Aphorismen

Mittwoch, 7. Mai 2008

Erdphilosophen

Auch wer sich über die fernsten Galaxien oder Quasare oder das abseitigste Jenseits tiefgründige Gedanken macht, bleibt dennoch ein Erdphilosoph. Und jede Weltliteratur ist Erdliteratur.

Sonntag, 27. April 2008

Duft denken

Den Duft, den ich genieße, will ich auch denken können.

Freitag, 28. März 2008

Boxer und Philosoph

Ein großer Boxer wie Max Schmeling war so beliebt, wie es kein Philosoph je werden kann, mag er auch noch so viele Ideen umhauen.

Freitag, 21. März 2008

Glaube und Zweifel

Was Menschen alles glauben und was sie alles schon geglaubt haben, wird immer ein größerer Grund sein, an ihnen zu zweifeln, als das, was sie nicht glauben.

Sonntag, 13. Januar 2008

Schönheit und Schamhaftigkeit

Nietzsche glaubte, mit der Schönheit der Frauen nehme im Allgemeinen ihre Schamhaftigkeit zu. Wenn man nur an die vielen außerordentlichen schönen Frauen denkt, die sich – nicht nur im Internet – schamlos entblößen, muss man seine Aussage in ihrer Allgemeinheit allerdings grundlegend bezweifeln. Berechtigung hat sie allenfalls für spezielle Weltgegenden und begrenzte historische Zeitabschnitte – zu denen auch Mitteleuropa zu Nietzsches Zeiten gehört haben könnte.

Eher als mit Schönheit scheint mir größere Schamhaftigkeit mit höherer Intelligenz verbunden zu sein. Das liegt wohl daran, dass die intelligentesten Menschen durchweg die bedenklichsten und selbstkritischsten sind – auch wenn dies keineswegs immer klug ist.

Sonntag, 6. Januar 2008

Verbotene Worte

In Malaysia dürfen Nichtmuslime in ihren Veröffentlichungen nicht das Wort "Allah" verwenden. Hierzulande wäre es schon viel gewonnen, wenn diejenigen, die Philosophen nicht achten, sich in ihren Broschüren und Reden nicht mit dem Begriff "Philosophie" schmücken dürften.

Dienstag, 25. Dezember 2007

Duft der Ideen

Dass eine Idee duftet, heißt noch nicht, dass sie nicht giftig ist.

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Gott und Demographie

Wenn ein Volk demographisch dem Abgrund entgegengeht, verehrt es die falschen Götter.

Yehuda ha-Chassid

Yehuda der Fromme aus Speyer (ca. 1150 – 1217), schrieb folgenden Gedanken auf: „Ich will nicht, dass jemand außer mir selber für meine Sünden leidet“. Diesem ehrwürdigen, wenn auch ganz und gar unchristlichen Satz habe ich auch 800 Jahre später im Grunde nichts hinzufügen – außer vielleicht die grundlegende Einschränkung: Ich will nicht, dass überhaupt irgendwer wegen meiner Sünden leidet, nicht einmal ich selbst.

Sonntag, 9. Dezember 2007

German aphorist - deutscher Aphoristiker

Welcher deutsche Aphoristiker ist - als Aphoristiker - international bekannt? Wenn man bei der weltweit größten Suchmaschine die Begriffe „German aphorist“ eingibt, so beziehen sich anscheinend mehr als 90 Prozent der Einträge auf Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1759). Nun ist Lichtenberg in der Tat ein großer deutscher Aphoristiker, aber er war weder der erste deutsche Aphoristiker noch sind seine Aphorismen quantitativ oder qualitativ derart herausragend, dass sie eine solch starke Dominanz rechtfertigen würden. Was die Quantität betrifft, so hat schon der Lichtenberg-Kenner und Lichtenberg-Herausgeber Franz H. Mautner darauf hingewiesen, dass es von Lichtenberg nur zwei- oder dreihundert Aphorismen „im strengen Sinn der Gattung“ gibt. In dieser Hinsicht wird er von vielen deutschsprachigen Schriftstellern bei weitem übertroffen. So dürfte beispielsweise das aphoristische Gesamtwerk von Karl Kraus, der sich stark der Gattung Aphorismus gewidmet hat, nicht weniger als 4000 Aphorismen umfassen. Unter den ausländischen wichtigen Aphoristikern könnte als Maßstab der jüdische Pole S. J. Lec genannt werden, dessen sämtliche veröffentlichten Aphorismen sich auf rund 2000 „Frisierte Gedanken“ belaufen.

Die aphoristische Qualität, auf die es letztlich entscheidend ankommt, ist natürlich keine Funktion der aphoristischen Quantität. Aber es dürfte jedem, der sich mit aphoristischer Literatur befasst, schwerfallen, überzeugend zu begründen, in welcher Hinsicht Lichtenberg aphoristische Meister wie – um nur diese wenigen zu nennen – Jean Paul, Friedrich Nietzsche, Hugo von Hofmannsthal oder Elias Canetti übertrifft, geschweige denn so grundlegend übertrifft, dass er als König der Aphoristiker und sie nur als aphoristische Normalbürger dastehen. Alles, was man an Lichtenberg lobt und was hohe aphoristische Kunst auszeichnet, findet man auch bei den besten der anderen genannten Denker. Es müssen andere Gründe sein, die ihm bei der Minorität derjenigen Gebildeten, die überhaupt Aphoristiker kennen, zu besonderem Ruhm verholfen haben.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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