Ein evolutionäres Fernduell
Baruch Weil, der jüdische Großvater Marcel Prousts, heiratete im Jahr 1800 Hélène Schoubach, eine Dreizehnjährige. Fünf Jahre später hatte sie bereits fünf Kindern das Leben geschenkt. Wäre eine solche Heirats- und Ehepraxis auch bei christlichen Deutschen dieser Zeit möglich gewesen? Immerhin war Sophie von Kühn auch erst dreizehn, als sich Novalis mit ihr verlobte. Aber selbst wenn die arme Sophie nicht 1797 bereits mit gerade 15 Jahren gestorben wäre, kinderlos und unverheiratet, kann man davon ausgehen, dass der deutsche romantische Dichter und Denker in diesem imaginären evolutionären Fernduell mit dem Handelsmann Baruch Weil, der am Ende elf Kinder von zwei Frauen hatte, unterlegen wäre. Evelyne Bloch-Dano schreibt zur weilschen Fruchtbarkeit in ihrer Biographie „Madame Proust“ (Berlin 2006) trocken: „Ohne Zweifel hatte Baruch den biblischen Spruch ´Seid fruchtbar und mehret euch´ ernst genommen.“
Vielleicht ist es aber auch nicht angemessen, Baruch Weil mit Friedrich von Hardenberg zu vergleichen, bloß weil sie ungefähr gleichaltrig waren. Müsste man nicht viel eher Proust selbst mit Novalis vergleichen, also Dichter mit Dichter? Dann ergäbe sich in diesem Fall, generativ-evolutionär betrachtet, ein armes, kinderloses und christliches Remis zwischen dem deutschen und dem französischen Genius.
Vielleicht ist es aber auch nicht angemessen, Baruch Weil mit Friedrich von Hardenberg zu vergleichen, bloß weil sie ungefähr gleichaltrig waren. Müsste man nicht viel eher Proust selbst mit Novalis vergleichen, also Dichter mit Dichter? Dann ergäbe sich in diesem Fall, generativ-evolutionär betrachtet, ein armes, kinderloses und christliches Remis zwischen dem deutschen und dem französischen Genius.
gregorbrand - 19. Mai, 23:54