Carl Schmitt und Kevin MacDonald
Carl Schmitt beschreibt in seiner 1938 erschienenen – und besonders im Schlussabschnitt geradezu hymnischen - Jubel-Schrift auf Thomas Hobbes „Der Leviathan in der Staatslehre des Thomas Hobbes“ das Eindringen von Juden „in die europäischen Nationen“:
„Jetzt aber, seit dem Wiener Kongreß, bricht die erste Generation emanzipierter junger Juden in breiter Front in die europäischen Nationen ein. Die jungen Rothschilds, Karl Marx, Börne, Heine, Meyerbeer und viele andere besetzen jeder sein Operationsgebiet in der Wirtschaft, Publizistik, Kunst und Wissenschaft.“
Zeittypisch unverhüllt suggeriert Schmitts Wortwahl hier, in konventioneller antisemitischer Manier, einen zusammenhängenden und abgesprochenen jüdischen Plan, ein generalstabsmäßig organisiertes aggressives Vorgehen gegen die europäischen Nationen. Angesichts der von ihm genannten illustren Namen hätte sich meines Erachtens allerdings sofort die spannende Frage aufdrängen müssen, was denn diese Juden befähigte, so erfolgreich ihre „Operationsgebiete“ zu besetzen. Musste es denn nicht als großes Mysterium erscheinen: Scheinbar wie aus dem Nichts heraus treten Juden, die jahrhunderte- und jahrtausendelang Verfolgten und Randfiguren in den europäischen Nationen, auf einmal als die großen Meister der europäischen Gesellschaft in Wirtschaft, Publizistik, Kunst und Wissenschaft hervor. Doch Carl Schmitt schweigt bemerkenswerterweise darüber, wie er sich dieses überaus erstaunliche Phänomen erklärt. Wissenswert wäre es auch gewesen, von Carl Schmitt zu erfahren, was denn den neuen jüdischen Einfluss inhaltlich von der großen jüdischen Beeinflussung früherer Jahrhunderte - abgesehen von der größeren allgemeinen Bekanntheit der "neuen" Juden gegenüber den einsameren jüdischen Denkern früherer Zeiten - unterscheidet. Hatten nicht auch schon mittealterliche und frühneuzeitliche Juden ihre so genannten "Operationsgebiete"? Immerhin stellte Schmitt in der gleichen Schrift beispielsweise fest, dass etwa der so bedeutende Staatsdenker Jean Bodin nicht nur jüdisch beeinflusst, sondern sogar abhängig war:
"Bodinus ist hier möglicherweise durch die kabbalistischen und die sonstigen jüdischen Einflüsse bestimmt, von denen er zweifellos in stärkster Weise abhängig gewesen ist."
Am Ende des 20. Jahrhunderts und nun im 21. Jahrhundert widmet sich ein amerikanischer Psychologe mit großem Fleiß und in wissenschaftlicher Absicht der Frage nach den Gründen des "neuen" jüdischen Einflusses. Kaum weniger einseitig und voreingenommen als Carl Schmitt in dieser Thematik, konstatiert der Katholik Kevin MacDonald gleich diesem mit dem beginnenden 19. Jahrhundert den plötzlichen Eintritt der Juden in die „europäischen Nationen“ – nebenbei beinahe übersehend, dass Juden schon seit vielen Jahrhunderten bemerkenswert präsent und gestaltend im geistigen und physischen Europa waren. Im Unterschied zu Carl Schmitt widmet sich nun Kevin MacDonald gezielt der Ursachenforschung zum für beide auffälligen jüdischen Erfolg im 19. und 20. Jahrhundert. Seiner Ansicht nach haben eine über Jahrhunderte rabbinisch herangezüchtete weit überdurchschnittliche Intelligenz und ein ebenso lang gewachsenes außerordentliches ethnisches Bewusstsein und Zusammengehörigkeitsgefühl jüdische Macht und Einfluss möglich gemacht. In seiner Vorstellung vom angeblichen Hyperethnozentrismus der Juden wandelt MacDonald in den gleichen Spuren wie Schmitt mit seinen Andeutungen über jüdische Operationsgebiete. Aber es wäre gewiss falsch, in dem amerikanischen Psychologen ein weiteres Beispiel für einen von Schmitt Beeinflussten zu sehen und zu einem Aufsatz zu starten über „Carl Schmitts Einfluss auf die moderne Evolutionspsychologie“. Schmitt war sich immerhin noch bewusst, zumindest nicht in die Seele oder das innerste Bewusstsein seines damaligen Antilieblingsjuden Stahl blicken zu können – was er sehr bedauerte -, während MacDonald sich offenbar sicher ist, die geheimen und offenen Motive der angeblich so beneidenswert erfolgreichen Juden zu kennen.
