Kulturkritik

Dienstag, 13. Mai 2008

Adorno und das Ressentiment

Zu den schändlichen Schauspielen, die Adorno, der meist misstönende Sohn einer Sängerin, geliefert hat, gehören seine Ausführungen über Schiller in seinen hoch geschraubten und doch allzu dünn gebohrten „Minima Moralia“. Zu Recht schreibt der Münsteraner Philosoph Volker Gerhardt in einem erfrischenden Beitrag des schönen von Jan Bürger herausgegebenen Buches „Friedrich Schiller. Dichter, Denker, Vor – und Gegenbild“ (Göttingen: Wallstein 2007), dass Adornos abgründige Neid- und Hasstirade - „das pure Ressentiment“ (V. Gerhardt) - gegen Schiller im Grunde ein Fall für Psychoanalytiker ist und Adornos Leser für alle Zeiten vor ihm hätte warnen müssen.

Dass eine Zeitschrift wie „Cicero“ das adornosche Geifern im Schiller-Jahr 2005 zustimmend neu veröffentlichte und damit der „posthumen Denunziation eines Schlechtweggekommenen durch einen von der Geschichte selbst Verratenen“ (V. Gerhardt) den Beifall der intellektuell Ahnungslosen schenkte, ist zwar betrüblich, aber leider nicht so verwunderlich. Wenn eine bereits verwundete Gesellschaft sich jahre- und jahrzehntelang den Luxus leistet, Adornos Leere zu goutieren – wie soll dies schadenlos bleiben?

Donnerstag, 8. Mai 2008

Kulturphilosophie und der europäische Absturz

„Kulturphilosophie als Wort finden wir nicht vor dem Beginn unseres Jahrhunderts.“

Der Österreicher Franz Martin Wimmer schrieb dies 1989 in seinem Beitrag „Rassismus und Kulturphilosophie“. Wimmers Feststellung zur historischen Semantik des Begriffs Kulturphilosophie ist allerdings – wie so vieles andere in seiner Abhandlung - haarscharf unzutreffend. Bereits 1899, also noch im 19. Jahrhundert, veröffentlichte der in Bern lehrende jüdische Philosoph Ludwig Stein seinen „Versuch über die Kulturphilosophie“. Der Begriff einer Kulturphilosophie ist sogar noch fast zwei Dekaden älter – eine ganz und gar nicht unerhebliche Zeitspanne in der dynamischen Geistesgeschichte der Neuzeit. Bereits 1881 wird der Terminus – in älterer Rechtschreibung - von dem herausragenden Holsteiner Soziologen und Philosophen Ferdinand Tönnies geschaffen, als dieser in seiner berühmt gewordenen Habilitionssschrift die Thematik von „Gemeinschaft und Gesellschaft“ als „Theorem der Cultur-Philosophie“ behandelt. Darauf weist Ralf Konersmann in der von ihm herausgegebenen „Kulturphilosophie“ (3., aktualisierte Aufl. Leipzig 2004) zu Recht hin. Der Kulturphilosoph Konersmann ist als Professor der Philosophie an der Universität Kiel im übrigen einer der Nachfolger eben jenes in Kiel in den Dreißiger Jahren lehrenden Philosophen Ferdinand Weinhandl, gegen dessen kulturphilosophische Gedanken Wimmer in der eingangs genannten Abhandlung mit antifaschistischem Eifer zu Felde zieht.

Über Ludwig Stein notierte Karl Kraus in seiner „Fackel“ vom 23. November 1906, dabei eine Berliner Zeitung zitierend – und hier nun also selbst Gegenstand eines Zitats:

