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Die Flüche der Synagoge

Carl Schmitt wird gern und häufig als Antisemit dargestellt. Gewiss war er zu manchen Zeiten seines langen Lebens antijüdisch eingestellt. Konnte es eigentlich für einen, der das Judentum ernst nahm und kein Jude war, grundlegend anders sein? Müsste man nicht denjenigen, der die jüdische Religion ernst nimmt und vorgibt, nichts gegen das Judentum zu haben, fragen, warum er dann nicht zum Judentum konvertiert? Carl Schmitt kann man vorhalten, in seinen oft langen antijüdischen Momenten seine Ablehnung des Judentums wie ein enttäuschter Liebender entschieden und irrational übertrieben zu haben.

Der gleiche Schmitt hat bei anderer Gelgenheit dagegen sogar die "Flüche der Synagoge" gerechtfertigt und den herrschenden jüdischen Institutionen gegenüber einem jüdischen Abweichler Recht gegeben. Dieser Abweichler ist natürlich niemand anders als der große Spinoza, dessen Gleichsetzung von Gott und Natur Carl Schmitt zutiefst empört und verstört hat. Wenn sich Schmitt in dieser Frage gegen Spinoza wendet, dann stellt er sich zugleich gegen den spinozistischen Goethe. Ich finde: Sowohl Spinoza als auch Goethe haben weder die Flüche von Synagogen noch die Flüche von Kirchen und schon gar nicht die Flüche von Carl Schmitt verdient.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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