„Jetzt aber, seit dem Wiener Kongreß, bricht die erste Generation emanzipierter junger Juden in breiter Front in die europäischen Nationen ein. Die jungen Rothschilds, Karl Marx, Börne, Heine, Meyerbeer und viele andere besetzen jeder sein Operationsgebiet in der Wirtschaft, Publizistik, Kunst und Wissenschaft.“
Zeittypisch unverhüllt suggeriert Schmitts Wortwahl hier, in konventioneller antisemitischer Manier, einen zusammenhängenden und abgesprochenen jüdischen Plan, ein generalstabsmäßig organisiertes aggressives Vorgehen gegen die europäischen Nationen. Angesichts der von ihm genannten illustren Namen hätte sich meines Erachtens allerdings sofort die spannende Frage aufdrängen müssen, was denn diese Juden befähigte, so erfolgreich ihre „Operationsgebiete“ zu besetzen. Musste es denn nicht als großes Mysterium erscheinen: Scheinbar wie aus dem Nichts heraus treten Juden, die jahrhunderte- und jahrtausendelang Verfolgten und Randfiguren in den europäischen Nationen, auf einmal als die großen Meister der europäischen Gesellschaft in Wirtschaft, Publizistik, Kunst und Wissenschaft hervor. Doch Carl Schmitt schweigt bemerkenswerterweise darüber, wie er sich dieses überaus erstaunliche Phänomen erklärt. Wissenswert wäre es auch gewesen, von Carl Schmitt zu erfahren, was denn den neuen jüdischen Einfluss inhaltlich von der großen jüdischen Beeinflussung früherer Jahrhunderte - abgesehen von der größeren allgemeinen Bekanntheit der "neuen" Juden gegenüber den einsameren jüdischen Denkern früherer Zeiten - unterscheidet. Hatten nicht auch schon mittealterliche und frühneuzeitliche Juden ihre so genannten "Operationsgebiete"? Immerhin stellte Schmitt in der gleichen Schrift beispielsweise fest, dass etwa der so bedeutende Staatsdenker Jean Bodin nicht nur jüdisch beeinflusst, sondern sogar abhängig war:
"Bodinus ist hier möglicherweise durch die kabbalistischen und die sonstigen jüdischen Einflüsse bestimmt, von denen er zweifellos in stärkster Weise abhängig gewesen ist."
Am Ende des 20. Jahrhunderts und nun im 21. Jahrhundert widmet sich ein amerikanischer Psychologe mit großem Fleiß und in wissenschaftlicher Absicht der Frage nach den Gründen des "neuen" jüdischen Einflusses. Kaum weniger einseitig und voreingenommen als Carl Schmitt in dieser Thematik, konstatiert der Katholik Kevin MacDonald gleich diesem mit dem beginnenden 19. Jahrhundert den plötzlichen Eintritt der Juden in die „europäischen Nationen“ – nebenbei beinahe übersehend, dass Juden schon seit vielen Jahrhunderten bemerkenswert präsent und gestaltend im geistigen und physischen Europa waren. Im Unterschied zu Carl Schmitt widmet sich nun Kevin MacDonald gezielt der Ursachenforschung zum für beide auffälligen jüdischen Erfolg im 19. und 20. Jahrhundert. Seiner Ansicht nach haben eine über Jahrhunderte rabbinisch herangezüchtete weit überdurchschnittliche Intelligenz und ein ebenso lang gewachsenes außerordentliches ethnisches Bewusstsein und Zusammengehörigkeitsgefühl jüdische Macht und Einfluss möglich gemacht. In seiner Vorstellung vom angeblichen Hyperethnozentrismus der Juden wandelt MacDonald in den gleichen Spuren wie Schmitt mit seinen Andeutungen über jüdische Operationsgebiete. Aber es wäre gewiss falsch, in dem amerikanischen Psychologen ein weiteres Beispiel für einen von Schmitt Beeinflussten zu sehen und zu einem Aufsatz zu starten über „Carl Schmitts Einfluss auf die moderne Evolutionspsychologie“. Schmitt war sich immerhin noch bewusst, zumindest nicht in die Seele oder das innerste Bewusstsein seines damaligen Antilieblingsjuden Stahl blicken zu können – was er sehr bedauerte -, während MacDonald sich offenbar sicher ist, die geheimen und offenen Motive der angeblich so beneidenswert erfolgreichen Juden zu kennen.
gregorbrand - 21. Aug, 23:19