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    <title>Gregor Brand - Liber Philosophicus</title>
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    <dc:publisher>nornepygge</dc:publisher>
    <dc:creator>nornepygge</dc:creator>
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    <title>Gregor Brand - Liber Philosophicus</title>
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  <item rdf:about="http://gregorbrand.twoday.net/stories/4923550/">
    <title>Adorno und das Ressentiment</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4923550/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
Zu den schändlichsten Schauspielen, die Adorno, der meist misstönende Sohn einer Sängerin, geliefert hat, gehören seine Ausführungen über Schiller in seinen hoch geschraubten und doch allzu dünn gebohrten Minima Moralia. Zu Recht schreibt der Münsteraner Philosoph Volker Gerhardt in einem erfrischenden Beitrag des schönen von Jan Bürger herausgegebenen Buches Friedrich Schiller. Dichter, Denker, Vor  und Gegenbild (Göttingen: Wallstein 2007), dass Adornos abgründige Neid- und Hasstirade  - das pure Ressentiment (V. Gerhardt) - gegen Schiller im Grunde ein Fall für Psychoanalytiker ist und Adornos Leser für alle Zeiten vor ihm hätte warnen müssen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass eine Zeitschrift wie Cicero das adornosche Geifern im Schiller-Jahr 2005 zustimmend neu veröffentlichte und damit der posthumen Denunziation eines Schlechtweggekommenen durch einen von der Geschichte selbst Verratenen (V. Gerhardt) mit dem Beifall der intellektuell Ahnungslosen versah, ist zwar erschreckend, aber leider nicht so verwunderlich. Wenn eine bereits verwundete Gesellschaft sich jahre- und jahrzehntelang den Luxus leistet, Adornos Leere zu goutieren  wie soll dies schadenlos bleiben?&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Kulturkritik&quot;&gt;Kulturkritik&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-13T12:21:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://gregorbrand.twoday.net/stories/4311113/">
    <title>Kulturphilosophie und der europäische Absturz</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4311113/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
&lt;cite&gt;Kulturphilosophie als Wort finden wir nicht vor dem Beginn unseres Jahrhunderts. &lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Österreicher Franz Martin Wimmer schrieb dies 1989 in seinem Beitrag Rassismus und Kulturphilosophie. Wimmers Feststellung zur historischen Semantik des Begriffs Kulturphilosophie ist allerdings  wie so vieles andere in seiner Abhandlung - haarscharf unzutreffend. Bereits 1899, also noch im 19. Jahrhundert, veröffentlichte der in Bern lehrende jüdische Philosoph Ludwig Stein seinen Versuch über die Kulturphilosophie.  Der Begriff einer Kulturphilosophie ist sogar noch fast zwei Dekaden älter  eine ganz und gar nicht unerhebliche Zeitspanne in der dynamischen Geistesgeschichte der Neuzeit.  Bereits 1881 wird der Terminus  in älterer Rechtschreibung - von dem herausragenden Holsteiner Soziologen und Philosophen Ferdinand Tönnies geschaffen, als dieser in seiner berühmt gewordenen Habilitionssschrift die Thematik von Gemeinschaft und Gesellschaft als Theorem der Cultur-Philosophie behandelt. Darauf weist Ralf Konersmann in der von ihm herausgegebenen Kulturphilosophie (3., aktualisierte Aufl. Leipzig 2004) zu Recht hin. Der Kulturphilosoph Konersmann ist als Professor der Philosophie an der Universität Kiel im übrigen einer der Nachfolger eben jenes in Kiel in den Dreißiger Jahren lehrenden Philosophen Ferdinand Weinhandl, gegen dessen kulturphilosophische Gedanken Wimmer in der eingangs genannten Abhandlung mit antifaschistischem Eifer zu Felde zieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über Ludwig Stein notierte Karl Kraus in seiner Fackel vom 23. November 1906, dabei eine Berliner Zeitung zitierend  und hier nun also selbst Gegenstand eines Zitats:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Die Berliner Post schreibt am 14. November unter dem Titel »Ein jäher Fall«: »An der Berner Universität wirkte seit etlichen Jahren der aus Pest gebürtige, aber in Zürich eingebürgerte Philosophieprofessor Doktor Ludwig Stein. Er war namentlich ein großer Anziehungspunkt der russischen Studenten mosaischer Richtung und auch seine sozialdemokratischen Ansätze übten auf die vielen Töchter des Ostens merklichen Einfluß aus. Er galt lange Zeit als hohe wissenschaftliche Zierde der Hochschule der Bundesstadt, und Bern schien ohne Ludwig Stein gar nicht denkbar zu sein. Bezüglich der blumenreichen und schwülstigen Beredsamkeit ist ihm zweifellos ein gutes Zeugnis auszustellen. Im Verlag von B. G. Teubner in Leipzig hat nun Herr Prof. Stein eine Schrift erscheinen lassen, die den Titel führt: Die Anfänge der menschlichen Kultur, eine naturwissenschaftlich-kritische Betrachtung. Dieses kleine Werk hat durch Prof. Konrad Keller, Lehrer der Zoologie an der Universität Zürich, eine vernichtende Kritik erfahren, in welcher Stein der Kompilation haarsträubenden Unsinns und der Ignoranz in naturwissenschaftlichen Problemen beschuldigt wird. Prof. Keller läßt Herrn Stein eine Abfertigung zu teil werden, die namentlich durch das Stillschweigen des Angegriffenen und das volle intellektuelle Versagen seiner Freunde doppelt verblüffen mußte. Und statt sich zur Wehr zu setzen, hat Herr Prof. Stein in möglichster Eile Bern verlassen und sich in Berlin niedergelassen. Seine prächtig gelegene Villa über dem Aarestrom und der romantischen Hufeisenstadt steht nun einsam und verlassen da und ist zum Verkauf ausgeschrieben « Um Herrn Stein dürfte seinen Anhängern nicht bange sein. Sie schätzen ihn als spekulativen Philosophen und wissen, dass er auch in Berlin mehrere Häuser besitzt und dort aus dem »Satz vom zureichenden Grund« größten wissenschaftlichen Gewinn gezogen hat.