Samstag, 23. Februar 2008

Amerikanische Selbstkritik

Der auf seine damals noch hauptsächlich nordisch geprägte Nation stolze Amerikaner Madison Grant - "der bekannte Vorkämpfer des Rassengedankens in den Vereinigten Staaten Amerikas" (Prof. Eugen Fischer im Vorwort zu Grants Buch) - schrieb in seinem informativen, wenn auch tendenziösen Werk über „Die Eroberung eines Kontinents“ („The Conquest of a Continent or the Expansion of Races in America“) zusammenfassend über die Besiedlung der Vereinigten Staaten:

„Das alles war vielleicht unvermeidbar, aber nie ist seit der Plünderung Galliens durch Cäsar ein so riesiges Gebiet in so kurzer Zeit ausgebeutet worden. Wahrscheinlich ist nie ein zerstörungswütigeres menschliches Wesen auf dem Schauplatz der Weltgeschichte aufgetreten als der amerikanische Pionier mit seiner Axt und seinem Gewehr.“

Diese kritische Betrachtung der amerikanischen Eroberungsgeschichte ist dem Autor von seinen Anhängern diesseits und jenseits des Atlantik offenbar nie übelgenommen worden. Man kann sich leicht vorstellen, zu welch wütenden Angriffen es dagegen geführt hätte, wenn von jüdischer Seite – etwa durch Susan Sontag – ein solcher Satz von der maximalen Destruktivität der Amerikaner formuliert worden wäre. In der Sache wäre eine Kritik an dieser Art Amerikanerkritik sogar berechtigt, denn um den finsteren ersten Platz in menschlichlicher Zerstörungswut können viele erfolgreich mit dem amerikanischen Pionier konkurrieren.

Madison-Grant
Madison Grant (1865 - 1937)

Assimilationsfreundliche und assimilationsfeindliche Deutsche

In einer Zeit, in der sich deutsche Politiker und Meinungsmacher anscheinend nahezu täglich darin überbieten wollen, von Immigranten allgemein und Türken im Besonderen Bereitschaft zur Integration und Assimilation zu verlangen, finde ich beiläufig folgende Randnotiz aus der Besiedlungsgeschichte der USA:

„Obwohl Texas im Jahre 1860 erst 20 000 deutsch-geborene Einwohner zählte, so hielten diese doch so fest zusammen, daß die Hälfte der gesamten Einwohnerzahl im südlichen Teile des Staates, in der Gegend von San Antonio, deutsch war. Hier wie sonstwo machten sich die Deutschen für ihr neu angenommenes Heimatland nicht sehr erwünscht, indem sie die Sitten und die Sprache ihres Vaterlandes krampfhaft beizubehalten suchten.“
(Madison Grant: Die Eroberung eines Kontinents. Die Verbreitung der Rassen in Amerika. Berlin 1937, S. 108).

An diese Feststellung knüpft Grant, berühmt-berüchtigter Vorkämpfer der nordischen Idee in den USA vor dem 2. Weltkrieg, unmittelbar folgende These an:

„Die Geschichte aller Länder lehrt, daß nationale Einheit eine unbedingte Voraussetzung für das Gedeihen einer Nation ist. Von denen, die aus freien Stücken nach den Vereinigten Staaten gekommen sind, um die Erwerbsmöglichkeiten auszunützen, kann wohl erwartet werden, daß sie dem Land, das ihnen in solcher Weise zugute kommt, treue Gefolgschaft leisten oder aber daß sie irgendwo anders hingehen.“

Mit diesen Sätzen hat Madison Grant im Grunde das Glaubensbekenntnis aller forcierten Assimilationsbefürworter formuliert, mag diesen nun dieser ideologische Bundesgenosse behagen oder nicht.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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