Die Berliner ›Post‹ schreibt am 14. November unter dem Titel »Ein jäher Fall«: »An der Berner Universität wirkte seit etlichen Jahren der aus Pest gebürtige, aber in Zürich eingebürgerte Philosophieprofessor Doktor Ludwig Stein. Er war namentlich ein großer Anziehungspunkt der russischen Studenten mosaischer Richtung und auch seine sozialdemokratischen Ansätze übten auf die vielen Töchter des Ostens merklichen Einfluß aus. Er galt lange Zeit als hohe wissenschaftliche Zierde der Hochschule der Bundesstadt, und Bern schien ohne Ludwig Stein gar nicht denkbar zu sein. Bezüglich der blumenreichen und schwülstigen Beredsamkeit ist ihm zweifellos ein gutes Zeugnis auszustellen. Im Verlag von B. G. Teubner in Leipzig hat nun Herr Prof. Stein eine Schrift erscheinen lassen, die den Titel führt: ›Die Anfänge der menschlichen Kultur, eine naturwissenschaftlich-kritische Betrachtung‹. Dieses kleine Werk hat durch Prof. Konrad Keller, Lehrer der Zoologie an der Universität Zürich, eine vernichtende Kritik erfahren, in welcher Stein der Kompilation haarsträubenden Unsinns und der Ignoranz in naturwissenschaftlichen Problemen beschuldigt wird. Prof. Keller läßt Herrn Stein eine Abfertigung zu teil werden, die namentlich durch das Stillschweigen des Angegriffenen und das volle intellektuelle Versagen seiner Freunde doppelt verblüffen mußte. Und statt sich zur Wehr zu setzen, hat Herr Prof. Stein in möglichster Eile Bern verlassen und sich in Berlin niedergelassen. Seine prächtig gelegene Villa über dem Aarestrom und der romantischen Hufeisenstadt steht nun einsam und verlassen da und ist zum Verkauf ausgeschrieben …« Um Herrn Stein dürfte seinen Anhängern nicht bange sein. Sie schätzen ihn als spekulativen Philosophen und wissen, dass er auch in Berlin mehrere Häuser besitzt und dort aus dem »Satz vom zureichenden Grund« größten wissenschaftlichen Gewinn gezogen hat.

Ludwig Stein trug mit seinem Programm in seinem erwähnten „Versuch über die Kulturphilosophie“ seinen kleinen Teil dazu bei, das verbreitete Vorurteil über Juden zu festigen, diese seien bei der Betrachtung menschlicher Eigenschaften allzu einseitig auf den Intellekt fixiert. Für Stein war der Intellekt jedenfalls das Kulturheilmittel schlechthin. So schreibt er:

„Fort daher mit allem verweichlichenden Pessimismus und entnervenden Fatalismus, welcher die Kultursysteme der Araber, Inder und Chinas an den Rand des Abgrunds geführt haben! Ihre Geschichte sei für uns das Weltgericht. Lernen wir aus dem selbstmörderischen Schicksal der drei übrigen rivalisierenden Kultursysteme, wie wir es nicht machen sollen. Bilden wir vielmehr unseren Intellekt immer vollkommener, immer allseitiger, immer tiefgreifender aus, und schöpfen wir aus diesem Intellekt Entschlossenheit und Selbstsicherheit in der Niederhaltung aller übrigen Kultursysteme!“

Nur wenige Jahre später waren viele europäische Denker der Überzeugung, dass sie gerade aus ihrem eigenen – europäischen - selbstmörderischen Schicksal - wie es sich im Ersten Weltkrieg vollzog - lernen sollten, „wie wir es nicht machen sollen.“ Zu denjenigen, für die diese Frage wichtigster Inhalt des philosophischen Denkens überhaupt wurde und die sich leidenschaftlich gegen den Absturz der deutschen Kultur in den Abgrund wehren wollten, gehört Ernst Bergmann. Ausdrücklich setzt er an die Stelle des auch von Stein kritisierten Pessimismus und Fatalismus Zuversicht und fichteschen Willen zur Tat. Gleichzeitig kritisiert er aber mit radikaler Vehemenz die Vorherrschaft des männlich bestimmten Intellekts in der europäischen Kultur, ohne deswegen Antirationalität zu propagieren. Im Gegenteil: Die einseitige Höherschätzung des Intellekts ist für ihn krasser Ausdruck von Unvernunft und nicht nur kulturell, sondern auch biologisch letztlich zutiefst verhängnisvoll.

