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Mittwoch, 4. Juni 2008

Pädagogik der natürlichen Ungleichheit

Der herausragende amerikanische Intelligenzforscher Arthur Jensen stellte einmal fest:

„In typical classrooms, the slowest pupils take 500 to 600 percent more time than the fastest pupils to learn a given amount of material to the same level of mastery.”

Angesichts dessen sind Lehrkräfte zwangsläufig zum Scheitern verurteilt, wenn sie allen Schülern gleichermaßen gerecht werden wollen. Die Frage kann nur sein, wie diese natürliche und unausweisliche „Ungerechtigkeit“ am sinnvollsten minimiert werden kann.

Der Deutsche als Kämpfer

1938 schrieb Karl Arnhold in seinem Buch „Das Ringen um die Arbeitsidee“: „Der Deutsche ist in erster Linie Kämpfer.“ Wahrscheinlich wird dieser Gedanke in leicht veränderter Form auch bei der kommenden Fußball-Europameisterschaft bei jedem Spiel der deutschen Mannschaft zu hören sein – wie schon bei unzähligen Turnieren und Spielen vorher. Sowohl bei Arnhold als auch bei vielen anderen, die die Kämpfereigenschaft der Deutschen betonen, dient dabei die Feststellung nicht nur der Bestandsaufnahme, sondern wird als Ermahnung verstanden: Die Deutschen sind Kämpfer, also sollen sie auch kämpfen!

Gar nicht so viel seltener als das Lob des Kämpfens hört man aber gerade auch von deutscher Seite Kritik am Kämpfen. Offenkundig fühlen sich viele Deutsche nicht wohl beim Gedanken, in erster Linie Kämpfer zu sein, und sie empfinden ihre Kämpferhauptnatur oft zugleich auch als beschämenden Mangel an angeblich fehlenden anderen Eigenschaften. Im Grunde haben sie stets – selbst wenn sie ihn nicht kennen - ihren Friedrich Schiller im Ohr, der den berühmten Satz schrieb:

„Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“


So werden hoffentlich die deutschen Fußballspieler wie überhaupt die Deutschen unverdrossen und mit möglichst viel Erfolg weiter darum kämpfen, nicht nur Kämpfer zu sein.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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