Reinhold Bohlen (Hg.): Begegnung mit dem Judentum. 2. durchgesehene Auflage. Trier: Paulinus, 2007 (Schriften des Emil-Frank-Instituts, Band 9)

Das von Prof. Bohlen, dem Rektor der Theologischen Fakultät Trier und Direktor des Emil-Frank-Instituts an der Universität Trier und an der Theologischen Fakultät Trier, herausgegebene Werk befasst sich in den sieben Beiträgen seiner Autoren teils mit speziell jüdischen, teils mit christlich-jüdischen Themen. Rabbiner Walter Homolka, sicher einer der wichtigsten Vertreter des heutigen Progressiven Judentums, widmet seinen biographisch orientierten Beitrag der jüdisch-liberalen Theologie des berühmtesten deutschen Reformrabbiners Leo Baeck (1873 – 1956). Der Historiker Uri Kaufmann untersucht „Die Bedeutung der mittelalterlichen spanischen Juden für die Entwicklung der jüdischen Tradition“ – ein kurzer, aber nützlicher Überblick über Historie und Leistungen des sephardischen Judentums. Der dritte jüdische Autor, der Thionviller Rabbiner Gérald Rosenfeld, betont die herausragende Bedeutung der Tora und des Torastudiums in der jüdischen Geschichte. Er vertritt die Ansicht, dass die Tora das Judentum vor der historischen Auslöschung bewahrt habe. Wegen dieser existenziellen Bedeutung müsse sie auch in der religiösen Erziehung im Mittelpunkt stehen. Dabei komme der beständigen Wiederholung eine zentrale Rolle zu. Die übrigen Autoren – die Theologieprofessoren Andreas Heinz und Walter A. Euler, der Historiker Alfred Haverkamp sowie Dr. Marianne Bühler – kommen alle von der Uni Trier. Den wohl interessantesten Aufsatz steuert dabei Prof. Heinz bei, der kenntnisreich und unvoreingenommen der Frage nachgeht: „Antijudaismus in der römischen Liturgie“? Für die vorkonziliare röm. Liturgie wird dies von ihm eindeutig bejaht, für die erneuerte röm. Liturgie verneint. Allerdings ist der Beitrag vor den neueren Diskussionen um Papst Benedikt XVI. geschrieben worden, so dass sich seine Aussage nur auf die Botschaft des Konzils selbst bezieht.
Der Fundamentaltheologe und Cusanus-Experte Prof. W. A. Euler stellt in seiner Abhandlung über „Die Bedeutung des Judentums für den christlichen Glauben“ den zuerst von Julius Wellhausen formulierten Gedanken: „Jesus war kein Christ, sondern Jude“ heraus. Sein Überblick belegt die These von Amos Funkenstein, dass Judentum und Christentum wechselseitig ein permanentes „mysterium tremendum et fascinosum“ seien. Euler stellt die bemerkenswerte Behauptung auf, dass die christliche Bewertung des Judentums „die wohl größte Baustelle der gegenwärtigen Theologie“ sei. Er wagt aber keine Prognose, wie dieser Bau schließlich aussehen wird – vielleicht auch deshalb, weil er davon überzeugt ist, dass er nie zu einem definitiven Ende kommen wird.

Insgesamt ein durchaus lesenswertes Buch, bei dem nicht zuletzt auch die Kurzbiographien der Autoren interessante Auskünfte enthalten. Was dem Inhalt noch gut getan hätte, wäre ein Beitrag, der sich mit der religiösen Vielfalt des Judentums befasst. Gerade über die unterschiedlichen Gestalten dieser faszinierend vielfältigen Weltreligion ist allgemein zu wenig bekannt.

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