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Auf dem Mosenberg, mittags

Als ich am vergangenen Sonntag, dem 31. 8., zur Mittagsstunde auf der Gipfelhütte des Mosenberg war, also auf jenem Vulkanberg, den ich meinen „Meschalim“ als „Olymp der Eifel“ gewürdigt habe, musste ich daran denken, dass fast auf den Tag genau vor 69 Jahren dort mein damals 28-jähriger Vater und der sechzehnjährige Christian Pütz gewesen waren: Am 1. September 1939, einem stillen Eifeler Spätsommerfreitag, hatten sie an diesem Ort mit der ungewöhnlichen panoramischen Aussicht an einem neuen Gipfelhäuschen gemauert und gezimmert, als sie um die Mittagszeit alle Glocken ihres nahen Heimatortes Bettenfeld lang und laut läuten hörten. Sie machten sich auf den Weg zum Dorf, um zu erfahren, was Ungewöhnliches vorgefallen war, und erfuhren: Es ist Krieg.

Vier Jahre später heiratete mein Vater und Christian Pütz war nun sein Schwager. Ein weiteres Jahr später war mein Onkel Christian Pütz tot, 21-jährig erschossen vor Smolensk, und meinem Vater standen noch ein ein weiteres Jahr Krieg an der Ostfront und vier Jahre sowjetische Kriegsgefangenschaft bevor. Das hatte er auf der Gipfelhütte am Mosenberg so wenig voraussehen können, wie ich wissen kann, was in vier und in zehn Jahren sein wird.

pano

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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