Carl Schmitt

Freitag, 15. August 2008

Der Jude Carl Schmitt

Christian Linder zitiert in seiner Carl Schmitt-Biographie „Der Bahnhof von Finnentrop“ eine Äußerung von Joseph Schmitt, der zu seinem Bruder Carl einmal sagte: „Du bist doch selber ein Jude.“ Auch wenn diese Bemerkung vermutlich nicht in einem genetisch-genealogischen Sinn gemeint war, ist es nicht völlig unwahrscheinlich, dass der eminente Jurist und Staatstheoretiker tatsächlich jüdischer Abstammung war. Immerhin war seine Mutter Louise Steinlein (1863 – 1943) unehelich und ihr biologischer Vater ist unbekannt. Erst als Louises Mutter Auguste Luise Bell (1836 – 1893) aus dem Dorf Blasweiler bei Ahrweiler zwei Jahre nach ihrer Geburt den Zollbeamten Franz Josef Anton Steinlein (1833 – 1911) heiratete, wurde aus dem kleinen unehelichen Mädchen offiziell eine „Steinlein“.

Wenn Carl Schmitts Großvater Jude gewesen wäre, so wäre er selbst damit natürlich noch nicht im traditionellen - halachischen - Sinn Jude gewesen. Es gilt hier Ähnliches wie bei Helmut Schmidt – der Carl Schmitt übrigens erstaunlicherweise äußerlich gar nicht so unähnlich ist. Auch der Hamburger Altkanzler ist dadurch, dass sein unehelich geborener Vater Gustav der Sohn eines Juden namens Gumbel war, schwerlich selbst zum Juden geworden. Gleichwohl könnte eine solche Abstammung und ein sicheres oder auch nur mutmaßliches Wissen davon bei Carl Schmitt in Verbindung mit dem katholischen Milieu und dem Zwang, diese Herkunft verheimlichen zu müssen, manche seiner Verhaltensweisen und Einstellungen psychologisch plausibler und vielleicht überhaupt das singuläre Phänomen Schmitt begreifbarer machen.

Mittwoch, 13. August 2008

Carl Schmitt, Peter Drucker, Hans Kelsen

In seiner im Jahr 2000 bei Suhrkamp veröffentlichten Dissertation „Carl Schmitt und die Juden“ zählt Raphael Gross zahlreiche Juden auf, mit denen Carl Schmitt Kontakt hatte und teilweise sogar befreundet war. Die Nennung wirkt so, als sei sie abschließend, auch wenn Groß selbst diesen Anspruch nicht ausdrücklich erhebt. Zu den fehlenden, aber in diesem Zusammenhang zu nennenden Namen gehört auf jeden Fall auch derjenige des Wieners Peter Drucker. Drucker, der sich als Mangementdenker nach dem Zweiten Weltkrieg einen überragenden Namen verschaffte, hat Carl Schmitt gegen Ende der Weimarer Republik persönlich kennengelernt:

www.peterdrucker.at/de/bio/bio_05.html

Die hilfsbereite Art und Weise, in der Carl Schmitt dem jungen österreichischen Juristen und Publizisten gegenübergetreten ist, fügt sich in das rätselhafte Bild, das nicht nur Raphael Gross, sondern vielen anderen zu schaffen gemacht hat: Wie passt dieser persönlich freundliche Umgang gegenüber einem Juden zu den vielen antisemitischen Äußerungen Carl Schmitts und zu seiner katholisch-antijudaistischen Grundhaltung? Dabei kann wohl davon ausgegangen werden, dass Schmitt wusste, dass Drucker Jude war. Ob ihm allerdings auch bekannt war, dass ausgerechnet sein großer Gegenspieler Hans Kelsen der Ehemann von Druckers Tante war, erscheint mir dagegen zweifelhaft. Dies um so mehr, als Drucker mit Kelsens Ruhm nicht gerade hausieren ging. In seinem biographischen Bestseller „Schlüsseljahre. Stationen meines Lebens“ (Original: „Adventures of a Bystander“, 1979) erwähnt er noch nicht einmal Kelsens Nachnamen, sondern schreibt lediglich von dem weltweit bekannten Juristen in lächelndem Understatement als von seinem „Onkel Hans, der ein hervorragender Rechtsgelehrter war“ und „einer der großen Rechtsgelehrten in Berkely“.

