German aphorist - deutscher Aphoristiker
Welcher deutsche Aphoristiker ist - als Aphoristiker - international bekannt? Wenn man bei der weltweit größten Suchmaschine die Begriffe „German aphorist“ eingibt, so beziehen sich anscheinend mehr als 90 Prozent der Einträge auf Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1759). Nun ist Lichtenberg in der Tat ein großer deutscher Aphoristiker, aber er war weder der erste deutsche Aphoristiker noch sind seine Aphorismen quantitativ oder qualitativ derart herausragend, dass sie eine solch starke Dominanz rechtfertigen würden. Was die Quantität betrifft, so hat schon der Lichtenberg-Kenner und Lichtenberg-Herausgeber Franz H. Mautner darauf hingewiesen, dass es von Lichtenberg nur zwei- oder dreihundert Aphorismen „im strengen Sinn der Gattung“ gibt. In dieser Hinsicht wird er von vielen deutschsprachigen Schriftstellern bei weitem übertroffen. So dürfte beispielsweise das aphoristische Gesamtwerk von Karl Kraus, der sich stark der Gattung Aphorismus gewidmet hat, nicht weniger als 4000 Aphorismen umfassen. Unter den ausländischen wichtigen Aphoristikern könnte als Maßstab der jüdische Pole S. J. Lec genannt werden, dessen sämtliche veröffentlichten Aphorismen sich auf rund 2000 „Frisierte Gedanken“ belaufen.
Die aphoristische Qualität, auf die es letztlich entscheidend ankommt, ist natürlich keine Funktion der aphoristischen Quantität. Aber es dürfte jedem, der sich mit aphoristischer Literatur befasst, schwerfallen, überzeugend zu begründen, in welcher Hinsicht Lichtenberg aphoristische Meister wie – um nur diese wenigen zu nennen – Jean Paul, Friedrich Nietzsche, Hugo von Hofmannsthal oder Elias Canetti übertrifft, geschweige denn so grundlegend übertrifft, dass er als König der Aphoristiker und sie nur als aphoristische Normalbürger dastehen. Alles, was man an Lichtenberg lobt und was hohe aphoristische Kunst auszeichnet, findet man auch bei den besten der anderen genannten Denker. Es müssen andere Gründe sein, die ihm bei der Minorität derjenigen Gebildeten, die überhaupt Aphoristiker kennen, zu besonderem Ruhm verholfen haben.
Die aphoristische Qualität, auf die es letztlich entscheidend ankommt, ist natürlich keine Funktion der aphoristischen Quantität. Aber es dürfte jedem, der sich mit aphoristischer Literatur befasst, schwerfallen, überzeugend zu begründen, in welcher Hinsicht Lichtenberg aphoristische Meister wie – um nur diese wenigen zu nennen – Jean Paul, Friedrich Nietzsche, Hugo von Hofmannsthal oder Elias Canetti übertrifft, geschweige denn so grundlegend übertrifft, dass er als König der Aphoristiker und sie nur als aphoristische Normalbürger dastehen. Alles, was man an Lichtenberg lobt und was hohe aphoristische Kunst auszeichnet, findet man auch bei den besten der anderen genannten Denker. Es müssen andere Gründe sein, die ihm bei der Minorität derjenigen Gebildeten, die überhaupt Aphoristiker kennen, zu besonderem Ruhm verholfen haben.
gregorbrand - 9. Dez, 11:29