Intelligenz

Mittwoch, 4. Juni 2008

Pädagogik der natürlichen Ungleichheit

Der herausragende amerikanische Intelligenzforscher Arthur Jensen stellte einmal fest:

„In typical classrooms, the slowest pupils take 500 to 600 percent more time than the fastest pupils to learn a given amount of material to the same level of mastery.”

Angesichts dessen sind Lehrkräfte zwangsläufig zum Scheitern verurteilt, wenn sie allen Schülern gleichermaßen gerecht werden wollen. Die Frage kann nur sein, wie diese natürliche und unausweisliche „Ungerechtigkeit“ am sinnvollsten minimiert werden kann.

Mittwoch, 30. April 2008

Inzest und Intelligenz

Ob im Zusammenhang mit dem zuletzt vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelten Fall des deutschen Geschwistern- und Elternpaares oder jetzt anlässlich des niederösterreichischen Inzests von Amstetten:
Unter denen, die im Zusammenhang mit Inzest immer eindringlich auf die Gefahr hinweisen, dass Inzestkinder geistig behindert sein könnten, sind viele, die bestreiten, dass Intelligenz etwas mit Genen und Vererbung zu tun hat.

Sonntag, 27. April 2008

Zum Begriff des Universalgelehrten

Auch ein Universalgelehrter wie Ernst Cassirer hat von unzähligen Wissensgebieten, Fachgebieten und ihren Erforschern und Weiterentwicklern ebenso wie von zahlreichen Dichtern und Künstlern kein oder nur ein sehr geringes Wissen gehabt. Dennoch sollte man ihm nicht deswegen die ehrenvolle Bezeichnung als Universalgelehrter versagen. Um als solcher gelten zu können, muss es genügen, ein wesentlich umfangreicheres Wissen zu haben als der Durchschnittsgelehrte und Durchschnittswissende. Insofern ist der Ausdruck „Polymath“ (Vielwisser) entschieden genauer – wenn auch weniger schönklingend - als der des Universalgelehrten, weil es ein universelles Wissen spätestens seit dem Neolithikum nicht mehr gibt.

Samstag, 19. April 2008

Klugheit und Sprichwörter

Das biblische „Buch der Sprichwörter“ ist voller Lob auf die wirklich Klugen und Weisen, und diese Wertschätzung ist überhaupt der charakteristischste Zug der ganzen Aphorismensammlung. Intelligenz ist eindeutig etwas, was in dieser antiken jüdischen Welt aufs Höchste geschätzt wurde – so hoch sogar, dass den Urhebern dieser Meschalim vielleicht gar nicht bewusst war, dass dies keine selbstverständliche Einstellung ist. Wenn es beispielsweise verallgemeinernd heißt „Ein kluger Sohn macht dem Vater Freude, ein dummer Sohn ist der Kummer der Mutter“ (Spr 10, 1), so gilt das – wenn man unter Klugheit wirklich Intelligenz versteht oder hohe Intelligenz zumindest für ein notwendiges Erfordernis von Weisheit und Klugheit erachtet – ganz gewiss nicht für alle Väter und Mütter, möglicherweise noch nicht einmal für die Mehrheit. Um Intelligenz wirklich schätzen zu können, muss man davon mehr haben, als etlichen Menschen damals und heute real zur Verfügung steht. Wirklich schätzen: Das heißt, intellektuelle Begabung nicht als probates Mittel zur Erlangung eines größeren Einkommens und eines höheren Sozialstatus sehen, sondern in erster Linie als meisterliches Werkzeug zur Erlangung größerer Bewusstheit und damit eines geistig und seelisch reicheren Lebens. Je mehr Menschen es in einer Kultur gibt, für die Intelligenz eine der allerwichtigsten menschlichen Eigenschaften ist, desto intelligenzproduzierender wird diese Kultur sein. Insofern tragen Aphorismen, in denen diese Wertschätzung deutlich geäußert und propagiert wird, ihren stillen Teil dazu bei, eine Gesellschaft geistig leistungsfähiger zu machen oder zumindest den immer drohenden Prozess der kognitiven Degeneration zu verlangsamen. Den Verfassern der biblischen Meschalim kommt insofern auch ein Verdienst an den unglaublich zahlreichen jüdischen Nobelpreisen und anderen wissenschaftlichen Auszeichnungen des 20. und 21. Jahrhunderts zu.

Weisheit und Klugheit setzen natürlich mehr voraus als hohe Intelligenz: Diese ist für jene zwar notwendig, aber nicht hinreichend.