Sonntag, 30. März 2008

Antisemitismus und Antialphabetismus

Die Ursprünge des Alphabets wurden, nach heutigem Kenntnisstand, von Semiten geschaffen. Semiten waren es, die die ältesten alphabetischen oder präalphabetischen Inschriften aus der Zeit um 1900 v. Chr. in Ägypten hinterlassen haben, die vor einiger Zeit von John Darnell entdeckt wurden. Angesichts dieser Herkunft und der uralten semitischen Tradition des Schreibens ist es kein Wunder, dass einige der wirkungsvollsten Bücher der Geschichte – Thora und Koran – in semitischen Sprachen verfasst wurden. Wer Bücher hasst und Schreibende, wird in gewisser Weise immer auch etwas Antisemitisches in sich haben.

Donnerstag, 27. März 2008

Edwin Arnold und T. S. Eliot

Vor drei Tagen und 104 Jahren starb der englische Dichter und Journalist Edwin Arnold (1832 – 1904). Er gehört zu den gar nicht so zahlreichen Schriftstellern, von denen ein ungleich bekannterer angelsächsischer Stammesgenosse, der illustre Literaturnobelpreisträger und "dead master" des 20. Jahrhunderts T. S. Eliot, ausdrücklich bekannte, dass er ihm etwas bedeute. Eliot bezog sich dabei konkret auf Arnolds 1879 veröffentlichtes Langgedicht „The Light of Asia“. In seinem Essay „Was ist geringere Dichtung“ (What is minor poetry") erwähnt Eliot, dass er als Junge „The Light of Asia“ kennengelernt habe und dass es ihm auch heute noch sehr ans Herz gewachsen sei. Er habe das Gedicht mit größtem Vergnügen – und das sogar mehrmals – gelesen. Dieses schöne und außerordentliche Lob des Werks von Edwin Arnold wird leider dadurch getrübt, dass Eliot darüber eben gerade im Zusammenhang von minor poets schreibt und er offenkundig Arnold für einen dieser geringeren Dichter hält. Verschweigt Eliot - der wiederum selbst von anderen (z. B. E. R. Curtius) zu den minor poets gezählt wurde - an dieser Stelle, dass ihn dieser angeblich geringere Dichter vielleicht doch recht stark beeinflusst hat? Immerhin wurde Eliots bekanntes Interesse an Indien und Sanskrit gerade auch durch die Lektüre des indophilen Gedichts von Edwin Arnold beinflusst, verstärkt, wenn nicht sogar hervorgerufen.

T. S. Eliot hob 1944 hervor, dass er „The Light of Asia“ immer noch für ein gutes Gedicht hält und dass er sich zu jemandem hingezogen fühlt, der es ebenfalls gelesen hat und Gefallen daran findet.

Erstaunlich ist es, dass Eliot nach eigenen Angaben nie neugierig darauf war, etwas über den Autor Edwin Arnold zu erfahren. Damit betont er im Grunde noch einmal – und wieder auf einem vielleicht höflichen Umweg - , dass er diesen für nicht so wichtig hält. Aber wie kann man, gerade als angelsächsischer Intellektueller, uninteressiert daran sein, etwas über einen Arnold erfahren zu wollen,? Warum wollte Eliot beispielsweise nicht wissen, ob Edwin Arnold ein Verwandter von Matthew Arnold ist, den er doch so hoch schätzte und mit dem er sich stark beschäftigte? An mangelndem genealogischen Interesse kann es bei dem abstammungsbewussten Nobelpreisträger nicht gelegen haben. Es scheint einfach so zu sein, dass er an Menschen mit – seiner Überzeugung nach - geringerer Begabung letztlich kaum interessiert war. Und eben auch dies hat er mit seinen spärlichen Bemerkungen über den von ihm gern gelesenen Edwin Arnold noch einmal deutlich gemacht.

