Ambiorix - König der Eburonen


Der römische Politiker Gaius Iulius Caesar (100 – 44 v. Chr.) gilt als einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Als Feldherr war er in vielen Kriegen siegreich, musste jedoch auch einige herbe Verluste einstecken. Seine größte und empfindlichste Niederlage wurde ihm von Eiflern zugefügt: Im November des Jahres 54 überfielen Krieger aus dem Stamm der Eburonen die Legionäre des Römerlagers Atuatuca in der Nordeifel und töteten rund zehntausend Soldaten der sieggewohnten Invasoren. Anführer der Eburonen gegen Caesar war ihr König Ambiorix.

Die Eburonen wohnten im Gebiet zwischen Maas und Rhein; Kerngebiet ihres Territoriums war die Nordeifel. Ihre Siedlungen zogen sich im Süden bis tief in die Vulkaneifel hin, wo ihr Stammesgebiet an das der Treverer grenzte; zwischen beiden Völkerschaften lebten weitere kleinere Stammesgruppen. Caesar hielt die Eburonen für Germanen, aber die Mehrheit der Forscher zählt sie – hauptsächlich aufgrund von Namensstudien – zu den Kelten. Vermutlich gab es in diesem keltisch-germanischen Grenzraum, der damals noch nicht als Eifel bezeichnet wurde, mannigfache Überschneidungen; die Unterschiede in Aussehen und Lebensweise zwischen Kelten und Germanen waren dort vermutlich gering. Die Eburonen wurden zur Zeit Caesars von zwei Königen beherrscht, dem älteren Catuvolcus und dem jüngeren Ambiorix. Wann und wo Ambiorix genau geboren wurde, ist – wie bei anderen Gallier- und Germanenfürsten jener Zeit - nicht bekannt. Seine späteren erfolgreichen Fluchtbewegungen lassen auf eine exzellente Kenntnis der lokalen Verhältnisse schließen, was dafürspricht, dass er in den Waldgebieten von Eifel und Ardennen aufwuchs. Die historische Bühne betrat er erstmals im Zusammenhang mit der römischen Eroberung Galliens. Im Gegensatz zu dem schon älteren Mitkönig Catuvolcus war Ambiorix zu diesem Zeitpunkt ein physisch hoch leistungsfähiger Krieger, dessen Reiterleistungen Caesar mehrfach hervorhebt. Wie die anderen Stammesherrscher, so musste sich auch Ambiorix entscheiden, ob er sich der übermächtigen römischen Militärmacht entgegenstellen oder eher auf Unterwerfung setzen sollte. Anfangs erweckte er den Eindruck, ein Freund der Römer und Cäsars zu sein und unterstützte sie – vermutlich ein taktisches Vorgehen. Die römische Militärmaschinerie hatte gewissermaßen vor seinen Augen ihre Stärke brutal unter Beweis gestellt, als Caesars Legionäre über 50 000 der den Eburonen stammverwandten Nervier töteten und ähnlich viele Atuatuker in die Sklaverei verschleppten. Die Römer hatten jedenfalls so viel Vertrauen in Ambiorix und die Eburonen, dass sie im Jahr 54 im Lager Atuatuca mitten im Eburonengebiet rund 10 000 Legionäre zum Überwintern stationierten. Ambiorix, dem von Caesar ausdrücklich die Fähigkeit zum planvollen Überlegen zugeschrieben wurde, wusste, dass die Römer in dieser Befestigung nicht zu besiegen waren. Mit List und Täuschung lockte er daher die Legionäre aus dem Fort und überfiel sie mit seinen Kriegern, als sich der römische Heereszug in ungünstiger Lage in einem langen Tal befand. Über dessen exakte Lokalisierung streiten sich die Gelehrten. Vieles spricht dafür, dass der Ort der größten römischen Katastrophe im gallischen Krieg im Raum Nideggen-Eschweiler-Stolberg lag.

Als Caesar von der Vernichtung seiner Legionäre erfuhr, schwor er nicht nur Ambiorix Rache, sondern war auch entschlossen, zur Strafe dessen gesamten Stamm auszurotten – heute würde man von einem Völkermord sprechen. Bereits im folgenden Jahr rückten die Römer unter Caesars Befehl mit Zehntausenden von Soldaten zwischen Belgien und Rhein vor und unterdrückten erfolgreich den vom Trevererfürsten Indutiomarus zusammen mit Ambiorix partisanenhaft geführten Aufstand gegen die Römer. Die Eburonen wussten, dass sie nun um Leib und Leben fürchten mussten. Ambiorix befahl, dass jeder auf eigene Faust versuchen sollte, sein Leben zu retten. Wer flüchten konnte, floh. Caesar ließ alle Dörfer und Höfe der Eburonen niederbrennen, ihr Vieh abschlachten und gab ihre gesamte Habe zur Plünderung frei. Seine Absicht war es, die überlebenden Eburonen durch Beraubung aller Lebensgrundlagen in den Tod zu treiben. Daneben setzte er alle Machtmittel in Bewegung, um Ambiorix zu fassen. Den Römern gelang es, dessen einsam im Wald gelegenes Haus ausfindig zu machen. Ambiorix konnte jedoch auf einem Pferd in die Wälder entkommen, wohl wissend, dass hinter ihm alles niedergemacht wurde. Auch bei weiteren Aktionen entkam der von Kommandos gehetzte Ambiorix – oft in letzter Minute – immer wieder in Waldverstecken und flüchtete auf raffinierten Wegen im Schutz der Nacht. Schließlich fand er Zuflucht rechts des Rheins bei befreundeten Germanen – die Römer bekamen ihn nie zu fassen. Caesars Horrorplan der Ausrottung der Eburonen war glücklicherweise nicht ganz erfolgreich; spätere römische Autoren berichten von ihrem Fortleben. Ambiorix selbst wird bis heute teilweise als Freiheitskämpfer gesehen und gefeiert, teilweise aber auch für die Katastrophe seines Volkes durch Römerhand verantwortlich gemacht.

(Quelle: Gregor Brand: Ambiorix - König der Eburonen. In: Eifelzeitung vom 24. Februar 2016)

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