„Ab einem gewissen Grad von Intelligenz sind Menschen zu jeder Dummheit fähig.“
(Gregor Brand, Meschalim Nr. 4)

Freitag, 21. Dezember 2007

Frühes Begabungsbewusstsein

Der britische Schriftsteller und Politiker Baron Edward Bulwer-Lytton (1803 - 1873) stellte einmal fest, dass er sich an keine Zeit erinnern könne, in der er nicht die ruhige und vertraute Überzeugung gehabt habe, dass er eines Tages eine bekannte Persönlichkeit sein und etwas Großes leisten werde. Bei vielen anderen hervorragenden Menschen wird dieses Bewusstsein von Bedeutung ebenfalls vorhanden gewesen sein. Ist es nicht im Grunde höchst faszinierend, dass Menschen bisweilen schon mit zehn oder zwölf Jahren ahnen können, dass man sie viele Jahrzehnte später im positiven Sinn als außergewöhnlich ansehen wird? Es ist faszinierend, aber nicht unbegreiflich. Abgesehen davon: Einen entschiedenden Haken hat dieses frühe Genialitätsbewusstsein, der uns daran hindert, dieses Gefühl als zuverlässiges objektives Indiz für außergewöhnliche Begabung zu nehmen: Es kommt gar nicht so selten auch bei solchen Menschen vor, denen zu Recht nie eine entsprechende Beurteilung von anderen zugesprochen wird. Zum anderen gibt es schließlich auch höchstbegabte Menschen, die eigentlich nie glauben konnten und geglaubt haben, dass sie von der Nachwelt – von der Mitwelt ganz zu schweigen - zu den geistig Großen gezählt würden. Kafka und Kleist gehören vermutlich zu dieser Gruppe.

Danach gefragt würden die meisten Kinder von der Begabung eines Bulwer-Lytton ihre außerordentlich hohe Selbsteinschätzung vermutlich nur ungern zugeben und sich mit derartigen Äußerungen zurückhalten. Sie ahnen oft schon früh, dass es gar nicht so schlecht ist, wenn sich besondere Begabung über viele Jahre im Halbdunkel entfalten kann - zwar intelligenten Aufmerksamen erkennbar und nicht völlig verborgen, aber auch nicht im zu grellen Licht allzu großer fremder Beachtung stehend.

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Nobelpreis für Gerhard Ertl

Einen Tag, nachdem der Physiknobelpreis 2007 dem deutschen Physiker Peter Grünberg zuerkannt wurde, haben die Deutschen, die seit mehr als einem halben Jahrtausend – eine enorme und bewundernswert lange Zeitspanne im Leben von Kulturen - Forscher von Weltrang hervorbringen, Grund, sich über einen weiteren Nobelpreisträger zu freuen: Gerhard Ertl erhielt an seinem Geburtstag den Nobelpreis für Chemie – ein wahrlich überragendes Geschenk.
Für die „Frankfurter Allgemeine“ ist der Physiker Peter Grünberg ein „wahrer Nationalheld“. Diese verdiente hoch ehrende Bezeichnung sollte auch für Gerhard Ertl gelten, und ein solches Lob ist der richtige Weg, in Deutschland wieder den Stolz auf herausragende geistige Leistungen zu wecken, der selbst eine motivierende Mitursache sein kann, solche Leistungen hervorzubringen.
Der deutsche wissenschaftliche Nobelpreistriumph des Jahres 2007 wird, was noch kaum aufgefallen ist, dadurch verstärkt, dass der amerikanische Medizin-Nobelpreisträger Mario Capecchi auch deutscher Abstammung ist: Sein mütterlicher Großvater ist der deutsche Archäologe Walter Ramberg. Walter Ramberg fiel als Soldat des Ersten Weltkriegs am 17. November 1914 bei Ypres/Flandern.


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Zerstörter Wald bei Ypres 1917

Der intelligenteste Mensch?

Vor rund 50 Jahren erschien die damals und lange danach hoch beachtete Biographie Friedrich Sieburgs über Napoleon. Was mir vor Jahren schon schon beim erstmaligen Lesen besonders im Gedächtnis blieb, ist Siebergs extremes Lob der Intelligenz Napoleons beziehungsweise sein Lob der extremen Intelligenz des französischen Konsuls und Kaisers. Napoleon war für den durchaus nüchtern schreibenden Friedrich Sieburg „der intelligenteste Mensch, den die moderne Geschichte kennt“. Diese superlativische Einschätzung greift er in immer neuen Wendungen auf, so etwa, wenn er von der „Riesenintelligenz“ Napoleons spricht oder bemerkt:

„Er ist ganz Vernunft, ganz Intelligenz, ganz Berechnung. ...Sein Verstand ist die einzige Hilfsquelle, aber es ist die größte, die je einem Sterblichen zur Verfügung stand.“

Wenn an dieser Einschätzung auch nur halbwegs etwas Wahres ist, dann müsste Napoleon in weit stärkerem Maß als bisher Forschungsgegenstand von Psychologie und Biologie allgemein und Intelligenzforschung speziell werden. Ebenso wäre eine erneute und vertiefte philosophische Betrachtung seiner Persönlichkeit vonnöten, denn keine Philosophie darf am Studium eines Menschen vorbeigehen, bei dem gerade diejenige Eigenschaft, die Menschen von Tieren am markantesten unterscheidet, derart stark ausgeprägt ist.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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