&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ludwig Stein trug mit seinem Programm in seinem erwähnten Versuch über die Kulturphilosophie  seinen kleinen Teil dazu bei, das verbreitete Vorurteil über Juden zu festigen,  diese seien bei der Betrachtung menschlicher Eigenschaften allzu einseitig auf den Intellekt fixiert. Für Stein war der Intellekt jedenfalls das Kulturheilmittel schlechthin. So schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Fort daher mit allem verweichlichenden Pessimismus und entnervenden Fatalismus, welcher die Kultursysteme der Araber, Inder und Chinas an den Rand des Abgrunds geführt haben! Ihre Geschichte sei für uns das Weltgericht. Lernen wir aus dem selbstmörderischen Schicksal der drei übrigen rivalisierenden Kultursysteme, wie wir es nicht machen sollen. Bilden wir vielmehr unseren Intellekt immer vollkommener, immer allseitiger, immer tiefgreifender aus, und schöpfen wir aus diesem Intellekt Entschlossenheit und Selbstsicherheit in der Niederhaltung aller übrigen Kultursysteme!&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenige Jahre  später  waren viele europäische Denker der Überzeugung, dass sie gerade aus ihrem eigenen  europäischen - selbstmörderischen Schicksal  - wie es sich im Ersten Weltkrieg vollzog -  lernen sollten, wie wir es nicht machen sollen.  Zu denjenigen, für die diese Frage wichtigster Inhalt des philosophischen Denkens überhaupt wurde und die sich leidenschaftlich gegen den Absturz der deutschen Kultur in den Abgrund wehren wollten, gehört Ernst Bergmann. Ausdrücklich setzt er an die Stelle des auch von Stein kritisierten Pessimismus und Fatalismus Zuversicht und fichteschen Willen zur Tat. Gleichzeitig kritisiert er aber mit radikaler Vehemenz die Vorherrschaft des männlich bestimmten Intellekts in der europäischen Kultur, ohne deswegen Antirationalität zu propagieren. Im Gegenteil: Die einseitige Höherschätzung des Intellekts ist für ihn krasser Ausdruck von Unvernunft und nicht nur kulturell, sondern auch biologisch letztlich zutiefst verhängnisvoll.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Kulturkritik&quot;&gt;Kulturkritik&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-08T07:30:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://gregorbrand.twoday.net/stories/4912661/">
    <title>Erdphilosophen</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4912661/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
Auch wer sich über die fernsten Galaxien oder Quasare oder das abseitigste Jenseits tiefgründige Gedanken macht, bleibt dennoch ein Erdphilosoph. Und jede Weltliteratur ist Erdliteratur.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Aphorismen&quot;&gt;Aphorismen&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-07T07:52:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://gregorbrand.twoday.net/stories/4294932/">
    <title>Hermann Cohen und Ernst Bergmann - zwei Philosophen, zwei Welten</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4294932/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
Hermann Cohen war einer derjenigen jüdischen Denker, die sich viel darauf zugute halten, den Vorrang und die absolute Unabhängigkeit des Geistes gegenüber der Natur zu betonen. Cohen fühlte sich damit bereits berechtigt, psychologische und biologische Forschungen zum Verständnis des Geistes nicht beachten zu müssen; soweit er es trotzdem tat, war dies im Grunde nicht mehr als die Liebhaberei eines intelligenten Mannes.  Gerade bei solchen allzu einseitig geistfixierten Menschen erscheint es besonders verlockend, einen Blick auf deren Physis zu werfen. Von dem anhaltinischen einstigen Rabbinerschüler Cohen sind allerdings nur wenige Schilderungen seiner körperlichen Erscheinung überliefert. Eine dieser wenigen Beschreibungen von seinem Auftreten und Aussehen liefert uns Gershom Scholem, der an bewusster Parteinahme für das Judentum Hermann Cohen gewiss nicht nachstand. In seiner autobiographischen Schrift Von Berlin nach Jerusalem (Frankfurt am Main 1994) schildert Scholem den jüdischen Hauptphilosophen seiner Zeit folgendermaßen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Wohl aber habe ich einen großen Philosophen, der zugleich eine große menschliche und jüdische Figur war, in Berlin gehört ... Das geschah im Rahmen der öffentlichen ´Montagsvorlesungen´ dieses Instituts, die eine große Zuhörerschaft anlockten. Hermann Cohen, von dem ich spreche, das Haupt