Montag, 17. März 2008

Der Chinese aus Königsberg

„Der Chinese aus Königsberg“ – so nannte Nietzsche einmal abfällig den Denker, der nach wie vor weltweit vielen als bedeutendster deutscher Philosoph überhaupt gilt: Immanuel Kant. Das heutige Chinesen-Bild der Deutschen ist nicht mehr das gleiche wie zu Nietzsches Zeiten. Chinesen gelten zwar immer noch als fleißig, aber man verbindet mit ihnen nicht mehr ohne weiteres Friedfertigkeit, Harmlosigkeit, Schicksalsergebenheit, unendliche Duldsamkeit – mit anderen Worten: Chinesen werden keineswegs mehr nahezu ausschließlich als Menschen unkämpferischer Passivität wahrgenommen. Sie erscheinen vielmehr auch als weltzugewandt, tatkräftig, dynamisch, durchsetzungsfähig. Insofern kann man mit Fug und Recht annehmen, dass ein heutiger Nietzsche seinen Konkurrenten Kant nicht mehr so bezeichnen würde, wie es der reale Nietzsche vor mehr als 100 Jahren tat. Die Ironie dabei ist, dass das aktuelle Chinesen-Image dem Königsberger Denker weit besser entsprechen würde als es das europäische Vorurteil des 19. Jahrhunderts je tat.

Sonntag, 16. März 2008

Henry Fairfield Osborn sr.: Rassenbewusstsein und Toleranz

Der amerikanische Biologe und Paläontologe Henry Fairfield Osborn sr. (1857 – 1935) gehörte im vergangenen Jahrhundert zu den zahlreichen Großen des Geistes – neben den wie immer ungleich zahlreicheren Kleinen des Geistes - , für die Rassenunterschiede zu den maßgeblichen Faktoren der menschlichen Kultur gehörten. „Der Charakter eines Landes wird bestimmt von der Rassenzugehörigkeit der Männer und Frauen, die darin überwiegen.“, schrieb er im verhängnisvollen Jahr 1933 im Geleitwort zu der amerikanischen Ausgabe von Madison Grants „The Conquest of a Continent or the Expansion of Races in America“. Wegen dieser und anderer Äußerungen gegen den Rassennihilismus – also die Auffassung, dass es keinerlei bedeutsame Rassenunterschiede gibt beziehungsweise, dass es überhaupt keine Rassen gibt - ist es kein Wunder, dass Osborn schnell als Rassist gebrandmarkt wird. Dabei betont der Angelsachse in dem genannten Geleitwort ausdrücklich, dass seine Überzeugung von der Bedeutung anthropologischer Unterschiede nicht bedeutet, dass er eine Rasse generell für wertvoller hält als die andere:

„Ich bin durchaus ebensowenig der Meinung, daß eine bestimmte Rasse im Vergleich zu einer anderen ´überlegen´ oder ´minderwertig´sei, wie ich etwa der Ansicht wäre, daß alle Rassen gleichartig oder gleichwertig seinen. Solche willkürlichen Annahmen sind durch keinerlei Tatsachen belegt. Gleichheit oder Ungleichheit, Überlegenheit oder Minderwertigkeit sind rein relative Begriffe.“

Osborn hebt - für jene Zeit alles andere als selbstverständlich - ausdrücklich hervor, dass „Neger und gewisse andere farbige Rassen oder braune Rassen“ fähig sind, „unter gewissen Bedingungen große Zivilisationen zu schaffen“. Er spricht begeistert von den „wunderbaren Leistungen, die die Mittelmeervölker und andere in dem heißen Klima und unter der brennenden Sonne Mesopotamiens, Ägyptens, Nordafrikas, Cambodias und Indiens“ vollbracht haben und erwähnt ausdrücklich auch „die großen Errungenschaften der alpinen Rasse auf den Gebieten der Technik, der Mathematik und der Astronomie“.

