Edwin Arnold und T. S. Eliot

Vor drei Tagen und 104 Jahren starb der englische Dichter und Journalist Edwin Arnold (1832 – 1904). Er gehört zu den gar nicht so zahlreichen Schriftstellern, von denen ein ungleich bekannterer angelsächsischer Stammesgenosse, der illustre Literaturnobelpreisträger und "dead master" des 20. Jahrhunderts T. S. Eliot, ausdrücklich bekannte, dass er ihm etwas bedeute. Eliot bezog sich dabei konkret auf Arnolds 1879 veröffentlichtes Langgedicht „The Light of Asia“. In seinem Essay „Was ist geringere Dichtung“ (What is minor poetry") erwähnt Eliot, dass er als Junge „The Light of Asia“ kennengelernt habe und dass es ihm auch heute noch sehr ans Herz gewachsen sei. Er habe das Gedicht mit größtem Vergnügen – und das sogar mehrmals – gelesen. Dieses schöne und außerordentliche Lob des Werks von Edwin Arnold wird leider dadurch getrübt, dass Eliot darüber eben gerade im Zusammenhang von minor poets schreibt und er offenkundig Arnold für einen dieser geringeren Dichter hält. Verschweigt Eliot - der wiederum selbst von anderen (z. B. E. R. Curtius) zu den minor poets gezählt wurde - an dieser Stelle, dass ihn dieser angeblich geringere Dichter vielleicht doch recht stark beeinflusst hat? Immerhin wurde Eliots bekanntes Interesse an Indien und Sanskrit gerade auch durch die Lektüre des indophilen Gedichts von Edwin Arnold beinflusst, verstärkt, wenn nicht sogar hervorgerufen.

T. S. Eliot hob 1944 hervor, dass er „The Light of Asia“ immer noch für ein gutes Gedicht hält und dass er sich zu jemandem hingezogen fühlt, der es ebenfalls gelesen hat und Gefallen daran findet.

Erstaunlich ist es, dass Eliot nach eigenen Angaben nie neugierig darauf war, etwas über den Autor Edwin Arnold zu erfahren. Damit betont er im Grunde noch einmal – und wieder auf einem vielleicht höflichen Umweg - , dass er diesen für nicht so wichtig hält. Aber wie kann man, gerade als angelsächsischer Intellektueller, uninteressiert daran sein, etwas über einen Arnold erfahren zu wollen,? Warum wollte Eliot beispielsweise nicht wissen, ob Edwin Arnold ein Verwandter von Matthew Arnold ist, den er doch so hoch schätzte und mit dem er sich stark beschäftigte? An mangelndem genealogischen Interesse kann es bei dem abstammungsbewussten Nobelpreisträger nicht gelegen haben. Es scheint einfach so zu sein, dass er an Menschen mit – seiner Überzeugung nach - geringerer Begabung letztlich kaum interessiert war. Und eben auch dies hat er mit seinen spärlichen Bemerkungen über den von ihm gern gelesenen Edwin Arnold noch einmal deutlich gemacht.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

null

Impressum:

© 2007 by Gregor Brand
Am Denkmal 4
24793 Bargstedt/Holstein (Germany)
www.gregorbrand.com

Aktuelle Beiträge

Adorno und das Ressentiment
Zu den schändlichen Schauspielen, die Adorno,...
gregorbrand - 13. Mai, 14:26
Kulturphilosophie und...
„Kulturphilosophie als Wort finden wir nicht...
gregorbrand - 8. Mai, 09:28
Erdphilosophen
Auch wer sich über die fernsten Galaxien oder...
gregorbrand - 7. Mai, 09:55
Hermann Cohen und Ernst...
Hermann Cohen war einer derjenigen jüdischen...
gregorbrand - 6. Mai, 11:46
Jüdischer Schöpfungsnihilismus
Der von - vor allem deutschen - Christen so gern angeführte...
gregorbrand - 4. Mai, 22:44

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Aphorismen
Carl Schmitt
Der Philosoph Ernst Bergmann
Eifel
Erich R. Jaensch
Ernst Jünger
Goethe
Hermann Cohen
Humanität
Intelligenz
Kulturkritik
Lyrik
Medien
Religion
Rezensionen
Zeitgeschehen
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren