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Dienstag, 30. Dezember 2008

Mannichl und das journalistische Schindluder


Gestern berichtete die „FAZ“ im Anschluss an eine entsprechende Meldung der Zeitschrift „Focus“, dass die Sonderkommission der Passauer Polizei zum Fall Mannichl vor der Auflösung stehe und die Ermittlungen unter Leitung des Landeskriminalamtes „noch einmal bei null beginnen“ sollten. Mehr als zwei Wochen nach dem Messeranschlag auf Mannichl sei „noch immer keine relevante Spur zu dem unbekannten Attentäter“ gefunden worden. Das musste die gleiche Zeitung zugeben, die bereits unmittelbar nach dem Anschlag mit der reißerischen Schlagzeile erschien: „Neonazi sticht Polizeidirektor nieder“.

Ebenso wie viele andere Zeitungen und sonstige Medienorgane hielt es die FAZ damals nicht für nötig, von einem „mutmaßlichen“ Neonazi zu schreiben, sondern titulierte unkritisch und voreilig so, als stünden Sachverhalt, Täter und Hintergründe bereits fest. Davon konnte jedoch nicht im Geringsten die Rede sein. So undifferenziert plakativ in einem Kriminalfall zu titulieren, war journalistische Leichtfertigkeit und durchaus ein Tiefpunkt seriöser Berichterstattung. Es stellt zugleich der damit praktizierten journalistischen Sorgfalt ein beschämendes Zeugnis aus.

Die Sache wird selbstverständlich nicht dadurch besser, dass sie sich nicht nur bei dem besagten renommierten Blatt, sondern auf breiter bundesrepublikanischer Pressefront abspielte. Und das nach all den Erfahrungen mit massiven voreiligen journalistischen Fehlgriffen und vorurteilsbehafteten Falschmeldungen gerade im Zusammenhang mit dem Rechtsextremismus – Stichworte: Ertrinkungstod in Sebnitz oder Hakenkreuzritzung von Mittweida! Selbst, wenn es sich letztendlich erweisen sollte – was im Moment keineswegs sicher scheint - , dass es sich bei dem Täter tatsächlich um einen Neonazi gehandelt hat, bleiben solche Schlagzeilen wie in der FAZ eine niveaulose Angelegenheit, die eigentlich eine Entschuldigung verdiente. Andererseits werden garantiert auch Entschuldigung und vorübergehende aktuelle Einsicht nicht verhindern, dass bei nächstbester Gelegenheit die gleichen Medien wieder der Versuchung zu unvertretbaren und journalistisch billigen, aber anscheinend kommerziell einträglichen Schlagzeilen erliegen werden.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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