Carl Schmitt

Sonntag, 30. März 2008

Carl Schmitt und der erste Weltkrieg

Zu den erfreulichsten Sätzen aus Carl Schmitts Tagebuch 1912 – 1915 gehören diejenigen gegen den erzunsinnigen Weltkrieg.

Am 21. 10. 1914 schrieb er beispielsweise:

„Beginn eines Aufsatzes: Krieg? Wo leben wir denn? Wir leben doch im Jahrhundert des Kindes!“

Mittwoch, 13. Februar 2008

Carl Schmitt und die Femininität

Carl Schmitt, der berühmte Rechtsdenker, dessen Vorfahren überwiegend aus der Eifel stammten und unter dessen Verwandten manche Eifeler Lehrerin war, schrieb am 8. 8. 1914 in sein Tagebuch: „Stolz fuhr ich nach Köln in einem überfüllten Zug, ärgerte mich über ein paar dumme Lehrerinnen aus der Eifel, ging zu Cari.“

Womit mögen diese hochsommerlichen Frauen in den ersten Weltkriegstagen den jungen Juristen geärgert haben? Wir werden es wohl nie wissen. Carl Schmitt notierte interessanterweise am gleichen Tag: „Wie ekelhaft feminin benehmen sich Kluxen und Däubler.“

Zwar waren Däubler, immerhin Schmitts Lieblingsdichter, und Kluxen Männer - und feminine Männer sind etwas ganz anderes als feminine Frauen, doch gibt es bei Schmitt durchaus häufiger Gedanken, in denen er Negatives mit Weiblichem engstens verbindet. So schreibt er am 16. 12. 1913 den bösen Satz:
"Fräulein Schneider zeigte ihr mädchenhafte Verschlagenheit und Scheinheiligkeit." Und doch trägt er auch am gleichen Tag in sein Tagebuch ein: "Ging abends resigniert nach Hause, wurde aber zu meiner Freude von Mädelchen geholt."

Carl Schmitt äußerte sich gerade in diesem Tagebuch, sichtlich angeregt von Otto Weininger, viel über Frauen und Weiblichkeit und, völlig jenseits von Weininger, vor allem sehr viel über seine wie eine Göttin verehrte Cari - die ihn heiratete und bald verließ.

Sonntag, 10. Februar 2008

Carl Schmitt und die jüdischen Intellektuellen

Ernst Hüsmert schreibt in der Einleitung zu den von ihm herausgegebenen Tagebüchern Carl Schmitts (Oktober 1912 bis Februar 1915):

„Carl Schmitt wirkte in seinem geistreichen Gehabe offenbar überaus anziehend auf intellektuelle Juden.“

Der Ausdruck vom „geistreichen Gehabe“ ist hier wenig glücklich gewählt und man kann sich eigentlich nur wundern, dass ein Schmitt-Freund und Fan wie Hüsmert gegenüber dem Meister einen so abwertenden Ausdruck gebraucht. Aber vielleicht wollte er damit weniger Schmitt abwerten als vielmehr die intellektuellen Juden. Dass jüdische Intellektuelle sich angeblich weniger zu Geist als vielmehr zu geistreichem Gehabe hingezogen fühlen, haben schon manche geäußert, die jüdischen Intellektuellen gegenüber so kritisch waren, wie sie es besser auch nichtjüdischen gegenüber gewesen wären. Ich selbst glaube, dass Carl Schmitts brillanter Intellekt auf ähnlich veranlagte Juden diejenige bemerkenswerte Anziehungskraft ausübte, die von Hochintelligenten oft auf andere Hochintelligente ausgeht. Diese seltsame Sympathie wirkt aber selbstverständlich nur, wenn man es mit unbefangen aufnehmender Intelligenz zu tun hat. Vorurteile können jede natürliche Anziehungskraft zerstören oder gar nicht erst entstehen lassen.

Carl Schmitt war gegenüber einigen der wichtigsten seiner zeitgenössischen jüdischen – aber auch nichtjüdischen - Intellektuellen wenig gnädig, wie man seinem Tagebuch entnehmen kann. Er stellte nicht nur fest, "dass Freud ein Schwein ist", sondern formulierte am 23. Oktober 1912 auch den unchristlichen und unheilvollen Gedanken: „Ist etwa der Mozart nicht mehr wert als viele Simmel und 10 000 Rathenaus?“

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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