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Donnerstag, 10. September 2009

Deutsche Googlebildungen

Ich finde die deutsche Sprache wundervoll! Auch deshalb, weil es nach meinem Eindruck keine andere Sprache gibt, die neuen Gedanken und Begriffen weniger Hindernisse in den Weg legt, sondern sogar im Gegenteil dazu reizt, mit neugeformten Begriffen und Ausdrücken zugleich neue Weltphänomene sprachlich zu erfassen. Eines von Myriaden möglicher Exempel: Die auf "google" bezogenen Verbkreationen des frühen 3. Jahrtausends: entgooglen, zergooglen, nachgooglen, übergooglen, runtergooglen, vergooglen, abgooglen, vorgooglen, untergooglen und dergleichen mehr. So akkumuliert sich der Reichtum einer prä- und transtodesfugalen meisterlichen Sprache.

Von Vögeln und Fledermäusen

Wenn in Gottesdiensten, im Konfirmationsunterricht oder bei katholischen Messen wieder salbungsvoll davon geredet wird, wie wunderbar Gott die Welt eingerichtet hat, darf man auch daran denken: Kohlmeisen picken Fledermäusen, die gerade aus dem Winterschlaf erwachen, die Köpfe auf und bekämpfen mit deren Fleisch und Blut dann die eigene Nahrungsnot.

Great tits bite off bats' heads

Ein Vorgang, der eigentlich mit seinem Töten und Getötetwerden in der Tierwelt nichts Besonderes darstellt, aber doch aufhorchen lässt, weil man beim munteren Zwitschern und Tirillieren von Singvögeln meistens nicht an solche Vorgänge denkt. Gerade unsere kleinen gefiederten Freunde haben zudem in der Geistes- und Kulturgeschichte schon oft manche zum Lob über die Schönheit und Lieblichkeit der Schöpfung und zum Preisen des Schöpfers veranlasst. Ich will mit diesem Hinweis auf die Kohlmeisen in Ungarn auch nicht - wie Schopenhauer dies angesichts der Weltgrausamkeit getan hat - behaupten, dass deswegen solches Gotteslob völlig unberechtigt ist - aber man muss dann doch diesen blutigen Teil des Weltlebens mitbedenken und einbeziehen.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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