Herrenwort

Wenn Benedikt XVI. Jesus zitiert, nennt er dessen Aussprüche gern – wie so viele deutschsprachige Christen vor und neben ihm - „Herrenworte“. Der traditionelle Ausdruck scheint ihm zu gefallen. Auch wenn er mit sanfter Stimme spricht oder mit nur leiser Bestimmtheit schreibt, steht er allerdings als Papst in der Nachfolge vieler Vorgänger, die mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln oft erfolgreich dafür gesorgt haben, dass die jesuanischen Herrenworte vor allem auch als Machtworte erlebt wurden: Millionen erfuhren noch bis ins 20. Jahrhundert hinein Herrenworte als Gewaltworte christianisierender Herrenmenschen. Mir gefällt der Ausdruck „Herrenwort“ aus diesem Grund noch weniger als der Begriff „Damenwort“, mit dem Christen im Grunde auch die allzu wenigen überlieferten Sätze Mariens bezeichnen könnten.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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