der Marburger Schule im Neukantianismus, war eine ehrfurchtgebietende Figur, ob man nun mit seinen Ansichten übereinstimmte oder nicht. Ungewöhnlich klein, aber mit einem außer jeder Proportion dazu stehenden großen Kopf, war nach gewöhnlichen Begriffen häßlich. An ihm habe ich zum ersten Mal begreifen gelernt, welche Schönheit in einem häßlichen Kopf zum Ausdruck kommen kann. In seinem hohen Alter sprach er mit einer leidenschaftlichen Fistelstimme. Eigentlich ragte er nur mit seiner Stirn über das Rednerpult hinaus; nur wenn er von zeit zu Zeit einige Begriffe zum Guten oder Bösen hervorstieß, wie etwa ´Prophetismus´ oder den ihm besonders verhaßten ´Pantheismus´, erschien plötzlich für die Dauer eines Satzes der ungeheure Kopf über dem Pult und strahlte Leidenschaft aus, ein denkwürdiger Anblick.&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;274&quot; alt=&quot;Hermann-Cohen&quot; width=&quot;250&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/gregorbrand/images/Hermann-Cohen.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Hermann Cohen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich mir Fotos oder andere Bilder von Hermann Cohen anschaue, die ihn in höherem Alter zeigen, so ist mir allerdings nicht im geringsten ersichtlich, warum Hermann Cohen hässlich gewesen sein sollte. Gewiss, die Auffassungen über das Aussehen von Menschen gehen oft weit auseinander, aber nach diesen Aufnahmen des Philosophen zu urteilen, erscheint mir Scholems Einschätzung der cohenschen Hässlichkeit nach gewöhnlichen Begriffen in keiner Weise gerechtfertigt. Vielmehr drängt sich der Eindruck auf, dass Scholem den von ihm bewunderten Cohen bewusst als einen jüdischen Sokrates stilisieren wollte. Die angebliche Hässlichkeit des Atheners ist bekanntlich immer wieder erwähnt und enstprechend der jeweiligen philosophischen Auffassung instrumentalisiert worden. Seine Anhänger  angefangen bei Platon  erkannten bei Sokrates große wahre Schönheit hinter der Oberfläche der Hässlichkeit, während moderne Kritiker Sokrates´ - wie Friedrich Nietzsche oder Ernst Bergmann  sein als unschön beurteiltes Äußeres als Indiz für die Hässlichkeit seines Philosophierens nahmen. Scholem bewegt sich bei der Beschreibung Cohens allzu deutlich in der platonisch-positiven Sokrates-Tradition und macht das sokratische Aussehen zu einem Beleg für die sekundäre und trügerische Rolle des äußeren Anscheins gegenüber dem tiefer blickenden Geist. Rhetorisch verstärkt wird dieser Triumph des Geistigen von Scholem noch durch seine Hervorhebung der angeblich extremen Kopfgröße des Neukantianers. Dass diese Kopfgröße tatsächlich - wie bei so vielen großen europäischen Philosophen -  ungeheuer war, erscheint nach den erhaltenen Aufnahmen eher unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen.  Auch hier muss man allerdings vermuten, dass es Scholem weniger um eine anthropologisch korrekte Beschreibung Cohens ging als um ein bestimmtes Image, zu dem er seinen Teil beitragen wollte  und beigetragen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht weniger eindringlich wie Cohen die Unwichtigkeit des Körperlichen zur Erfassung des Geistigen betont hat, hat der verfemte und vielfach angefeindete Radikal- und Extremphilosoph Ernst Bergmann die Abhängigkeit des Geistigen vom Natürlichen hervorgehoben. Der Pastorensohn Bergmann versuchte, den menschlichen Geist biologisch zu deuten und untersuchte auch das Philosophieren unter soziobiologischen Gesichtspunkten  lange vor dem Auftauchen des Begriffs der Soziobiologie. Wie stand es nun um die Körperlichkeit dieses deutschen Philosophen der Körperlichkeit des Geistes?   &lt;br /&gt;
Eine Schilderung der körperlichen Erscheinung und des Auftretens Ernst Bergmanns hat Karl-Heinrich Hunsche 1936 gegeben. In seiner kleinen, aber verdienstvollen biographischen Schrift (Ernst Bergmann. Sein Leben und Werk. Breslau 1936) schreibt er über Bergmann, der damals nicht nur vom Papst als Groß- und Erzketzer betrachtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Ich hatte mir einen temperamentvollen Mann vorgestellt mit dunklen flackernden Augen, fliegendem Haar, hager und abgezehrt, eine Asketengestalt  eben so, wie man sich einen ´bösen´ Ketzer vorstellt. Statt dessen fand ich einen Menschen, hochgewachsen, stark und kräftig, mit gütigen, tiefliegenden Augen, der jeden Schritt, den er tat, ruhig und abgemessen tat und den man eher für einen vornehmen Weltmann halten konnte als für einen Professor der Philosophie. Ruhig  stieg er auf das Katheder, setzte sich, schlug seine Mappe auf und ließ erst dann mit etwas zugekniffenen Augen seine Blicke über die Hörer gleiten.&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle, bei der Erwähnung der etwas zugekniffenen Augen, ist es sicher nicht unangebracht, auf die schweren Augenprobleme hinzuweisen, die Ernst Bergmann über viele Jahre quälten und seine an sich sehr große Produktivität hemmten. Der habilitierte Philosoph Bergmann war im Ersten Weltkrieg als Flieger Elitesoldat gewesen. Bei einem Absturz hatte er sich 1916 eine Netzhautablösung auf beiden Augen zugezogen. Nach jahrelangem Leiden an dieser Augenverletzung bewahrte ihn erst anderthalb Jahrzehnte später schweizerische ärztliche Kunst vor dem düsteren Schicksal, ein im wahrster Wortsinn blinder Seher zu werden. Rudolf Neuwinger schrieb dazu 1937 (R. Neuwinger: Die Philosophie Ernst Bergmanns. Stuttgart-Berlin 1937, S. 7): &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Erst im Jahre 1930, als durch Schweizer Ärzte das Verfahren der Ignipunktur zur Heilung von Netzhautablösung erfunden worden war, wurde er in der Universitätsklinik in Zürich durch drei von Professor Voigt ausgeführte Operationen endgültig von seinem Kriegsleiden geheilt, worauf er sich mit Feuereifer wieder an seine wissenschaftlichen Arbeiten begab, die infolge seiner Körperbehinderung, die ihm ein systematisches Studium unmöglich machte, mehrere Jahre liegen geblieben waren.&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kehren wir nun zur Beschreibung Bergmanns durch Hunsche zurück:&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Aber alles, was er tat, war ruhig und gemessen. Und man hatte sofort Vertrauen zu diesem würdigen Professor. Denn es war keine Würde, die sich distanzierte oder gar abweisend war. Eine Kluft, wie sie leider manche Hochschullehrer zwischen sich und ihren Hörern aufrichten, war bei ihm nicht vorhanden. Mit jeder, auch mit der kleinsten Frage und dem bescheidensten Einwand konnte man vor ihn hintreten ... Auch in seinem Vortrag war Ruhe und Würde. Ohne jede Hast begann er in der Übung von irgend einem Punkte aus seinen Gegenstand zu behandeln, zu wenden und in immer neuen Formulierungen zu beleuchten, bis auch der Letzte ihn fassen konnte.  Erst wenn er glaubte, daß eine Gedankenreihe ganz von uns verstanden war und er an dem leuchten auf unseren Gesichtern sah, auf welch fruchtbaren Boden seine Worte fielen, erst dann ´begann´ er eigentlich, erst dann sprach Bergmann. Es war nicht die übliche schwerverständliche und holprige Sprache vieler Philosophen ... Erst in diesem zweiten Stadium seiner Rede ... konnte man merken, welche Leidenschaft hinter der äußeren Hülle seiner gelassenheit und Ruhe sich verbarg, konnte man eine Ahnung bekommen von den Kämpfen und Stürmen, die hinter dieser Stirn sich austobten ... Wenn Bergmann etwas sagte, dann wußten wir, hier philosophierte einer, nicht um seinen Berufspflichten zu genügen, sondern weil ihm die Fragen um Welt, Mensch und Gott bitter ernst waren und er, ohne sie zu lösen, nicht leben konnte ...&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die letztere Bemerkung angeht, so wurde in bemerkenswert ähnlicher Weise wie Ernst Bergmann von Hunsche Hermann Cohen von Franz Rosenzweig wahrgenommen. Dessen Worte über Cohen hätte Hunsche ohne Abstriche für seine Charakterisierung Bergmanns übernehmen können. Rosenzweig notierte:&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Gewohnt, auf philosophischen Kathedern kluge Leute zu finden, feinsinnige, scharfsinnige, hochsinnige, tiefsinnige und wie alle die sinnigen Worte heissen mögen, mit denen man den Denker zu loben meint, fand ich einen Philosophen. Statt Seiltänzern, die auf dem gespannten Draht des Gedankens mehr oder weniger kühn, mehr oder weniger geschickt, mehr oder weniger zierlich ihre Sprünge ausführten, sah ich einen Menschen. ... Hier schwieg die Frage still, hier hatte man das Gefühl: dieser Mensch muss philosophieren.&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun Scholem und Rosenzweig Hermann Cohen dafür verehren durften, mit welchem Eifer dieser sein Judentum liebte und philosophisch zu fundieren suchte, dann darf man den Kulturkritiker und Kulturphilosophen Ernst Bergmann nicht dafür tadeln, dass er mit nicht geringerer Leidenschaft und Berechtigung sich für das Deutschtum einsetzte.  &lt;br /&gt;
Vorläufiges Fazit dieser Betrachtung, aber ohne voreilige Schlussfolgerung: In körperlicher Hinsicht  waren Cohen und Bergmann genauso extrem unterschiedlich wie als Philosophen; in ihrer philosophischen Leidenschaft dagegen waren sie sich so ähnlich, wie sich Extreme oftmals ähnlich sind.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Hermann+Cohen&quot;&gt;Hermann Cohen&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-06T09:13:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://gregorbrand.twoday.net/stories/4907428/">
    <title>Jüdischer Schöpfungsnihilismus</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4907428/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