Wenn Schmitt diese Verwandtschaft bekannt gewesen wäre – die Veröffentlichung der schmittschen Tagebücher aus jener Zeit wird vielleicht Aufschluss darüber bringen -, dann würde sein Umgang mit Peter Drucker ein interessantes Schlaglicht auf seinen Charakter werfen. Immerhin war Druckers Onkel Kelsen ein Mensch, den Schmitt zutiefst gehasst hat. In seinem „Glossarium“-Eintrag vom 11. 6. 1948 beispielsweise ist Kelsen – der emigrieren musste, um nicht wie seine europäischen Mitjuden ermordet zu werden – in einer grotesken Umkehr der Realität für den Ex-Staatsrat Schmitt einer der „Vernichter, Ausrotter, Ausradierer und Zertreter“ und erinnert ihn an die „kleinen Gehilfen in den Höllen des Hieronymus Bosch“.

Jedenfalls hat Schmitt Peter F. Drucker auch in der Nachkriegszeit nicht vergessen. Im „Glossarium“-Eintrag vom 25. 9. 47 zitiert er aus dessen Buch „The end of economic man – the origins of totalitarianism“ (1939) die druckersche Erkenntnis: „totalitarism must invent new personifications of new demons. In comparison with the Jews, even the communists are of doubtful value as demonic enemies.” Weiter heißt es dann im "Glossarium":

“Denn Juden bleiben immer Juden. Während der Kommunist sich bessern und ändern kann. Das hat nichts mit nordischer Rasse usw. zu tun. Gerade der assimilierte Jude ist der wahre Feind. Es hat gar keinen Zweck, die Parole der Weisen von Zion als falsch zu beweisen.“

Andreas Raithel hatte seinerzeit in einem sehr verdienstvollen FAZ-Leserbrief darauf hingewiesen, dass es sich bei dieser Aussage - entgegen dem äußeren Anschein in der "Glossarium"-Ausgabe - nicht um einen Kommentar Schmitts, sondern um ein Weiterzitieren Peter Druckers handelt:

RaithelFAZ (pdf, 102 KB)

Leider sagt Schmitt (allerdings scheint das Original-Manuskript an dieser Stelle sehr unleserlich zu sein) hier so wenig wie sonst, was Juden seiner Ansicht nach eigentlich sind. Juden scheinen für Schmitt – wenn vielleicht auch nicht immer, so doch über lange Strecken seines Lebens - etwas geradezu Mythisches, Außermenschliches und – da nur negativ gesehen – Dämonisches zu sein. Sehr deutlich wird diese Sicht des Judentums in seinen Ausfällen gegen F. J. Stahl in den späten Dreißiger Jahren. Und da wiederum ist es vielleicht kein Zufall, dass Drucker – wie Schmitt wusste – gerade über diesen konvertierten Juden-Christen geschrieben hatte. In Druckers kleinem Werk über „Friedrich Julius Stahl. Konservative Staatslehre und geschichtliche Entwicklung (1933) wird Stahl bei aller Kritik in Einzelfragen als als der Staatsphilosoph des Deutschen Reichs gewürdigt, dessen konservative Staatslehre nach Druckers Auffassung „Grundlage des Staatslebens“ war.

Was hätte Carl Schmitt wohl dazu gesagt, wenn er mitbekommen hätte, dass dieser Peter Drucker in der westlichen Welt in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Guru der Gurus in Mangementfragen wurde? Er hätte möglicherweise wieder einmal fasziniert-verschreckt vor dieser von ihm als dämonisch wahrgenommenen Macht und Vielschichtigkeit des Judentums gestanden, die er sich letztlich nicht rational erklären konnte und die er als "grauenvoll" empfand. Das wiederum ist kein Wunder bei einem Menschen, der die Bedeutung und den Zusammenhang von Intelligenz und Vererbung zeitlebens unterschätzte und sich damit wichtiger partieller Ansätze auch zur Erklärung des jüdischen Phänomens begab.


