Bernd Mattheus berichtet, dass Cioran in seiner Jugend mit einem Totengräber befreundet war, der mit Totenschädeln Fußball spielte. Cioran hat auch selbst als Kind Totenschädel in dieser Weise geschändet - mit gutem Gewissen anscheinend und mit Freude.
Hätte in meiner Kindheit in unserem Dorf sich jemand in dieser Weise verhalten, so hätte er schärfsten Tadel und verdiente Verachtung auf sich gezogen. Meine Eltern wären gegen ein solches Treiben mit dem größtmöglichen Ernst eingeschritten. In meiner Eifeler Heimat war der Respekt vor der Ehre und Würde der Toten nicht geringer als er im Judentum ist. Davon abgesehen, wäre ich ohnehin nie auf diese fantasielose Idee gekommen.
Hätten Ciorans Eltern oder Großeltern sowohl den Totengräber als auch ihn und seine Spielkameraden so zurechtgewiesen, wie es richtig ist, dann wäre er vielleicht weniger berühmt geworden. Aber dies wäre die Würde jener rumänischen Toten wert gewesen.
gregorbrand - 24. Jul, 11:00