Der von - vor allem deutschen - Christen so gern angeführte Gedanke des Bewahrens der Schöpfung ist überwiegend kein jüdischer oder biblischer Gedanke. Zu Recht schreibt Prof. Daniel Krochmalnik in  seinem Beitrag Variationen zum Anfang in der jüdischen Tradition (Zeitschrift für Ideengeschichte, Sommer 2007, S. 45  61) zur Einstellung der  Rabbinen: Wie wenig ihnen die Schöpfung an und für sich bedeutet, zeigen jene Lehren, die den Fortbestand der Schöpfung an die Bedingung der Gesetzesannahme knüpfen. eine Existenzberechtigung erhält die Schöpfung nur, wenn sie sich nachträglich durch das Gesetz rechtfertigt und durch Gesetzesgehorsam bewährt.  Damit wird nicht nur der Schöpfung nihilistisch ein eigenständiger Wert abgesprochen, sondern ihr Bestand wird sogar von der dauernden Existenz des Judentums abhängig gemacht. Würden die Juden ihr Judentum aufgeben und damit den Gesetzesgehorsam verletzen, so mag nach dieser biblischen Perspektive die Welt ruhig untergehen. Juden könnten also mit Berufung auf diese rabbinische Sicht konsequent sagen: Nach uns die Sintflut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krochmalnik betont, dass das Desinteresse an der Naturhaftigkeit der Schöpfung zur Grundstruktur des rabbinischen Denkens gehört: Die Schöpfung interessiert nicht als Naturereignis , sondern als natur- oder besser kreaturrechtliche Präambel zum Gesetz. Bei dieser Einschätzung hätte er sich auf das Konzept des halachischen Menschen von Joseph Baer Soloveitchik (1905  1993) berufen können, der sich in genau dem gleichen Sinn geäußert hat. Insofern ist es auch kein Wunder, dass das naturwissenschaftliche Interesse des alten talmudischen rabbinischen Judentums auf Medizin und Astrologie/Astronomie beschränkt war, wie Prof. G. Veltri in seinem Aufsatz über  Theoretical and Empirical Sciences in Rabbinic Judaism (Jewish Studies Quarterly, Vol. 5, 1998, Nr. 4, S. 300  317) hervorhebt. Diese beiden Wissensbereiche waren diejenigen, die für die Befolgung des Gesetzes bedeutungsvoll waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn   wie vor allem im 20. Jahrhundert  jüdische Wissenschaftler wichtige und wichtigste Beiträge zu vielen Naturwissenschaften liefern, so wandeln sie damit ideengeschichtlich grundlegend stärker auf nichtjüdischen-heidnischen Pfaden als auf orthodox jüdischem Weg: Sie folgen - zum Glück! - Aristoteles und Archimedes, nicht Moses und den Propheten.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Religion&quot;&gt;Religion&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-04T20:43:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://gregorbrand.twoday.net/stories/4899416/">
    <title>Inzest und Intelligenz</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4899416/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
Ob im Zusammenhang mit dem zuletzt vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelten Fall des deutschen Geschwistern- und Elternpaares oder jetzt anlässlich des niederösterreichischen Inzests von Amstetten: &lt;br /&gt;
Unter denen, die im Zusammenhang mit Inzest immer eindringlich auf die Gefahr hinweisen, dass Inzestkinder geistig behindert sein könnten, sind viele, die bestreiten, dass Intelligenz etwas mit Genen und Vererbung zu tun hat.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Intelligenz&quot;&gt;Intelligenz&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-30T09:39:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://gregorbrand.twoday.net/stories/4894051/">
    <title>Ehrenvolle Innovationskraft</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4894051/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
Das vergleichsweise kleine Deutschland gehört seit Jahrzehnten zu den führenden Exportnationen und hat sich mehrfach sogar an die Spitze dieser ehrenvollen Liste gesetzt. Ehrenvoll ist sie auch deshalb, weil sie nicht nur einen außerordentlich hohen ökonomischen, sondern auch wissenschaftlich-technischen Leistungsstand zum Ausdruck bringt. Ohne eine bewundernswert große Zahl von Spitzenleistungen der Intelligenz wäre eine solche Position weder zu erreichen noch zu halten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Höchstleistung ist um so anerkennenswerter, als sie auf eigenen Kräften beruht. Das ist vor wenigen Tagen noch einmal deutlich geworden: Bei der von den USA vorgelegten Liste von Staaten, die geistiges Eigentum verletzen, ist Deutschland nicht zu finden: &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.newsdaily.com/stories/n25382000-usa-piracy-report/&quot;&gt;http://www.newsdaily.com/stories/n25382000-usa-piracy-report/&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen gehören Staaten wie China, Indien und Israel zur Spitzengruppe derjenigen, denen massive Verletzungen von geistigem Eigentum vorgeworfen werden. Den USA entstehen dadurch jährlich Schäden von über 30 Milliarden Dollar. Da man sicher davon ausgehen kann, dass die urheberrechtsfeindlichen Angehörigen dieser  Staaten ihre Aktionen nicht nur gegen die USA richten,  sollten sie natürlich auch von deutscher Seite aufmerksam beobachtet werden. Gerade das Entdecker- und Entwicklerland Deutschland ist durch seine in Jahrhunderten bewährte Innovationskraft auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts Angriffspunkt derjenigen, die wenig Respekt vor geistigem Eigentum haben.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Zeitgeschehen&quot;&gt;Zeitgeschehen&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-28T10:37:00Z</dc:date>
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    <title>Duft denken</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4891923/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
Den Duft, den ich genieße, will ich auch denken können.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Aphorismen&quot;&gt;Aphorismen&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-27T09:45:00Z</dc:date>