Freitag, 8. August 2008

Der animalische Fluch

Hat Anima, die Tochter Carl Schmitts, ihre Großmutter Louise verflucht? Es ist nicht bekannt. Dabei hätte es nie eine Anima gegeben, wäre es nach den Wünschen von Animas Großmutter gegangen. Denn Louise Schmitt geb. Steinlein wollte, dass ihr schlauer Erstgeborener katholischer Priester wird. Das hätte natürlich Zölibat bedeutet: Keine Anima, keinen spanischen Meeresbiologen Jorge Schmitt Otero - und viele andere Menschen hätten ebenfalls das Licht der Welt nicht erblicken dürfen und dürften es in alle Zukunft nicht.
Weswegen eigentlich dieser lebensverwehrende Berufswunsch der Mutter für den Sohn? Wegen der Seligkeit ihres Carl im Himmel kann es nicht sein, denn die ist ja auch nichtpriesterlichen Katholiken nicht verwehrt. Und die auf Erden auch nicht. Andere - nicht überzeugende - spirituelle Motive sind denkbar und wird es auch bei etlichen Eltern katholischer Priester gegeben haben. Möglicherweise haben aber auch äußerliche, statusbezogene Gründe bei dem Wunsch nach einem Priestersohn eine Rolle gespielt. Immerhin waren in der katholischen Welt, der Louise Steinlein entstammte, die Pfarrer noch „Herren“: In der Eifel, aus der Louise kam, wurde der katholische Pfarrer ehrfürchtig als „Här“ bezeichnet und war die respektabelste Person in Dorf und Kleinstadt. Aber dafür die Verhinderung neuen Lebens, neuer Kultur, in Kauf nehmen?

Oder hat Louise Schmitt heimlich gehofft, ihr Sohn Carl werde sich, wenn er Priester sei, nach dem Vorbild anderer Steinlein-Priester die Freiheit nehmen, doch das ein oder andere uneheliche Kind zu zeugen? Ich halte solche Überlegungen bei der frommen Frau Schmitt für unwahrscheinlich. Der katholische Tradition entspräche es eher, anzunehmen, dass sie sich über nichtgeborene Priesterkinder überhaupt keine Gedanken machte. Selbst die Tatsache, dass in protestantischen Pfarrershäusern Jahr um Jahr Tausende hochbegabter Kinder und Kinderskinder geboren wurden, die die deutsche Kultur in unglaublichem Maß bereichert haben – hat sie je einen katholischen Theologen zu kritischen Reflexionen über die eigene Unfruchtbarkeit veranlasst? Und wenn sich die großen Köpfe der katholischen Kirche darum nicht geschert haben, warum sollte dies die gute Frau Schmitt getan haben?

Montag, 28. Juli 2008

Carl Schmitt und Moritz Bernstein

Wenn man auf den Lebensgang besonders intelligenter und kreativer Menschen einwirkt, können selbst private Entscheidungen den Lauf der Geschichte leicht und stark beeinflussen. Hätte infolge dieser oder jener Begebenheit das Leben Napoleons, Nietzsches oder Nabokovs eine andere Wendung genommen, wäre die Geschichte und speziell die Geschichte der Kultur anders verlaufen. Es gibt Grund zur Annahme, dass auch der ansonsten unbekannte Arzt Moritz Bernstein auf diese Weise in den Lauf des Weltdenkens eingegriffen hat. Bernstein war Jude und blieb es - zumindest nach orthodox jüdischer - Auffassung auch, als er vor seiner Hochzeit zum Protestantismus übertrat. Moritz Bernstein hatte vor dem Ersten Weltkrieg gute Aussichten, Schwiegervater jenes nun ein Jahrhundert später weltberühmten Carl Schmitt zu werden, der sich – geblendet von welchem Gott? – in den Irrgärten des Antisemitismus verlief. Als Schmitt noch sehr jung war, verliebte er sich in Bernsteins musikalische Tochter Helene. Hätte Doktor Bernstein die Größe und Weitsicht besessen, den angehenden Juristen Schmitt nicht wegen dessen damaliger Mittellosigkeit zurückzuweisen, dann hätte dieser womöglich nicht nur alsbald lustvoll auf den Körper dieser jüdischstämmigen Protestantin ejakuliert statt – wie er in seinem Tagebuch festhielt – auf den seiner geliebten betrügerischen Cari, sondern die familiäre und emotionale Bindung zu einer – Konversion hin oder her – unzweifelhaft als Jüdin wahrgenommenen Frau hätte sein Denken dauerhaft in eine Richtung lenken können, die Lichtjahre entfernt ist von jener antijudaistischen Paranoia, wie sie irgendwann für Schmitt kennzeichnend wurde und wie sie am absurdesten in seinen Bemerkungen über Friedrich Julius Stahl nach außen tritt.

