abgesehen: Wenn der historische Jesus ebenso gedacht hätte, würde es überdies die Sache nicht besser machen. Es wäre eine Hybris sondergleichen des galiläischen Juden und Wanderpredigers gewesen, anzunehmen, dass er Mittelpunkt und Endpunkt der Geschichte ist. Wenn man ihm einen solchen Glauben unterstellt, darf man sich nicht wundern, dass ihn neuzeitliche Wissenschaftler in eine Reihe mit seelisch gestörten und psychiatrisch behandlungsbedürftigen Personen stellen, für die es gar nicht so selten kennzeichnend ist, dass sie glauben, Alpha und Omega der Weltgeschichte zu sein. So aber dachte und war der historische Jesus nicht, behauptete Emil G. Hirsch, der große amerikanische Rabbinerphilosoph. Ich glaube, er hatte Recht. Ob Obama diesen Emil G. Hirsch kennt? Ausgeschlossen ist es nicht, da er zu den Pionieren der University of Chicago gehörte, die Obama bekanntlich stark beeinflusste, und auch sein Enkel Edward Levi, Juraprofessor und zeitweiliger Justizminister, dort lehrte.

Um es abzukürzen: Wer Reinhold Niebuhr - an dessen menschlicher Lauterkeit und großem Intellekt man keinen Grund zum Zweifeln hat - zu seinem Lieblingsphilosophen erklärt und seiner christlichen Philosophie applaudiert, der steht insofern weder intellektuell noch moralisch höher als derjenige, der sich unmittelbar auf den Philosophen Jesus beruft.

Sonntag, 4. Mai 2008

Jüdischer Schöpfungsnihilismus

Der von - vor allem deutschen - Christen so gern angeführte Gedanke des Bewahrens der Schöpfung ist überwiegend kein jüdischer oder biblischer Gedanke. Zu Recht schreibt Prof. Daniel Krochmalnik in seinem Beitrag „Variationen zum Anfang in der jüdischen Tradition“ (Zeitschrift für Ideengeschichte, Sommer 2007, S. 45 – 61) zur Einstellung der Rabbinen: „Wie wenig ihnen die Schöpfung an und für sich bedeutet, zeigen jene Lehren, die den Fortbestand der Schöpfung an die Bedingung der Gesetzesannahme knüpfen. …eine Existenzberechtigung erhält die Schöpfung nur, wenn sie sich nachträglich durch das Gesetz rechtfertigt und durch Gesetzesgehorsam bewährt.“ Damit wird nicht nur der Schöpfung nihilistisch ein eigenständiger Wert abgesprochen, sondern ihr Bestand wird sogar von der dauernden Existenz des Judentums abhängig gemacht. Würden die Juden ihr Judentum aufgeben und damit den Gesetzesgehorsam verletzen, so mag nach dieser biblischen Perspektive die Welt ruhig untergehen. Juden könnten also mit Berufung auf diese rabbinische Sicht konsequent sagen: Nach uns die Sintflut.

Krochmalnik betont, dass das Desinteresse an der Naturhaftigkeit der Schöpfung zur Grundstruktur des rabbinischen Denkens gehört: „Die Schöpfung interessiert nicht als Naturereignis …, sondern als natur- oder besser kreaturrechtliche Präambel zum Gesetz.“ Bei dieser Einschätzung hätte er sich auf das Konzept des „halachischen Menschen“ von Joseph Baer Soloveitchik (1905 – 1993) berufen können, der sich in genau dem gleichen Sinn geäußert hat. Insofern ist es auch kein Wunder, dass das naturwissenschaftliche Interesse des alten talmudischen rabbinischen Judentums auf Medizin und Astrologie/Astronomie beschränkt war, wie Prof. G. Veltri in seinem Aufsatz über „ Theoretical and Empirical Sciences in Rabbinic Judaism“ (Jewish Studies Quarterly, Vol. 5, 1998, Nr. 4, S. 300 – 317) hervorhebt. Diese beiden Wissensbereiche waren diejenigen, die für die Befolgung des Gesetzes bedeutungsvoll waren.

Wenn – wie vor allem im 20. Jahrhundert – jüdische Wissenschaftler wichtige und wichtigste Beiträge zu vielen Naturwissenschaften liefern, so wandeln sie damit ideengeschichtlich grundlegend stärker auf nichtjüdischen-heidnischen Pfaden als auf orthodox jüdischem Weg: Sie folgen - zum Glück! - Aristoteles und Archimedes, nicht Moses und den Propheten.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

Impressum:

© 2007-2009 by Gregor Brand
Am Denkmal 4
24793 Bargstedt/Holstein (Germany)
www.gregorbrand.com

Aktuelle Beiträge

Weltfamilie
Wenn es – wie schon von Novalis anformuliert...
gregorbrand - 19. Okt, 14:16
Die Flüche der Synagoge
Carl Schmitt wird gern und häufig als Antisemit...
gregorbrand - 16. Okt, 02:38
Schöngeist
Während meiner Schulzeit war mein Lieblingsschöngeist...
gregorbrand - 16. Okt, 02:20
Krisenzeiten und demographische...
Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet in ihrer...
gregorbrand - 6. Okt, 11:21
Matérialisme démoniaque
Satan, scheinbar schönster aller Engel: Bist...
gregorbrand - 26. Sep, 22:33

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Links

Gregor Brand bei Twitter

    follow me on Twitter

    Suche

     

    Aphorismen
    Autobiografisches
    Carl Schmitt
    Eifel
    Ernst Jünger
    Gedichte
    Goethe
    Hermann Cohen
    Intelligenz
    Kulturkritik
    Religion
    Rezensionen
    Zeitgeschehen
    Profil
    Abmelden
    Weblog abonnieren