Rechtsphilosoph und staatsmännisches Lob

Richard Milhous Nixon, der frühere amerikanische Senator, Vizepräsident, Präsident, Jurist und Staatsmann, schreibt in seinem Erinnerungsbuch „In the Arena: A Memoir of Victory, Defeat, and Renewal“ (1990) auch über den eminenten amerikanischen Rechtsphilosophen Lon L. Fuller (1902 – 1978) und bezeichnet ihn darin als denjenigen Professor, der ihn an der Duke Law School am meisten beeinflusst habe. Nixon war in der Tat zutiefst beeindruckt von Fuller:

„It was a mountaintop experience to have one of the top legal philosophers in the nation share his wisdom with us on our legal heritage from the Greeks, the Romans, the Germans, the French, and the British. His book The Morality of Law, based on the Stoors Lectures he delivered in Yale in 1965, should be required reading for anyone interested in law or philosophy”.

Angesichts seines unrühmlichen Abgangs aus dem Präsidentenamt, der gerade auf Rechtsverletzungen durch Nixon und seine Leute zurückging, könnte man zweifeln, ob er dem Gedächtnis Lon Fullers einen Gefallen getan hat, ihn als Juristen herauszustellen, der ihn stark beeinflusste. Auf der anderen Seite war Nixon der Präsident, der den Vietnam-Krieg beendete, und wenn man ihn mit einem seiner republikanischen Nachfolger, nämlich dem Kriegsstifter George W. Bush, vergleicht, so steht er nicht politisch, sondern vor allem auch intellektuell unvergleichlich besser da. Welcher Rechtsphilosoph oder Philosoph überhaupt will denn von Bush gepriesen werden? Käme das nicht einem halben Fluch gleich? Aber ein solches Lob ist freilich auch nicht zu erwarten, und wenn doch jemals ein Rechtstheoretiker oder gar ein philosophisches Werk von George W. Bush gelobt werden sollte, dann wird man wohl fragen müssen, welcher Ghostdenker diesem das vorher eingeflüstert hat. Andererseits spricht die Tatsache, dass der Guantanamo-Präsident auch bei vielen amerikanischen Juristen Unterstützung gefunden hat, findet und sicher auch noch finden wird, dafür, dass ein intellektuell-moralischer und rechtsphilosophischer Niedergang sich nicht bloß auf präsidentieller Ebene vollzogen hat. Zum Glück gibt es Zeichen dafür, dass der Weg wieder in die andere Richtung führen könnte, etwa die jüngste Entscheidung des Supreme Court zu Guantanamo, die – so kann man annehmen – auch die Zustimmung des Texaners Lon L. Fuller gefunden hätte.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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