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    <title>Zum Begriff des Universalgelehrten</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4891907/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
Auch ein Universalgelehrter wie Ernst Cassirer hat von unzähligen Wissensgebieten, Fachgebieten und ihren Erforschern und Weiterentwicklern ebenso wie von zahlreichen Dichtern und Künstlern kein oder nur ein sehr geringes Wissen gehabt. Dennoch sollte man ihm nicht deswegen die ehrenvolle Bezeichnung als Universalgelehrter versagen. Um als solcher gelten zu können, muss es genügen,  ein wesentlich umfangreicheres Wissen zu haben als der Durchschnittsgelehrte und Durchschnittswissende.  Insofern ist der Ausdruck Polymath (Vielwisser) entschieden genauer  wenn auch weniger schönklingend - als der des Universalgelehrten, weil es ein universelles Wissen spätestens seit dem Neolithikum nicht mehr gibt.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Intelligenz&quot;&gt;Intelligenz&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-27T09:35:00Z</dc:date>
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    <title>Antipolygamismus und amerikanischer Justizterror</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4875793/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
Es ist erschreckend, wie unkritisch und bisweilen sogar hetzerisch-hysterisch in den vergangenen Wochen das rechtsstaatswidrige und rechtsstaatsunwürdige Vorgehen der amerikanisch-texanischen Behörden im Fall der so genannten Polygamistensekte Fundamentalistische Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage  von Teilen der deutschen Medien dargestellt wird. Da wurde lediglich aufgrund eines angeblichen Anrufs einer - Wochen später immer noch nicht ermittelten und identifizierten! -  angeblichen Jugendlichen eine Großrazzia gestartet, bei der Hunderte von weinenden Kindern gewaltsam von ihren Müttern und Vätern getrennt und in staatliche Obhut gebracht wurden.  Dabei ist weder der auslösende angebliche Missbrauch in diesem Einzelfall bewiesen noch gar generell vor Gericht geklärt worden, dass all diese Kinder in Gefahr waren. Man braucht nur ein Mindestmaß an Menschenkenntnis zu haben, um zu begreifen, dass durch diese unverhältnismäßigen staatlichen Gewaltakte den Kindern und ihren Eltern mit Sicherheit tief traumatische Erlebnisse zugefügt werden. Das barbarische und menschenrechtsverletzende Vorgehen der US-Behörden bei dieser Aktion steht  anerkannt menschenrechtswidrigen staatlichen Kindeswegnahmen, wie sie früher etwa gegenüber australischen Aborigines üblich waren, an Unrechtmäßigkeit nicht nach und müsste eigentlich schärfste Proteste nach sich ziehen. Statt dessen schreibt beispielsweise die FAZ, die noch zu den positiven Erscheinungen bei dieser Berichterstattung gehört,  zu einem Foto dieser Kinder naiv und verharmlosend euphemistisch: Die von der Sekten-Ranch in Texas befreiten Kinder und Jugendlichen sind nun in staatlicher Obhut. Angesichts eines gewaltsamen Familienauseinanderreißens auf bloßen Verdacht hin und ohne jede überzeugende Grundlage und in Anbetracht von massenhafter hoheitlicher Kindesentführung und Kindesentziehung von Befreiung zu reden, zeugt allerdings auch von bemerkenswerter Oberflächlichkeit und Uneinfühlsamkeit gegenüber dem Schicksal der beteiligten Kinder und Eltern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zur gleichen Zeit, wo Kinder einer kleinen Glaubensgemeinschaft ihren verzweifelten Eltern weggenommen werden, ohne dass  um es noch einmal zu betonen - bei all diesen Wegnahmen auch nur ein einziger Fall gerichtlich überprüft, geschweige denn nachgewiesen ist,  wird vom gleichen Staat das Oberhaupt einer Großkirche, die für vieltausendfachen nachgewiesenen  Kindesmissbrauch durch offizielle Vertreter ihrer Religion bekannt und verantwortlich ist,  mit höchsten Ehren vom frömmelnden Kriegspräsidenten empfangen.  Würde die amerikanische Justiz gegenüber der katholischen Kirche die gleichen - zu missbilligenden! -  Maßstäbe und  Methoden anwenden wie gegenüber den mormonischen Polygamisten, dann hätte sie längst deren Priesterseminare schließen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Zeitgeschehen&quot;&gt;Zeitgeschehen&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-20T18:14:00Z</dc:date>
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    <title>Klugheit und Sprichwörter</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4874671/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
