Sonntag, 16. März 2008

Henry Fairfield Osborn sr.: Rassenbewusstsein und Toleranz

Der amerikanische Biologe und Paläontologe Henry Fairfield Osborn sr. (1857 – 1935) gehörte im vergangenen Jahrhundert zu den zahlreichen Großen des Geistes – neben den wie immer ungleich zahlreicheren Kleinen des Geistes - , für die Rassenunterschiede zu den maßgeblichen Faktoren der menschlichen Kultur gehörten. „Der Charakter eines Landes wird bestimmt von der Rassenzugehörigkeit der Männer und Frauen, die darin überwiegen.“, schrieb er im verhängnisvollen Jahr 1933 im Geleitwort zu der amerikanischen Ausgabe von Madison Grants „The Conquest of a Continent or the Expansion of Races in America“. Wegen dieser und anderer Äußerungen gegen den Rassennihilismus – also die Auffassung, dass es keinerlei bedeutsame Rassenunterschiede gibt beziehungsweise, dass es überhaupt keine Rassen gibt - ist es kein Wunder, dass Osborn schnell als Rassist gebrandmarkt wird. Dabei betont der Angelsachse in dem genannten Geleitwort ausdrücklich, dass seine Überzeugung von der Bedeutung anthropologischer Unterschiede nicht bedeutet, dass er eine Rasse generell für wertvoller hält als die andere:

„Ich bin durchaus ebensowenig der Meinung, daß eine bestimmte Rasse im Vergleich zu einer anderen ´überlegen´ oder ´minderwertig´sei, wie ich etwa der Ansicht wäre, daß alle Rassen gleichartig oder gleichwertig seinen. Solche willkürlichen Annahmen sind durch keinerlei Tatsachen belegt. Gleichheit oder Ungleichheit, Überlegenheit oder Minderwertigkeit sind rein relative Begriffe.“

Osborn hebt - für jene Zeit alles andere als selbstverständlich - ausdrücklich hervor, dass „Neger und gewisse andere farbige Rassen oder braune Rassen“ fähig sind, „unter gewissen Bedingungen große Zivilisationen zu schaffen“. Er spricht begeistert von den „wunderbaren Leistungen, die die Mittelmeervölker und andere in dem heißen Klima und unter der brennenden Sonne Mesopotamiens, Ägyptens, Nordafrikas, Cambodias und Indiens“ vollbracht haben und erwähnt ausdrücklich auch „die großen Errungenschaften der alpinen Rasse auf den Gebieten der Technik, der Mathematik und der Astronomie“.

Im gleichen fatalen Jahr, in dem in Deutschland rassische Ignoranz und fanatisierte Intoleranz an die Schalthebel der politischen Macht kommen, schreibt H. F. Osborn die klassisch schönen Sätze:

„Auf diesem Felde wie überall, wo wissenschaftliche Erkenntnis und gefühlsmäßige Einstellung sich miteinander vermischen, ist es geboten, weder zu beschönigen, noch herabzusetzen, sondern mit weitem Blick den Geist offen zu halten und wahrhaft duldsam zu sein.“

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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