Samstag, 19. Juli 2008

Die formierte Gesellschaft

In seiner im Jahr 2008 neu veröffentlichten Bochumer Dissertation aus dem Jahr 1989/90 „Der Beutewert des Staates. Carl Schmitt und der Pluralismus“ hat Rechtsanwalt Thor von Waldstein kurz auch auf das Modell der „formierten Gesellschaft“ hingewiesen. Er sieht darin den Versuch, in den frühen 1960er Jahren der von ihm konstatierten Krise des „real existierenden Pluralismus“ entgegenzusteuern. Sein zutreffendes Fazit: „Der Versuch … scheiterte völlig.“

Was der rechtsextreme Jurist von Waldstein hier nicht erwähnt, ist, dass dieses Konzept der formierten Gesellschaft gerade von dem Carl Schmitt-Schüler Rüdiger Altmann entwickelt worden war, auch wenn es in der Öffentlichkeit vor allem vom damaligen Bundeskanzler Ludwig Erhard präsentiert wurde - der sich von dem Schmittianer Altmann beraten ließ. Interessante Bemerkungen zu diesem altmännischen Konzept finden sich neuerdings in der Biographie Torben Lütjens: Karl Schiller (1911 – 19994). „Superminister“ Willy Brandts (2007). Lütjen stellt darin den intellektuellen Ökonomen Karl Schiller als einen der wichtigsten und beredtesten Kritiker Erhards und der Idee der „formierten Gesellschaft“ heraus. Prof. Schillers „furiose Jungfernrede im Bundestag“ vom 29. November 1965 hatte dieses Konzept aufs Korn genommen. Für ihn war die antipluralistische Formel „Ausdruck eines inneren, eines psychischen Vorganges, eines Entlastungsversuchs in der Person des Regierungschefs: Weg von den Händeln dieser Welt, Flucht deshalb in die Scheinwelt der ´formierten Gemütlichkeit´,in welcher das Schweigen der Entscheidungslosigkeit herrscht“.

Es ist verständlich, dass Schiller hier in erster Linie den CDU-Bundeskanzler als den zentralen damaligen politischen Gegner angreift, aber er hätte ohne weiteres seinen Realitätsflucht-Vorwurf weiter fassen können. Denn haben nicht alle antipluralistischen Konzepte sehr viel mit derartigen inneren Entlastungsversuchen zu tun? Mit Sehnsucht nach einer Welt ohne Zwiespalt und alltägliche Gegensätze?

Wenn man Rüdiger Altmanns Begriff der „formierten Gesellschaft“ - auch sprachlich ein für die politische Auseinandersetzung völlig ungeeigneter Fehlgriff - letztlich auf schmittsche Gedankengänge zurückführt und sein auch von Thor von Waldsteins festgestelltes sang- und klangloses Scheitern betrachtet, so scheint sich zu bestätigen, was selbst der begeisterte CS-Anhänger von Waldstein am Schluss seiner Arbeit feststellen muss:
„Als Vademecum zur Entwicklung bündiger Politikkonzepte taugen Schmitts Schriften ohnehin kaum. Wer politische Programme schreiben will, braucht Carl Schmitt nicht.“

Aber nützlich und wichtig kann auch das sein, was man nicht braucht.

Sonntag, 30. März 2008

Carl Schmitt und der erste Weltkrieg

Zu den erfreulichsten Sätzen aus Carl Schmitts Tagebuch 1912 – 1915 gehören diejenigen gegen den erzunsinnigen Weltkrieg.

