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Mittwoch, 28. November 2007

Goethe und die Forstwirtschaft

Als meine Mitschüler und ich 1974 in Prüm, etwa ein Jahr vor unserem Abitur, vom Klassenlehrer Edgar Klauk gefragt wurden, was wir denn nach dem Abitur machen wollten, gab ich als mein Wunschstudium das der Forstwissenschaft an. Auch wenn sich mein weiterer Lebensweg bekanntlich anders entwickelt hat, freue ich mich doch, dass eine von mir so außerordentlich geschätzte Persönlichkeit wie Goethe ebenfalls ein großes Interesse an forstlichen Fragen besaß. Goethe hielt von der Forstwirtschaft so viel, dass er sogar meinte, es verdiene von jedem gekannt zu werden, wie das Forstwesen eingerichtet und erhalten werde. Würde man diese vernünftige goetheanische Ansicht beachten, so läge es natürlich nahe, forstwirtschaftliche Grundsätze und Waldgrundwissen in den Schulen nicht nur – wenn überhaupt! – ganz nebenbei zu behandeln, sondern zu einem wichtigen Bestandteil des Unterrichts zu machen. Sicher wäre es nicht zum Nachteil der globalen Lebensbedingungen, wenn solche Forst- und Waldkunde in pädagogisch angemessener Weise weltweit Kindern und Jugendlichen vermittelt würde.

Goethe nahm für sich selbst die Bedeutung der Wälder auch insofern ernst, als er den zahlreichen Begegnungen mit Forstmeistern und Forstmännern großen Raum in seinem Leben gegeben hat. Günter Schulz nennt in seinem Buch über „Goethe und die bäuerliche Welt“ die Namen zahlreicher Forstleute, mit denen Goethe sich über Holzkultur und Waldbau ausgetauscht hat und mit aufmerksamen Sinnen durch Wälder gewandert und geritten ist. Zu seinen Forstfreunden zählte auch der weimarische Forstmeister Heinrich von Cotta, der bis weit ins außerdeutsche Ausland hinein höchstes Ansehen genoss.

Sympathisch ist mir die Zuneigung Goethes gerade zu den einheimischen – in seinem Fall den weimarischen – Gewächsen, von denen er einmal in seiner eigenartig ausdrucksstarken Sprache nennt „die Nadelhölzer aller Art, mit ernstem Grün und balsamischem Duft, Buchenhaine von freudigem Anblick, die schwankende Birke und das niedere, namenlose Gesträuch.“ Wie seine Freundin, die Herzogin Anna Amalia, waren Goethe Aufforstungen besonders wichtig. Anna Amalia bedauerte, dass ihr Schwiegervater seiner Baulust wegen weite Flächen hatte abholzen lassen; sie beauftragte den thüringischen Oberforstmeister von Lengefeld mit der Prüfung von Möglichkeiten zur Korrektur dieser Waldschädigungen. Carl Christoph von Lengefeld – in Safranskis Schillerbiographie fälschlich Hans Christoph genannt – war nicht nur Schillers Schwiegervater, sondern vor allem ein herausragender Forstwirt. Durch seine praktische und wissenschaftliche Tätigkeit hat er sich den Ruf erworben, „den Deutschen ihre Wälder gerettet“ zu haben. Wenn an dieser Charakterisierung auch nur ein wenig Wahres ist, dann muss man ihn unbedingt zu den großen Deutschen zählen.

Zu dieser Elite der Deutschen zählt auch der studierte Zoologe Ernst Jünger, dessen forstliches Interesse nicht kleiner war als das Goethes und in dessen literarischem Werk das Begriffsfeld des Waldes sogar eine größere Bedeutung einnimmt als bei dem Dichterfürsten. Während der Olympier Goethe seinen Sinn vornehmlich – wenn auch nicht ausschließlich - auf das Erbauende und Förderliche des Waldes gerichtet hat, hat Jünger allein schon mit der Figur des „Oberförsters“ auch die andere, dunkle Seite der Wälder verewigt.

Gregor Brand - Aphoristiker & Philosoph

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