Das biblische Buch der Sprichwörter ist voller Lob auf die wirklich Klugen und Weisen, und diese Wertschätzung ist überhaupt der charakteristischste Zug der ganzen Aphorismensammlung. Intelligenz ist eindeutig etwas, was in dieser antiken jüdischen Welt aufs Höchste geschätzt wurde  so hoch sogar, dass den Urhebern dieser Meschalim vielleicht gar nicht bewusst war, dass dies keine selbstverständliche Einstellung ist. Wenn es beispielsweise verallgemeinernd heißt Ein kluger Sohn macht dem Vater Freude, ein dummer Sohn ist der Kummer der Mutter (Spr 10, 1), so gilt das  wenn man unter Klugheit wirklich Intelligenz versteht oder hohe Intelligenz zumindest für ein notwendiges Erfordernis von Weisheit und Klugheit erachtet   ganz gewiss nicht für alle Väter und Mütter, möglicherweise noch nicht einmal für die Mehrheit. Um Intelligenz wirklich schätzen zu können, muss man davon mehr haben, als etlichen Menschen damals und heute real zur Verfügung steht.  Wirklich schätzen: Das heißt, intellektuelle Begabung nicht als probates Mittel zur Erlangung eines größeren Einkommens und eines höheren Sozialstatus sehen, sondern in erster Linie als meisterliches Werkzeug zur Erlangung größerer Bewusstheit und damit eines geistig und seelisch reicheren Lebens.  Je mehr Menschen es in einer Kultur gibt, für die Intelligenz eine der allerwichtigsten menschlichen Eigenschaften ist, desto intelligenzproduzierender wird diese Kultur sein.  Insofern tragen Aphorismen, in denen diese Wertschätzung deutlich geäußert und propagiert wird, ihren stillen Teil dazu bei,  eine Gesellschaft geistig leistungsfähiger zu machen oder zumindest den immer drohenden Prozess der kognitiven Degeneration zu verlangsamen. Den Verfassern der  biblischen Meschalim kommt insofern auch ein Verdienst an den unglaublich zahlreichen jüdischen Nobelpreisen und anderen wissenschaftlichen Auszeichnungen des 20. und 21. Jahrhunderts zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weisheit und Klugheit setzen natürlich mehr voraus als hohe Intelligenz: Diese ist für jene zwar notwendig, aber nicht hinreichend. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Ab einem gewissen Grad von Intelligenz sind Menschen zu jeder Dummheit fähig. &lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;(Gregor Brand, Meschalim Nr. 4)&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Intelligenz&quot;&gt;Intelligenz&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-19T21:48:00Z</dc:date>
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    <title>Eponyme und Taten</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4866376/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
In seinem Pariser Tagebuch-Eintrag vom 18. September 1943 macht sich Ernst Jünger Gedanken zu Eponymen. Ohne diesen Ausdruck zu nennen, schreibt er: &lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Wenn Namen in die Sprache eingehen und dort Begriffe, Kategorien bilden, so pflegt das selten auf Grund von Taten zu geschehen. Unter den großen Tätern und Fürsten ist es nur Cäsar, der auf diese Weise vorleuchtet. &lt;/cite&gt; &lt;br /&gt;
Den angeblich wenigen Tätereponymen stellt er andere gegenüber: &lt;cite&gt;Weit häufiger sind Fälle, in denen der Name an eine Lehre sich heftet wie in Calvinismus, Darwinismus, Malthusianismus und anderen. Solche Wörter sind zahlreich, beliebig und meist von kurzer Lebenszeit.&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Erstaunlich ist hier das Aufleuchten eines engen und verengten Tatbegriff. Gibt es Taten nur von kriegführenden Politikern und Militärs?  Vollbringen nur Täter Taten? Haben demgegenüber in Wirklichkeit nicht der hartherzige Calvin und die großen Briten Darwin und Malthus sehr viel getan?  Sie haben zumindest viel geschrieben  und Schreiben ist an sich schon eine Tat. Es wird zur großen Tat, wenn es auf hohem Niveau geschieht, wenn sich das Geschriebene aufgrund der Qualität seines Inhalts deutlich vom Durchschnitt unterscheidet.  Hinter solchen Schreib- und Gedankenleistungen, wie sie bei Darwin und Malthus vorliegen,  steckt nicht nur bewundernswerte geistige und seelische Kraft, sondern auch eine ungewöhnliche physische Energie, auch wenn diese leicht und oft übersehen und unterschätzt wird.  Um Gedanken zu konzipieren und wirkungsvoll zu äußern, wie dies Charles Darwin tat oder sein Großvater Erasmus Darwin oder sein Vetter Francis Galton,  bedarf es wertvoller Eigenschaften, die vielen anderen abgehen, deren Taten als Tun mehr hervorstechen.  Noch unüberzeugender ist Jüngers Einordnung,  einen nicht nur gedankenreichen, sondern auch vielfältig kraftvoll handelnden religiösen und politischen Gestalter wie Calvin nicht unter diejenigen zu rechnen, die ihren Namen auf Grund von Taten verewigt haben.  Apropos verewigt: Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass die Namen - von historischen Personen abgeleiteter -  Lehren kurzlebiger sind; gerade die von Jünger genannten Exempel deuten eher auf das Gegenteil hin. Auch hier scheinen seine Präferenz und Prädilektion für kriegerische Täter ihn zu voreiligen Folgerungen verleitet zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;351&quot; alt=&quot;Calv&quot; width=&quot;305&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/gregorbrand/images/Calv.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Jean Calvin (1509 - 1564)</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Ernst+J%C3%BCnger&quot;&gt;Ernst Jünger&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-16T09:05:00Z</dc:date>
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    <title>Herrenwort</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4864241/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