Im gleichen fatalen Jahr, in dem in Deutschland rassische Ignoranz und fanatisierte Intoleranz an die Schalthebel der politischen Macht kommen, schreibt H. F. Osborn die klassisch schönen Sätze:

„Auf diesem Felde wie überall, wo wissenschaftliche Erkenntnis und gefühlsmäßige Einstellung sich miteinander vermischen, ist es geboten, weder zu beschönigen, noch herabzusetzen, sondern mit weitem Blick den Geist offen zu halten und wahrhaft duldsam zu sein.“

Samstag, 23. Februar 2008

Amerikanische Selbstkritik

Der auf seine damals noch hauptsächlich nordisch geprägte Nation stolze Amerikaner Madison Grant - "der bekannte Vorkämpfer des Rassengedankens in den Vereinigten Staaten Amerikas" (Prof. Eugen Fischer im Vorwort zu Grants Buch) - schrieb in seinem informativen, wenn auch tendenziösen Werk über „Die Eroberung eines Kontinents“ („The Conquest of a Continent or the Expansion of Races in America“) zusammenfassend über die Besiedlung der Vereinigten Staaten:

„Das alles war vielleicht unvermeidbar, aber nie ist seit der Plünderung Galliens durch Cäsar ein so riesiges Gebiet in so kurzer Zeit ausgebeutet worden. Wahrscheinlich ist nie ein zerstörungswütigeres menschliches Wesen auf dem Schauplatz der Weltgeschichte aufgetreten als der amerikanische Pionier mit seiner Axt und seinem Gewehr.“

Diese kritische Betrachtung der amerikanischen Eroberungsgeschichte ist dem Autor von seinen Anhängern diesseits und jenseits des Atlantik offenbar nie übelgenommen worden. Man kann sich leicht vorstellen, zu welch wütenden Angriffen es dagegen geführt hätte, wenn von jüdischer Seite – etwa durch Susan Sontag – ein solcher Satz von der maximalen Destruktivität der Amerikaner formuliert worden wäre. In der Sache wäre eine Kritik an dieser Art Amerikanerkritik sogar berechtigt, denn um den finsteren ersten Platz in menschlichlicher Zerstörungswut können viele erfolgreich mit dem amerikanischen Pionier konkurrieren.

Madison-Grant
Madison Grant (1865 - 1937)

Assimilationsfreundliche und assimilationsfeindliche Deutsche

In einer Zeit, in der sich deutsche Politiker und Meinungsmacher anscheinend nahezu täglich darin überbieten wollen, von Immigranten allgemein und Türken im Besonderen Bereitschaft zur Integration und Assimilation zu verlangen, finde ich beiläufig folgende Randnotiz aus der Besiedlungsgeschichte der USA:

„Obwohl Texas im Jahre 1860 erst 20 000 deutsch-geborene Einwohner zählte, so hielten diese doch so fest zusammen, daß die Hälfte der gesamten Einwohnerzahl im südlichen Teile des Staates, in der Gegend von San Antonio, deutsch war. Hier wie sonstwo machten sich die Deutschen für ihr neu angenommenes Heimatland nicht sehr erwünscht, indem sie die Sitten und die Sprache ihres Vaterlandes krampfhaft beizubehalten suchten.“
(Madison Grant: Die Eroberung eines Kontinents. Die Verbreitung der Rassen in Amerika. Berlin 1937, S. 108).

An diese Feststellung knüpft Grant, berühmt-berüchtigter Vorkämpfer der nordischen Idee in den USA vor dem 2. Weltkrieg, unmittelbar folgende These an:

„Die Geschichte aller Länder lehrt, daß nationale Einheit eine unbedingte Voraussetzung für das Gedeihen einer Nation ist. Von denen, die aus freien Stücken nach den Vereinigten Staaten gekommen sind, um die Erwerbsmöglichkeiten auszunützen, kann wohl erwartet werden, daß sie dem Land, das ihnen in solcher Weise zugute kommt, treue Gefolgschaft leisten oder aber daß sie irgendwo anders hingehen.“

Mit diesen Sätzen hat Madison Grant im Grunde das Glaubensbekenntnis aller forcierten Assimilationsbefürworter formuliert, mag diesen nun dieser ideologische Bundesgenosse behagen oder nicht.

