Gedichte

Mittwoch, 17. April 2013

Morgenland

Zu meiner Geburt
kamen keine Weisen
aus dem Morgenland.

Die zu mir kamen,
waren aber auch nicht dumm,
haben ihre Sorgen gekannt und
die drehten sich oft um

ein paar Morgen Land ...

(aus: Gregor Brand: Spätes Zweites Jahrtausend. Gedichte. 1998)

Dienstag, 4. Mai 2010

Variation zu Wallenstein und Carl Schmitts Abituraufsatz

"Will einer in der Welt was erjagen,
Mag er sich rühren und mag sich plagen." (Schiller, Wallenstein)

Man mag in der Welt sich rühren und plagen,
und kann doch vor Gott und der Welt
rührend versagen.

Samstag, 27. Februar 2010

Der passende Tag des Thomas Kling

Päpstlicher als der Papst:
Thomas Kling starb
am 1. April.

Und wer will
sich anmaßen,
einen klingenderen
Tag des Todes
zu wissen als

der Todesgott?

Samstag, 26. September 2009

Matérialisme démoniaque

Satan, scheinbar
schönster aller
Engel:

Bist doch nur ein
roter fiktiver
Bengel.

Donnerstag, 6. August 2009

Kulturphilosophie in 3-D

DASEIN.

DUSEIN.

DESIGN.

Dienstag, 4. August 2009

Am späten Abend (1995)

Ich schlurfe geistig
nur noch umher.
Denken fällt mir
jetzt schwer.

Was soll ich da tun?

Ah! Bier holen aus dem Keller.
Schon werden die Schritte
schneller.

Samstag, 18. Juli 2009

Sattelzeit

Jede Zeit ist eine Sattelzeit.

Ungeübte Reiter nah und
Esel und Kamele
nicht weit.

Dienstag, 7. Juli 2009

Volksaufklärung

In der Größe der Lüge liegt ein gewisser
Faktor des Geglaubtwerdens.

So zitierte einst ein Bettenfelder
Nachbar zustimmend
Goebbels.

Ich fragte mich: Ist dieses Zitat
wirklich echt?

Längst weiß ich: Neubürger Rudi
hatte jedenfalls
Recht.

Samstag, 4. Juli 2009

mein gehirn ist mein gehörn

als canetti nach luft
schnappte schnappte
das blut zu

hier lassen sich philosophen eine wohnung bauen

im haus der kastanie von burgunder-
roten blutniederlagen träumen

monothetische mongolen
alles zertretend zerreitend zermarternd

mongolen rötlicher als das rötliche gras
ihrer rötlichen fohlen

widerstand wuchs wie wachs

mein gehirn ist mein gehörn
redet der fühler
kein kopf ist voller
flausenzellen

dem infinitiv einen strick daraus drehen dass er sich nicht beugen lässt

langsamer denken als die polizei erlaubt

infinitivhoch jauchzend, perfektbetrübt

schriftsteller sein: den abzug an die hand halten
vergils canettis werden

jene brachialen stunden als broch brach

das billionenfache des einfachen ist einfach

von bestem adel sein: polygraf statt oligograf

die vergänglichkeit des ewig fliegenden blauen pfeils

mehr zeit zum schreiben
als zum streiten haben wollen:
was menschen unterschiedlich macht

saugen sagen fühlen meinen glauben

zertretene blumen verliebte kinder

die ungleichzeitigkeit der neuronen
grüßt ihre zeit

die von heiligen geheiligten nächte, die von mädchen gemähten tage

ungläubige esel gläubiger genies

in die wellen und wogen
des abendhimmels eintauchen
die tinte der frühen unberührten nacht

weh dem, der gott
aus unserem ewigen
schlaf aufweckt

schon gut: schön gut

der wilde fluss am steilufer der gelassenheit

die kabbala des vogelzugs

vogelflug und vogelfluch

weißwein mit rothaarigen mädchen

blaise pascals ruhelose nächte und unruhige
berechnungen

erfrierender frost

hitze, die an hitzschlag stirbt

blut, das verblutet

vergehen, die vergehen

rauch, der brennt

monochromes edelblut

elysium der nebelmeere

aromen der sprache und das aroma der sprecherinnen

akustische reize taktile strategien

sonnendurchflutete gruft des kosmos

opferdüften düfte opfern

den blick aufschlagen niederschlagen aufsuchen absuchen

lesende dienstmädchen und dienende lesemädchen

voller samen in rausch und rogen

kleider ohne kraft sind nie kleider von heiligen gewesen

die neue inquisition: folterflüstern
gegen entzauberer

aura
au-ra weh-ra oi-ra

pädophobie der antipädophilie

kein gott kommt
ohne sprache
aus

verniedlichung der phänomenologie
phänomenologie der verniedlichung

in jedem wort lebt
DAS ALL DIE ALL DER ALL

das rechtende wort das linkende wort

der falsche fluch der phallsche segen

die rote liste der sprachblumen
die schwarze list der blumensprache

die wertende wunde
werdenden seins

Sonntag, 28. Juni 2009

Autobiographen

Mutig ziehen sie
das rost-
rote Schwert
aus ihrem Kinderreich

und schlagen ihre Erinnerungen
windelweich

Gregor Brand - Schriftsteller

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