Stephanie Irrgang über Peter Krause - Rezension einer Rezension

Die Historikerin Dr. Stephanie Irrgang hat sich in einer Rezension des jüngsten Buches des emeritierten Trierer Juristen Prof. Peter Krause angenommen: „Rechtswissenschaften in Trier. Die Geschichte der juristischen Fakultät von 1473 bis 1798“:

http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rezbuecher&id=11465

Das ist zunächst einmal verdienstvoll, weil es dazu beiträgt, diesem hochlöblichen Werk zumindest in Fachkreisen größere Aufmerksamkeit zu verschaffen. Die Irrgang-Rezension ist allerdings eine Mischung aus verständlichem außerordentlichem Lob und sachlich nicht nachvollziehbarer unberechtigter Kritik. Frau Irrgang schreibt einerseits: „Umfang der Studie und Detaildichte muten fast wie ein Wunder an“ und verweist auf Krauses „akribische Lektüre der Quellen“. Mit Recht bemerkt sie, dass an dem Werk von Krause künftig kein Weg mehr vorbeiführen wird.

Andererseits glaubt sie, angebliche Misstände des Werks bemängeln zu müssen. Da heißt es beispielsweise bei ihr: „Leider mangelt es vielfach an klaren Belegen für dessen neue Befunde, was für weitergehende Untersuchungen an sich bedeutet, erneut alle Angaben zu prüfen. Besonders die Eintragungen aus dem Statutenbuch sind nicht mit genauer Seitenangabe belegt. Der Leser muss sich umständlich selber die Belege heraussuchen.“ Eine höchst seltsame Kritik, denn Krause hat seine Erkenntnisse und Forschungen sehr wohl mit aller wissenschaftlich erwünschten Klarheit belegt: Gerade die Eintragungen aus dem Statutenbuch sind mit genauer Seitenangabe wiedergegeben! Jede einzelne Seite des abgedruckten Statutenbuchs ist am Seitenrand von Krauses Buch mit exakter Seitenangabe versehen. Das muss Stephanie Irrgang völlig übersehen haben – vielleicht weil ihr anscheinend recht oberflächlicher Blick zu sehr auf die Fußnoten fixiert war.

Oder wollte sie Krause „eins auswischen“? Solche allzumenschlichen Motive sind ja auch in Gelehrtenkreisen weder unbekannt noch selten. Immerhin hat der sorgfältig lesende Peter Krause auf S. 291 in Fußnote 4 auf einen inhaltlichen Fehler in Irrgangs Dissertation hingewiesen – und zwar auch diesmal wieder mit genauen Seitenangaben. Vielleicht erklärt sich aus diesem Zusammenhang heraus eine weitere ungerechtfertigte und überflüssige Anmerkung Irrgangs: „Überhaupt erscheint die Materialdichte auch in den Fußnoten, Anhängen und Listen derart überorganisiert, dass sich die Lektüre selbst für den geübten Leser serieller Quellen und prosopographischer Kataloge beschwerlich gestaltet.“ Krauses Fußnotenapparat hält sich bei aller Sorgfalt sehr in Grenzen. Ich selbst habe jedenfalls nicht im Geringsten den Eindruck einer beschwerlichen Lektüre gehabt – ganz abgesehen davon, dass man an ein solches Werk ohnehin nicht in der Erwartung einer anspruchslosen Feierabendlektüre herangehen sollte. Eine Überorganisation hätte vielleicht dann vorgelegen, wenn Krause den wenig hilfreichen Rat Irrgangs beherzigt hätte, auch die ungedruckten Quellen ins Literaturverzeichnis zu übernehmen. Was hätte dort die Aufzählung von Beständen aus dem Landeshauptarchiv in Koblenz oder aus der Stadtbibliothek an zusätzlichem Nuitzen bringen sollen? So findet man sie dagegen mühelos an den richtigen Stellen des Buches – dort, wo man sie thematisch erwartet und wo sie bei diesem umfangreichen Werk hingehört.

Kurzes Fazit: Irrgangs Rezension wird der exzellenten Arbeit Krauses nur teilweise gerecht.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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