Mittwoch, 31. Dezember 2008

Engelbert Klauk (1933-2008)

Durch eine kurze Notiz im „Prümer Landboten“, der Zeitschrift des Geschichtsvereins Prümer Land, habe ich am Ende dieses Jahres erfahren, dass Studiendirektor a. D. Engelbert Klauk gestorben ist.

Herr Klauk, der im Mai 2008 noch seinen 75. Geburtstag feiern konnte, war auf dem Prümer Regino-Gymnasium mein erster Latein- und Klassenlehrer (1967 – 1969) und wurde etwas später auch mein erster Griechischlehrer, ehe ihn in beiden Fächern sein Bruder Edgar Klauk ablöste. Ich bin mir nicht sicher, ob er bei all seinen Schülern auf Sympathie gestoßen ist, denn er konnte bei einer angenehmen und frohgemut-heiteren Grundhaltung doch auch plötzlich sehr ungehalten und wütend werden. Ich gehörte aber nicht zu den Schülern, die unter diesen seltenen und schnell abflauenden Übellaunigkeiten zu leiden hatten. Bereits in einer der ersten Stunden Ende August 1967 hatte ich mir anscheinend seine Sympathie dadurch erworben, dass ich nicht nur zutreffend eine Karte im Lateinbuch als Darstellung des Imperium Romanum deuten konnte, sondern auch historische Einzelheiten dazu wusste, was ihn ziemlich verblüffte. Und da auch meine Lateinarbeiten sehr zu seiner Zufriedenheit ausfielen, hatte er keinen Grund, mit mir unzufrieden zu sein.

Im Griechischunterricht sahen meine Noten zeitweise weniger gut aus. Aber Engelbert Klauk merkte sowenig wie irgendein anderer Lehrer, dass dies entscheidend damit zusammenhing, dass ich – aus mir heute beinahe unerklärlichen Gründen - partout keine Brille haben wollte, obwohl ich sie wegen zunehmender Kurzsichtigkeit dringendst gebraucht hätte. Vokabeln, die an die Tafel geschrieben wurden, konnte ich in der Mittelstufe allmählich ebensowenig lesen wie grammatikalische Erläuterungen und sonstige wichtige Angaben. Ich war damit in Griechisch – natürlich ebenso in den anderen Fächern - von einem nicht unwichtigen Teil des Unterrichts gewissermaßen abgeschnitten. Erst als ich meine psychologisch seltsame Brillenphobie überwunden hatte, sah die Sache wieder grundlegend und im wahrsten Wortsinn besser aus. Aber von meiner verbesserten Schulleistung profitierte nun nicht mehr Engelbert Klauk, sondern sein Bruder.

Was der damalige Enddreißiger Oberstudienrat Engelbert Klauk von mir seinerzeit gehalten hat, lässt sich vielleicht am besten an seiner ambivalenten und zeitkritischen Bemerkung erkennen, die in dem biographischen Artikel über mich im von Prof. Hermann Simon herausgegebenen Buch „Kinder der Eifel“ (2008) zitiert ist: „Was könnte aus Dir in einer anderen Zeit und bei mehr Ehrgeiz werden! So aber vergammelst Du nur.“

Nach dem Abitur bin ich meinem guten ersten Latein- und Griechischlehrer nur noch einmal begegnet: Bei einem Klassentreffen in Prüm im Jahr 1985. Dass er mich nun siezte, kam mir seltsam vor, schließlich hatte ich das in der Schulzeit bei ihm nie erlebt. Im Grunde war es nicht ungewöhnlich, sondern eher selbstverständlich, aber es schuf sofort eine unerwartete und nicht mehr vergehende Distanz. Ich überließ ihm ein Exemplar meines ersten Gedichtbuches „Ausschaltversuche“, das wenige Wochen vorher erschienen war und das ich zum Klassentreffen mitgebracht hatte. Spätestens beim Lesen des zweiten Gedichtes „kommt sagen wir das rot“ konnte Engelbert Klauk nicht mehr an sich halten, in ehrlicher Verwunderung zu fragen: „Wie kommt man nur darauf, sich so etwas auszudenken?“ Er zeigte zögernd auf den Text, dessen erste beiden Zeilen lauten: „sie war als ob sie bluten könne rot / die brüste die auch nicht gespitzte flammen röten“. Ich weiß nicht mehr, was ich darauf geantwortet habe, aber sein irritierter Blick ist mir noch vor Augen und dieser fragende Ausdruck wird immer meine letzte persönliche Erinnerung an ihn bleiben.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

Impressum:

© 2007-2017 by Gregor Brand www.gregorbrand.de

Aktuelle Beiträge

Peter Scholl-Latour -...
Der am 16. August 2014 hochbetagt verstorbene Journalist,...
gregorbrand - 7. Okt, 02:56
Nobelpreis für Gerhard...
Einen Tag, nachdem der Physiknobelpreis 2007 dem deutschen...
gregorbrand - 7. Okt, 02:53
Henri Owen Tudor - Erfinder...
VARTA – wer weiß schon, dass am Ursprung...
gregorbrand - 20. Mrz, 01:44
Ambiorix - König...
Der römische Politiker Gaius Iulius Caesar (100...
gregorbrand - 17. Mrz, 00:46
Hugo Zöller: Journalist...
Der imposante „Mount Wilhelm“ (Wilhelmsberg)...
gregorbrand - 27. Dez, 23:44

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Aphorismen
Autobiografisches
Bibliographie
Eifel
Gedichte
Genealogie
Intelligenz
Kulturkritik
Religion
Rezensionen
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren