Der animalische Fluch
Hat Anima, die Tochter Carl Schmitts, ihre Großmutter Louise verflucht? Es ist nicht bekannt. Dabei hätte es nie eine Anima gegeben, wäre es nach den Wünschen von Animas Großmutter gegangen. Denn Louise Schmitt geb. Steinlein wollte, dass ihr schlauer Erstgeborener katholischer Priester wird. Das hätte natürlich Zölibat bedeutet: Keine Anima, keinen spanischen Meeresbiologen Jorge Schmitt Otero - und viele andere Menschen hätten ebenfalls das Licht der Welt nicht erblicken dürfen und dürften es in alle Zukunft nicht.
Weswegen eigentlich dieser lebensverwehrende Berufswunsch der Mutter für den Sohn? Wegen der Seligkeit ihres Carl im Himmel kann es nicht sein, denn die ist ja auch nichtpriesterlichen Katholiken nicht verwehrt. Und die auf Erden auch nicht. Andere - nicht überzeugende - spirituelle Motive sind denkbar und wird es auch bei etlichen Eltern katholischer Priester gegeben haben. Möglicherweise haben aber auch äußerliche, statusbezogene Gründe bei dem Wunsch nach einem Priestersohn eine Rolle gespielt. Immerhin waren in der katholischen Welt, der Louise Steinlein entstammte, die Pfarrer noch „Herren“: In der Eifel, aus der Louise kam, wurde der katholische Pfarrer ehrfürchtig als „Här“ bezeichnet und war die respektabelste Person in Dorf und Kleinstadt. Aber dafür die Verhinderung neuen Lebens, neuer Kultur, in Kauf nehmen?
Oder hat Louise Schmitt heimlich gehofft, ihr Sohn Carl werde sich, wenn er Priester sei, nach dem Vorbild anderer Steinlein-Priester die Freiheit nehmen, doch das ein oder andere uneheliche Kind zu zeugen? Ich halte solche Überlegungen bei der frommen Frau Schmitt für unwahrscheinlich. Der katholische Tradition entspräche es eher, anzunehmen, dass sie sich über nichtgeborene Priesterkinder überhaupt keine Gedanken machte. Selbst die Tatsache, dass in protestantischen Pfarrershäusern Jahr um Jahr Tausende hochbegabter Kinder und Kinderskinder geboren wurden, die die deutsche Kultur in unglaublichem Maß bereichert haben – hat sie je einen katholischen Theologen zu kritischen Reflexionen über die eigene Unfruchtbarkeit veranlasst? Und wenn sich die großen Köpfe der katholischen Kirche darum nicht geschert haben, warum sollte dies die gute Frau Schmitt getan haben?
Weswegen eigentlich dieser lebensverwehrende Berufswunsch der Mutter für den Sohn? Wegen der Seligkeit ihres Carl im Himmel kann es nicht sein, denn die ist ja auch nichtpriesterlichen Katholiken nicht verwehrt. Und die auf Erden auch nicht. Andere - nicht überzeugende - spirituelle Motive sind denkbar und wird es auch bei etlichen Eltern katholischer Priester gegeben haben. Möglicherweise haben aber auch äußerliche, statusbezogene Gründe bei dem Wunsch nach einem Priestersohn eine Rolle gespielt. Immerhin waren in der katholischen Welt, der Louise Steinlein entstammte, die Pfarrer noch „Herren“: In der Eifel, aus der Louise kam, wurde der katholische Pfarrer ehrfürchtig als „Här“ bezeichnet und war die respektabelste Person in Dorf und Kleinstadt. Aber dafür die Verhinderung neuen Lebens, neuer Kultur, in Kauf nehmen?
Oder hat Louise Schmitt heimlich gehofft, ihr Sohn Carl werde sich, wenn er Priester sei, nach dem Vorbild anderer Steinlein-Priester die Freiheit nehmen, doch das ein oder andere uneheliche Kind zu zeugen? Ich halte solche Überlegungen bei der frommen Frau Schmitt für unwahrscheinlich. Der katholische Tradition entspräche es eher, anzunehmen, dass sie sich über nichtgeborene Priesterkinder überhaupt keine Gedanken machte. Selbst die Tatsache, dass in protestantischen Pfarrershäusern Jahr um Jahr Tausende hochbegabter Kinder und Kinderskinder geboren wurden, die die deutsche Kultur in unglaublichem Maß bereichert haben – hat sie je einen katholischen Theologen zu kritischen Reflexionen über die eigene Unfruchtbarkeit veranlasst? Und wenn sich die großen Köpfe der katholischen Kirche darum nicht geschert haben, warum sollte dies die gute Frau Schmitt getan haben?
gregorbrand - 8. Aug, 20:31