Adorno und das Ressentiment

Zu den schändlichen Schauspielen, die Adorno, der meist misstönende Sohn einer Sängerin, geliefert hat, gehören seine Ausführungen über Schiller in seinen hoch geschraubten und doch allzu dünn gebohrten „Minima Moralia“. Zu Recht schreibt der Münsteraner Philosoph Volker Gerhardt in einem erfrischenden Beitrag des schönen von Jan Bürger herausgegebenen Buches „Friedrich Schiller. Dichter, Denker, Vor – und Gegenbild“ (Göttingen: Wallstein 2007), dass Adornos abgründige Neid- und Hasstirade - „das pure Ressentiment“ (V. Gerhardt) - gegen Schiller im Grunde ein Fall für Psychoanalytiker ist und Adornos Leser für alle Zeiten vor ihm hätte warnen müssen.

Dass eine Zeitschrift wie „Cicero“ das blindwütige adornosche Hyperpolemisieren im Schiller-Jahr 2005 zustimmend neu veröffentlichte und damit der „posthumen Denunziation eines Schlechtweggekommenen durch einen von der Geschichte selbst Verratenen“ (V. Gerhardt) den Beifall intellektueller Ahnungslosigkeit schenkte, ist zwar betrüblich, aber leider nicht so verwunderlich. Wenn eine bereits verwundete Gesellschaft sich jahre- und jahrzehntelang den Luxus leistet, Adornos Leere zu goutieren – wie soll dies schadenlos bleiben?

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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