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Sonntag, 30. März 2008

Carl Schmitt und der erste Weltkrieg

Zu den erfreulichsten Sätzen aus Carl Schmitts Tagebuch 1912 – 1915 gehören diejenigen gegen den erzunsinnigen Weltkrieg.

Am 21. 10. 1914 schrieb er beispielsweise:

„Beginn eines Aufsatzes: Krieg? Wo leben wir denn? Wir leben doch im Jahrhundert des Kindes!“

Gleichheit vor Gott

Zu den am wenigsten überzeugenden Argumenten gehört die Folgerung und Forderung, Menschen deswegen gleich zu behandeln, weil sie vor Gott gleich seien. Abgesehen davon, dass die Existenz Gottes ohnehin ungewiss ist, weiß kein Mensch genau, was Gott „denkt“ und wer wirklich vor ihm gleich ist. Wer glaubt, die alle Gesetze transzendierenden Gedanken Gottes zu kennen, befindet sich auf dem hölzernen Irrweg der Hybris. Und selbst wenn man wüsste, dass vor Gott alle Menschen gleich sind – wie soll man von da aus zu der Schlussfolgerung kommen, auch vor dem Menschen alle Menschen gleich zu behandeln? Immerhin muss jedem, der an Gott glaubt, klar sein, dass zwischen diesem und dem Menschen Welten und Aberwelten liegen. Schon die alten Römer wussten überdies: Quod licet Iovi, non licet bovi.

Wie gleich oder ungleich Menschen zu behandeln sind, kann für Menschen nur eine menschliche Frage sein, die nach irdischen Kriterien so oder anders zu entscheiden ist. Sich dabei auf die angebliche Gleichheit vor Gott zu berufen, ist ein verfänglicher und nicht überzeugender Trick politischer Theologie.

Antisemitismus und Antialphabetismus

Die Ursprünge des Alphabets wurden, nach heutigem Kenntnisstand, von Semiten geschaffen. Semiten waren es, die die ältesten alphabetischen oder präalphabetischen Inschriften aus der Zeit um 1900 v. Chr. in Ägypten hinterlassen haben, die vor einiger Zeit von John Darnell entdeckt wurden. Angesichts dieser Herkunft und der uralten semitischen Tradition des Schreibens ist es kein Wunder, dass einige der wirkungsvollsten Bücher der Geschichte – Thora und Koran – in semitischen Sprachen verfasst wurden. Wer Bücher hasst und Schreibende, wird in gewisser Weise immer auch etwas Antisemitisches in sich haben.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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