Am 21. 10. 1914 schrieb er beispielsweise:

„Beginn eines Aufsatzes: Krieg? Wo leben wir denn? Wir leben doch im Jahrhundert des Kindes!“

Mittwoch, 13. Februar 2008

Carl Schmitt und die Femininität

Carl Schmitt, der berühmte Rechtsdenker, dessen Vorfahren überwiegend aus der Eifel stammten und unter dessen Verwandten manche Eifeler Lehrerin war, schrieb am 8. 8. 1914 in sein Tagebuch: „Stolz fuhr ich nach Köln in einem überfüllten Zug, ärgerte mich über ein paar dumme Lehrerinnen aus der Eifel, ging zu Cari.“

Womit mögen diese hochsommerlichen Frauen in den ersten Weltkriegstagen den jungen Juristen geärgert haben? Wir werden es wohl nie wissen. Carl Schmitt notierte interessanterweise am gleichen Tag: „Wie ekelhaft feminin benehmen sich Kluxen und Däubler.“

Zwar waren Däubler, immerhin Schmitts Lieblingsdichter, und Kluxen Männer - und feminine Männer sind etwas ganz anderes als feminine Frauen, doch gibt es bei Schmitt durchaus häufiger Gedanken, in denen er Negatives mit Weiblichem engstens verbindet. So schreibt er am 16. 12. 1913 den bösen Satz:
"Fräulein Schneider zeigte ihr mädchenhafte Verschlagenheit und Scheinheiligkeit." Und doch trägt er auch am gleichen Tag in sein Tagebuch ein: "Ging abends resigniert nach Hause, wurde aber zu meiner Freude von Mädelchen geholt."

Carl Schmitt äußerte sich gerade in diesem Tagebuch, sichtlich angeregt von Otto Weininger, viel über Frauen und Weiblichkeit und, völlig jenseits von Weininger, vor allem sehr viel über seine wie eine Göttin verehrte Cari - die ihn heiratete und bald verließ.

Sonntag, 10. Februar 2008

Carl Schmitt und die jüdischen Intellektuellen

Ernst Hüsmert schreibt in der Einleitung zu den von ihm herausgegebenen Tagebüchern Carl Schmitts (Oktober 1912 bis Februar 1915):

„Carl Schmitt wirkte in seinem geistreichen Gehabe offenbar überaus anziehend auf intellektuelle Juden.“

Der Ausdruck vom „geistreichen Gehabe“ ist hier wenig glücklich gewählt und man kann sich eigentlich nur wundern, dass ein Schmitt-Freund und Fan wie Hüsmert gegenüber dem Meister einen so abwertenden Ausdruck gebraucht. Aber vielleicht wollte er damit weniger Schmitt abwerten als vielmehr die intellektuellen Juden. Dass jüdische Intellektuelle sich angeblich weniger zu Geist als vielmehr zu geistreichem Gehabe hingezogen fühlen, haben schon manche geäußert, die jüdischen Intellektuellen gegenüber so kritisch waren, wie sie es besser auch nichtjüdischen gegenüber gewesen wären. Ich selbst glaube, dass Carl Schmitts brillanter Intellekt auf ähnlich veranlagte Juden diejenige bemerkenswerte Anziehungskraft ausübte, die von Hochintelligenten oft auf andere Hochintelligente ausgeht. Diese seltsame Sympathie wirkt aber selbstverständlich nur, wenn man es mit unbefangen aufnehmender Intelligenz zu tun hat. Vorurteile können jede natürliche Anziehungskraft zerstören oder gar nicht erst entstehen lassen.

Carl Schmitt war gegenüber einigen der wichtigsten seiner zeitgenössischen jüdischen – aber auch nichtjüdischen - Intellektuellen wenig gnädig, wie man seinem Tagebuch entnehmen kann. Er stellte nicht nur fest, "dass Freud ein Schwein ist", sondern formulierte am 23. Oktober 1912 auch den unchristlichen und unheilvollen Gedanken: „Ist etwa der Mozart nicht mehr wert als viele Simmel und 10 000 Rathenaus?“

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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