Freitag, 8. Februar 2008

Die fremden Worte eines Kardinals

Der einstige berühmte Kardinal Joseph Höffner, ein vielfach promovierter Westerwälder, sagte einmal, seltsamerweise, er habe jahrelang keine Fremdwörter gebraucht. Fremdwörter zu benutzen, sei ihnen in der Schule abgeraten worden.
Jene angeblich fremdwörterlosen Jahre - war das die Zeit, in der Höffner weder Kirche noch Staat, weder Religion noch Pfarrer, weder Auto noch Telefon kannte? Als er weder über Philosophie, Theologie noch Karneval oder Sport reden wollte? Es müssen denkwürdige Jahre gewesen sein.

Sonntag, 3. Februar 2008

Die Inflation des Faschismus-Begriffs

Der nicht uneinflussreiche amerikanische neokonservative Publizist und Irak-Kriegstreiber Jonah Goldberg – nicht zu verwechseln mit seinem umstrittenen Landsmann Daniel Jonah Goldhagen – trägt in seinem Buch „Liberal Fascism“ seinen Teil dazu bei, den gerade auch in Deutschland allgegegenwärtigen und beliebten Kampfbegriff „Faschismus“ inflationär weiter ins Uferlose zu erweitern. Faschisten sind für Goldberg nicht nur Rechtsextreme, sondern auch alle „Linken“, wozu er nicht nur Sozialisten und Marxisten, sondern auch so genannte Islamofaschisten und sogar amerikanische „liberals“ rechnet. In Goldbergs Sicht stehen also die demokratischen Präsidenten F. D. Roosevelt und Bill Clinton in einer – faschistischen - Reihe mit Hitler und Osama.
Aus dieser Sichtweise ergibt sich natürlich schnell das Bild einer von Faschisten dominierten Welt Wenn man in solcher Weise gleichermaßen Marxisten, Nationalsozislisten und linke Demokraten unter einen Begriff subsumiert, so bleibt wenig inhaltlich Gemeinsames, was man mit dem Begriff des Faschismus verbinden könnte. Goldberg versucht trotzdem anhand des Beispiels der Nationalsozialisten deutlich zu machen, was Faschisten wollen:

Im Begleittext zu seinem Buch heißt es dazu unter anderem:

„Im Gegegnsatz zu dem, was die meisten Leute denken, waren die Nazis leidenschaftliche Sozialisten (daher der Begriff: Nationalsozialisten). Sie glaubten an ein kostenloses Gesundheitssystem und garantierte Arbeitsplätze. Sie beschlagnahmten vererbtes Vermögen und gaben große Summen für allgemeine Erziehung aus. Sie befreiten die Kirchen von Politik und propagierten eine neue Form heidnischer Spiritualität. Sie setzten die Autorität des Staates in allen Angelegenheiten des Lebens durch. Die Nazis erklärten dem Rauchen den Krieg, unterstützten Abtreibung, Euthanasie und Waffenkontrolle. Sie verabscheuten den freien Markt, führten großzügige Renten für die Alten ein und ein streng rassenorientiertes Quotensystem in ihren Universitäten. Die Nazis waren weltweit führend in biologischer Landwirtschaft und alternativer Medizin. Hitler war strenger Vegetarier und Himmer setzte sich für Tierrechte ein.“

Abgesehen davon, dass diese Aussagen teilweise sachlich falsch sind – so waren beispielsweise die Nationalsozialisten grundsätzlich scharfe Abtreibungsgegner – so muss man sich natürlich fragen, ob sich der antifaschistische Goldberg mit seiner Aufzählung, die eindeutig antinazistisch gemeint ist, nicht einen Bärendienst erwiesen hat. Nicht nur viele Amerikaner, sondern noch mehr Europäer werden nur schwer verstehen, was an großzügigen Renten, biologischer Landwirtschaft, alternativer Medizin oder Waffenkontrolle denn so schlimm sein soll.

Es wäre gut, wenn sich die Menschen bei der Beurteilung politischer Anschauungen nicht von Schlagworten und Kampfbegriffen leiten ließen, sondern von vorurteilsfreier Betrachtung des Für und Wider der jeweiligen politischen Fragen.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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