Wenn Benedikt XVI. Jesus zitiert, nennt er dessen Aussprüche gern  wie so viele deutschsprachige Christen vor und neben ihm -  Herrenworte.  Der traditionelle Ausdruck scheint ihm zu gefallen. Auch wenn er mit sanfter Stimme spricht oder mit nur leiser Bestimmtheit schreibt, steht er allerdings als Papst in der Nachfolge vieler Vorgänger, die mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln oft erfolgreich dafür gesorgt haben, dass die jesuanischen Herrenworte vor allem auch als Machtworte erlebt wurden:  Millionen erfuhren noch bis ins 20. Jahrhundert hinein Herrenworte als Gewaltworte christianisierender Herrenmenschen. Mir gefällt der Ausdruck Herrenwort aus diesem Grund noch weniger als der Begriff Damenwort, mit dem Christen im Grunde auch die allzu wenigen überlieferten Sätze Mariens bezeichnen könnten.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Religion&quot;&gt;Religion&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-15T11:22:00Z</dc:date>
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    <title>Ernst Jünger und Karl Wand</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4853083/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
Vieles von dem, was große Dichter und Denker gelesen haben,  ist der Nachwelt bekannt,  vieles aber bleibt auch lange oder für immer unbekannt. Oder es ist zwar irgendwo festgehalten, aber an so versteckter Stelle, dass es fast wie ganz verborgen ist.  Was Ernst Jünger betrifft, so hat er in Paris im Zweiten Weltkrieg nicht nur Katherine Mansfield, Washington Irving, Léon Bloy, Létaud und all die anderen gelesen, deren Lektüre er in seinen Pariser Tagebüchern ausdrücklich erwähnt, sondern beispielsweise 1942 auch unveröffentlichte Gedichte eines jungen Eifeler Leutnants, der später promovierter Historiker wurde, deutscher Botschafter in verschiedenen Staaten Afrikas und  Autor von Gedichtbänden und Sachbüchern: Dr. Karl Wand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1920 in der bekannten Eifelstadt Gerolstein geborene Wand erwähnt dies beiläufig in seinem autobiographischen Buch: Zwei Brüder im Hitlerkrieg, das vor wenigen Jahren in Schweden, wo Dr. Wand nun lebt, erschienen ist. Dort heißt es (S. 230):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Die Bekannte eines Freundes entpuppte sich als Sekretärin von Ernst Jünger, der bei Stülpnagel im Stabe arbeitete. Hatte ich in Berlin seine Stahlgewitter gelesen, so las ich jetzt in Paris seine Marmorklippen. Seine Sekretärin zeigte ihm einige meiner Gedichte. Jünger dankte mit der Aufmunterung weiterzudichten. &lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Wand hat sich an diese Aufmunterung gehalten und später unter anderem Leier, Schwert und Liebe. Gedichte einer verlorenen Generation veröffentlicht (Frankfurt am Main 1992). Persönlich hat Karl Wand den großen Ernst Jünger nie kennengelernt. Der Eifeler aus dem Sicherungsregiment 1, das dem Kommandanten von Groß-Paris (General von Boineburg-Lengsfeld) und dem Militärbefehlshaber von Frankreich (General von Stülpnagel, zu dessen Stab Jünger bekanntlich gehörte) unterstand, gehörte zu denjenigen Offizieren, die abends am 20. Juli 1944 in Paris die Hauptdienststelle des SD in der Avenue Foch 84 stürmten und mit vorgehaltener Maschinenpistole die SD- und SS-Leute verhafteten und ins Staatsgefängnis Frèsnes brachten.  Gegen Mitternacht war der Befehl ausgeführt und über 1000 Mann SS- und SD-Leute mit ihren obersten Führen festgesetzt, notiert Karl Wand über diese Aktion, über die sich Ernst Jünger in seinem Eintrag vom 21. Juli 1944 düstere Gedanken machte, weil er ein furchtbares Gemetzel als Folge befürchtete.  Zu diesem Gemetzel aufgrund der Verhaftungsaktion kam es gottlob nicht. Aber für antinationalsozialistische Offiziere wie den Katholiken Karl Wand und den nachmaligen Katholiken Ernst Jünger war es schon schlimm genug, dass als Reaktion auf den 20. Juli der Nazigruß auch für die Wehrmacht eingeführt wurde. Dies war ein zusätzliches Zeichen, dass es weiter der noch größeren Katastrophe entgegenging. Der Abgrund des Krieges hatte im Sommer 1944 schon dem einen den Bruder Ernst Wand (1918  1942) genommen und wird dem anderen bald den Sohn Ernstel Jünger (1926  1944) entreißen.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://gregorbrand.twoday.net/topics/Ernst+J%C3%BCnger&quot;&gt;Ernst Jünger&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 gregorbrand</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-10T10:58:00Z</dc:date>
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    <title>Rabe und Rabbiner</title>
    <link>http://gregorbrand.twoday.net/stories/4831244/</link>
    <description>&lt;div align=&quot;justify&quot;&gt;
In mittelalterlichen und frühneuzeitlichen deutschen Dokumenten heißt es manchmal &quot;der Rabe&quot;, wenn von einem Rabbiner die Rede ist. &lt;br /&gt;
Ob die christlichen Schreiber dabei auch an den klugen schwarzen Vogel dachten, der ihren germanisch-heidnischen Vorfahren heilig war? Ob bei ihren zwiespältigen Empfindungen gegenüber den geheimnisvollen jüdischen Wissenden auch Bruchstücke des paganen Wissens um die düstere Sakralität des Wodansvogels eine Rolle spielte?&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>gregorbrand</dc:creator>
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